Neid fördert Depression und Hass - Umgang mit Missgunst

Ganz ehrlich: Wenn Sie jemand fragt, ob sie neidisch sind, was antworten Sie? Nein, natürlich sind Sie es nicht. Warum auch? Es geht Ihnen gut. Sie besitzen Familie, eine Wohnung, vielleicht ein Haus. Sie sind gesund, beruflich erfolgreich. Warum sollten Sie neidisch sein? Und auf wen auch? Sie sind eine Persönlichkeit mit einem eigenständigen Leben. Mit Rechten. Auch mit Pflichten, na klar. Doch Sie haben alles im Griff. Thema erledigt? Vielleicht nicht ganz.

 

Wenn Sie abends genervt vor dem Fernseher sitzen, von einer Casting-Show zur nächsten zappen, behaupten Sie dann nicht auch, dass die Typen doch alle gar nicht singen können? Das könnten sie ebenso. Mindestens, wenn nicht besser. Leider hat Sie noch niemand gefragt, ob Sie mitmachen wollen bei so einer Show. Und warum? Weil noch niemand Ihr Talent erkannt hat, oder? Aber die, die da im Rampenlicht hüpfen, die hätten es doch eigentlich gar nicht verdient, so beachtet zu werden. Also zappen Sie weiter.

 

Und landen in einer Quiz-Sendung. So leichte Fragen, pah. Die hätten Sie alle im Schlaf beantworten können. Hätten, denn leider wurden Sie nicht eingeladen von Herrn Jauch, von Herrn Kerner und nicht einmal von Frau Kock am Brink. Niemand will etwas von Ihnen wissen. Niemand wirklich Populäres. Dabei hätten Sie wirklich das Zeug dazu. Mann, Mann, was für Analphabeten sich in so einer Sendung zum Affen machen. Das hätten Sie nicht nötig, echt nicht. Obwohl Sie die Kohle gut gebrauchen könnten. Die Welt ist einfach ungerecht.

Ungerechtigkeit empfinden Sie auch, wenn Sie im nächsten Programm hängenbleiben. Super-Business-Büros, und Ihres ist nicht einmal halb so groß. Ach ja, vergessen Sie es einfach. Ihnen wird so ein Aufstieg nie gelingen. 

Individueller Umgang mit Neid - Depressionen, Hass oder Ansporn für eigene Leistungen

Ohne, dass es Ihnen bewusst sein muss, drängt der Neid Sie in eine Rolle und zwingt Sie zu einem bestimmten Verhalten. Zum depressiven Nichtstun zum Beispiel. Dann nämlich, wenn Sie meinen, die Welt wäre ohnehin schlecht. Glück hätten immer nur die anderen. Das hätten Sie schon von Kindesbeinen an zu spüren bekommen. Und dieses Nichtstun verschlimmert die Lage. Sie verfallen in eine Starre, aus der Sie sich kaum mehr aufraffen können. Anderen Menschen geht es immer besser, nur Sie treten auf der Stelle. Dabei treten Sie gar nicht, sie stehen still. Und vielleicht werden Sie krank.

 

Oder Sie gehören zu jenen Neidern, die es unerträglich finden, dass die vollbusige Sekretärin sich innerhalb von nur wenigen Wochen bis zur Abteilungsleiterin hochschlafen konnte. Aber genau das hätten Sie gleich gewusst, als die Schickse im Minirock zum Bewerbungstermin erschien. Doch es fragt Sie ja niemand, nicht einmal der Chef. Und warum fragt er Sie nicht? Weil er Ihre Kompetenzen nicht erkennt. Und weil es ohnehin eine Zumutung ist, in so einer Firma zu arbeiten! Wenn von Ihnen in diesem Zustand jemand wissen wollte, ob Sie neidisch sind, was würden Sie antworten? Natürlich sind Sie das nicht! Nein! Sie werden so lange suchen, bis Sie einen Fehler finden, den die Neue sich geleistet hat und ihn ihr dann unter die Nase reiben. Am besten, wenn es alle Kollegen sehen, damit die sich von Ihrem Wissen überzeugen können. Doch glauben Sie, dass Sie dann glücklich sind? Dass Ihnen dieses Verhalten weiterhilft? Es hilft höchstens Ihrem Magengeschwür, das Ihnen seit neuestem den Appetit verdirbt.

Ehrlicher Neid spornt an - Vielleicht landen Sie doch einmal in der Casting-Show

Nun lehnen Sie sich einmal zurück, schließen die Augen und fragen sich nur für sich selbst: Sind Sie nicht auch ein bisschen neidisch? Vielleicht auf den Nachbarn, dessen Tomaten tennisballgroß an den Sträuchern hängen? Vielleicht auf die Schickse im Minirock? Oder gar auf die Möchtegern-Talente, die sich in Fernsehsendungen zum Affen machen? Ein bisschen. Okay. Dann sagen Sie ohne Neid: "Das kann ich auch." Das ist etwas anderes, als wenn Sie sagen würden, das "könnten" Sie auch. Wenn Sie behaupten, dass Sie etwas können, sollten Sie auch beweisen, dass dem so ist.

 

Also fangen Sie an, planen Sie, arbeiten Sie, arbeiten Sie und arbeiten Sie. Und dann mag auch Ihnen der große Reibach gelingen. Mit den Tomaten könnte es einfach sein. Befragen Sie Ihren Nachbarn bei einer Tasse Kaffee um seinen geheimen grünen Daumen. Vielleicht fehlt Ihren Pflanzen einfach nur ein Regendach? Trauen Sie sich, mit der Mode zu gehen. Es muss ja nicht gleich der Minirock sein, der Ihre Pfunde unglücklich betont. Treiben Sie Sport. Schon die Bewegung schüttet Endorphine aus, Sie fühlen sich glücklicher. Ihre Kollegen werden staunen und auf Sie zukommen. Sie werden neue Freunde finden, neue Chancen entdecken. Und wenn Sie wirklich eine Singstimme besitzen, warum trainieren Sie die nicht? Es muss nicht gleich die Casting-Show sein. Ein Einstieg in einer kleinen Band, einem Chor, nur so zum Spaß, das wäre was. Wer weiß, ob man Sie dann nicht doch eines Tages im Fernsehen sieht. Eigentlich brauchen Sie diesen Rummel nicht, denn neidisch sind Sie schon lange nicht mehr.

Autor seit 5 Jahren
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