Wir schreiben das Jahr 2078 auf dem weit entfernten Planeten Sirius 6B. Die letzten Überlebenden des apokalyptischen Krieges zwischen der verfeindeten Allianz und der NEB harren in einem Bunker aus. Eines Tages erscheint ein Soldat der Gegenseite mit einem Friedensangebot. Ehe er seine Botschaft überreichen kann, wird er von mit rasiermesserscharfen Klingen ausgestatteten Robotern buchstäblich zerstückelt. Diese Roboter, "Sreamers" genannt, wurden als ultimative Waffe von der Allianz entwickelt und im Krieg eingesetzt. Sie reagieren auf menschliche Herzschläge und können nur durch spezielle Geräte davon abgehalten werden, ihre eigenen Erbauer zu töten.

Colonel Hendricksson (Peter Weller) weiß nicht so recht, was er von dem Friedensangebot halten soll, macht sich aber dennoch zur verfeindeten Seite auf. Unterwegs treffen er und der ihn begleitende Soldat Ross die ebenso geheimnisvolle, wie bildschöne Jessica (Jennifer Rubin) und den labil wirkenden Becker. Am Ziel angekommen macht Hendricksson eine entsetzliche Entdeckung: Die Screamers haben sich selbstständig weiterentwickelt und können inzwischen menschliche Form annehmen. Allmählich wird ihm bewusst, dass die gesamte Menschheit in großer Gefahr ist. Schließlich kennen die Screamers keine Unterschiede zwischen den Menschen – und Gefangene werden erst recht keine genommen …

Nach Philip K. Dicks Kurzgeschichte "Variante Zwei"

Mehr soll von "Screamers – Tödliche Schreie" nicht verraten werden, denn trotz aller kleineren oder größeren Probleme ist Regisseur Christian Duguay eine kleine, feine Genreperle gelungen, die zu Unrecht in der Masse der Blockbuster untergegangen ist. Wie bereits erwähnt stammt die Vorlage aus der Feder von Philip K. Dick. "Variante Zwei" ("Second Variety") hieß die apokalyptische Vision einer fernen Welt, in der sich Waffen buchstäblich selbst gegen ihre Schöpfer und Erbauer wenden. Die Story zählt zweifellos zu Dicks düstersten Geschichten und weist ungewöhnlich deutliche Horrorelemente auf. Folgerichtig inszenierte Duguay einen SF-Horror-Mix, dem insbesondere das geringe Budget zum Verhängnis wurde.

Gut 11 Millionen Dollar betrug das Budget, wobei lediglich knapp die Hälfte davon an den US-Kinokassen wieder hereingeholt werden konnte. Am Flop konnten selbst "Robocop" Peter Weller und das Drehbuch von Dan O¹Bannon – berühmt geworden durch sein Script für "Alien" – nichts ändern. Schade eigentlich, denn der von der Kritik entweder verschmähte oder größtenteils abgewatschte SF-Horror-Film hätte sich mehr Zuspruch verdient. Die im kanadischen Québec gedrehten Außenszenen fangen die Atmosphäre des Eisplaneten aus der Vorlage sehr gut ein, vermögen jedoch die bestenfalls mittelmäßigen, in einigen Szenen billig wirkenden Special Effects nicht zu kaschieren. Natürlich muss man die Produktionszeit bedenken: 1995 war der CGI-Zauber noch extrem aufwändig und teuer. Selbst weitaus teurere, auf CGI setzende Streifen sehen zwanzig Jahre später in vielen Szenen unrealistisch aus.

Remake "Screamers – Tödliche Schreie"!

