Die Redensart und ihre Herleitung

"Schwein haben" ist eine Redensart und kein Glückwunsch oder Zauberspruch (1). Eine Redensart ist auch noch keine Redewendung. Diese besteht aus ganzen Sätzen mit den minimalen Elementen Subjekt, Prädikat und Objekt. Eine Redensart kann schon sehr bruchstückhaft gebildet sein. Vor allem aber ist sie bildhaft. Welches Bild haben wir vom Schwein?

Es gibt mehrere Herleitungen der Redensart. Eine besagt, dass der Verlierer bei Ritterturnieren im Mittelalter ein Schweinchen geschenkt bekam - sozusagen als Trostpreis. Möglicherweise führt die Redensart vom Schwein haben aber auch auf die Kartenspieler zurück. Das Ass hieß in früheren Zeiten "die Sau". Wer ein Ass ausgeteilt bekommt, der hat gute Chancen das Spiel zu gewinnen. Er hat dann "ein Schwein gehabt", oder auch mehrere.

Eine dritte Herkunftsvariante bezieht sich auf Naturkatastrophen wie Überschwemmungen. Wenn Hab und Gut untergeht, dann rettet der Mensch das Allernötigste, zum Beispiel die Nahrung in Form eines Schweins, das er auf den Schultern durch die Fluten trägt.

Das domestizierte Schwein

Der Mensch hält Hausschweine seit Urzeiten. Warum? Die Tiere haben mehrere bedeutsame Vorteile für die Ernährung.

Kosten. Schweine sind Allesfresser. Das macht ihre Befütterung kostengünstig. Auch Nahrungsreste finden in den Schweinen dankbare Verwerter. Der Halter muss nicht ausschließlich kostspielige Futtermittel für die Tiere anbauen oder erwerben.

Zeitersparnis. Die Tiere werden nach drei Monaten Trächtigkeitsdauer geboren und sind nach sechs Monaten schlachtreif. Die Aufzucht ist demnach relativ kostengünstig, und die Nährwerte stehen dem Besitzer zeitnah zur Verfügung.

Quantität. Bei einem Wurf bringt die Sau drei bis vier Ferkel zur Welt. Damit stehen dem Schweinezüchter pro Jahr etwa 20 Exemplare und die entsprechenden Nährwerte zur Verfügung. Ein Stall mit Schweinen kann eine größere Gemeinschaft satt machen.

Vorteile und Vorurteile

Die Vorteile der Schweinehaltung werden von den Menschen seit mehr als 10.000 Jahren genutzt. Hausschweine werden vor allem in Europa und in Ostasien verzehrt. In anderen Kulturen haben sich, auch klimatisch bedingt, unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten durchgesetzt.

Dies hat drei biologische Gründe (2). Erstens können Schweine nicht schwitzen. Sie können also in heißen Gebieten nicht in Herden über weite Strecken getrieben werden. Zweitens finden sie nicht überall Futter. Rinder und Ziegen können auch in kargen Gegenden Grashalme rupfen. Schweine brauchen eine feuchte Umgebung, um ihre Nahrung mit den Nasen aufzuwerfen. Drittens sind Schweine aufgrund ihres Verhaltensmusters nur schwierig in Herden voranzutreiben. Ein Transport über weite Strecken gestaltet sich umständlich.

Die vorgefassten Ansichten über Unreinheiten aufgrund einer Tendenz zu Pilzerkrankungen und über eine grundlegende Dummheit der Tiere gelten als wissenschaftlich überholt.

Glückssymbole

Im Winter ist es in Europa oft sehr kalt. In der vorindustriellen Zeit lebten die Menschen in weit verstreuten Ortschaften ohne eine verbundene Energie-Infrastruktur. Die Versorgung mit Lebensmitteln war ebenfalls unvollständig. Die agrarisch orientierten Gesellschaften lebten über Jahrtausende in der Form der Subsistenzwirtschaft (3), also weitgehend von der Selbstversorgung. Umgangssprachlich nennt man diese Wirtschaftsform auch "von der Hand in den Mund leben".

 

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Wenn im Winter ein oder mehrere Ferkel geboren wurden, so waren die Menschen froh über diese Nahrungsquelle. Sie feierten das Neujahr dementsprechend mit dem Genuss von Schweinefleisch und wählten für die Feiertage das Schwein als Glückssymbol für ein gutes Leben.

Marzipan

Die Verwendung von Marzipanschweinchen scheint aus der Neuzeit zu stammen (4). Marzipan ist teuer in der Herstellung, denn es besteht aus Zucker, Mandeln und Aromastoffen. Arme Menschen hätten sich in alten Zeiten nicht ohne weiteres Glückssymbole aus Marzipan leisten können. Allerdings ist der Süßstoff seht nahrhaft. Er liefert nahezu 500 Kilokalorien auf 100 Gramm bei einer Marzipanmasse im Verhältnis 50/50 Rohmasse zu Puderzucker.

Gute Geister – böse Geister

Glückwünsche haben seit alters her eine rituelle Bedeutung in den menschlichen Gemeinschaften. Sie sollen dem Empfänger Kraft vermitteln und ihn auf diese Art für die Bewältigung kommender Ereignisse stärken. Daher wünschen wir uns gegenseitig "ein gutes neues Jahr".

 

Das Böllern vertreibt eingebildete böse Geister.
Das Bleigießen wird als Orakelspruch praktiziert. Aus den geronnenen Formen wollen manche Menschen Ereignisse in der Zukunft voraussagen, die in den Formen "Gestalt angenommen" haben.

Schornsteinfeger gelten möglicherweise durch ihre Berührung als Glücksbringer, weil sie die Häuser der Menschen vor drohenden Brandgefahren schützen.

Sinnbilder oder Symbole tragen eine Bedeutung in sich. Das Schweinsymbol und die verwendete Redensart wurden zu ihrer Zeit auf sehr handfesten Grundlagen begründet. Sie bezeichnen das Überleben in einer schwierigen Jahreszeit.

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