Das andere Problem des Films ist seine Länge. Für gewöhnlich haben Literaturverfilmungen das Problem, einen zig hundert Seiten starken Roman auf zwei Stunden zusammenzustutzen (heutzutage elegant gelöst, indem man einfach Teil 1 und Teil 2 eines einzigen Romans dreht und damit doppelt abkassiert; irgendwann wird Hollywood noch entdecken, dass nichts dagegen spricht, einen Roman auf drei Teile aufzusplittern und dreifach Kohle zu machen – mark my words!). Ausgerechnet im Fall des notorischen Vielschreibers Philip K. Dick wurde eine Kurzgeschichte auf fast zwei Stunden ausgewalzt. Dadurch sammelt sich an einigen Stellen doch deutlich Füllmaterial an, das man großzügig weglassen hätte können, ohne dem Zuseher entscheidende Informationen vorzuenthalten.

Man merkt dem Film auch an, dass es sich um eine der ersten Regiearbeiten Duguays handelte: In Punkto Spannung fehlt den Szenen das entscheidende Quäntchen, um für Herzklopfen zu sorgen. Ein bisschen zu glatt und zu vorhersehbar wurden diese inszeniert. Nun ist der Rezipient kein Anhänger der Hollywood-Theorie, wonach jeder Film alle paar Jahre unbedingt ein Remake benötigt. Einem "Screamers – Tödliche Schreie"-Remake wäre er nicht abgeneigt. Immerhin handelt es sich bei "Variante Zwei" um eine seiner Lieblingsgeschichten von Philip K. Dick, deren erneute Verfilmung gewiss keine Schande wäre, zumal mit einem üppigeren Budget im Rücken. Die wendungsreiche Story hätte es sich verdient. Einmal mehr steht die Frage: "Wer ist Mensch?" im Zentrum des Geschehens. Der besondere Twist mit den sich selbst reproduzierenden Killermaschinen sorgt bereits beim Lesen für Nervenkitzel.

Philip K. Dick nahm "Terminator" vorweg

Und auch wenn "Screamers – Tödliche Schreie" diesen Nervenkitzel nicht ganz auf die Leinwand bzw. auf die Mattscheibe bringt: Man muss kein Philip-K.-Dick-Fan sein, um diesen Streifen durchaus interessant zu finden. Sieht man von den teils schwachen Spezialeffekten und so manchen unnötigen Längen ab, bietet der SF-Horror-Mix gute Unterhaltung für knapp zwei Stunden. So mancher Zuschauer wird von den "Terminator"-Anklängen verblüfft sein. Tatsächlich klaffen zwischen Camerons erstem Actionkracher und der Vorlage jedoch gut drei Jahrzehnte. Dicks Ruf, der bedeutendste Science-Fiction-Autor des 20. Jahrhunderts gewesen zu sein, kommt nicht von ungefähr, wenn auch leider viel zu spät – all seinen Ruhm konnte der 1982 verstorbene Kalifornier nicht mehr genießen.

Hervorheben muss man zum einen die darstellerischen Leistungen des alten Haudegen Peter Weller als verbitterter, müder Kriegsveteran, sowie jene von Jennifer Rubin, einem ehemaligen Model, das es zwar nie in die ganz großen Blockbuster schaffte, aber bewies, dass auch Models durchaus gute Schauspielerinnen werden können. Nun sollte man ja mit dem Wörtchen "genial" sparsam umgehen, um es nicht zu verwässern. In diesem Fall ist es aber angebracht: Dem verstörenden Schluss der Dick'schen Vorlage noch einen grandiosen Twist zu verpassen, ist einfach genial. Alleine dafür gebührt dem Film höchster Respekt.

Fazit: Eine interessante Geschichte, die kanadische Eiswüste, Peter Weller und Jennifer Rubin trösten über die teils doch eher bescheidene CGI und so manche unnötig in die Länge gezogenen Szenen hinweg. "Screamers – Tödliche Schreie" ist gewiss kein Meisterwerk der Science Fiction, aber ein solider Unterhaltungsstreifen mit nach oben hin offenem Potenzial. Über die 2009 erschienene Fortsetzung "Screamers: The Hunting" vermag der Rezipient noch kein Urteil zu treffen. Was "Screamers – Tödliche Schreie" betrifft, so gibt er eine klare Seh-Empfehlung ab.

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