Als Lieblingsblume wird Lavendel nie genannt

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Blumen gibt es so viele. Jeder hat irgendeine Lieblingsblume. Wir alle haben außerdem einige Blumen auf unserer Liste, die neutral sind, und dann die eine Blume, die wir überhaupt nicht leiden können. Diese ist meistens mit einem unschönen Erlebnis verbunden. Doch es gibt auch Blumen, die wir oft nicht einmal als Blume wirklich wahrnehmen. Wie beispielsweise Lavendula. Ja, Lavendel. Eine unglaubliche Blume. Und so schön in den Farben, die von Lila bis Blau reichen und eine wundervolle Farbkombination zu den zart grünen bis blaugrünen Stilen und Blättern bilden. Er wirkt so zerbrechlich und ist es gar nicht. Nein, Lavendel ist genau das Gegenteil. Diese Pflanze hat eine magische Kraft und Energie in sich, dass sie sogar Menschen entweder vertreiben oder auch anziehen kann.

Dennoch wird er leider nie als Lieblingsblume genannt. Er ist eben da - oder wird gemieden. Er polarisiert also sogar die Menschen. Dabei kann er nicht nur den Rosen und den Gärtnern helfen, sondern auch den Menschen selbst und sollte aus diversen Gründen viel mehr Wertschätzung erfahren.

Die Parfumindustrie nutzt ihn schon ewig - doch nicht nur sie

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So nutzt die Industrie Lavendelpflanzen 

Seit Generationen wird das Öl des Lavendels als Parfum benutzt. Das ist für unsere Nasen heute nicht mehr unbedingt etwas (ich erinnere an 'Kölnisch Wasser' und 'Tosca'), doch wird Lavendel immernoch sowohl als echtes ätherisches Öl als auch als synthetisch hergestelltes Duftöl in Duftlampen - und auch als Badezusatz (bitte immer nur das echte ätherische Öl nehmen) - verwendet. Das echte ätherische Öl erhaltet ihr ganz sicher in Apotheken. In den Drogerien müsst ihr aufpassen, denn inzwischen wissen auch die Hersteller, dass wir das ätherische Öl bevorzugen. Somit wird in den Bezeichnungen gelegentlich getrickst. Ideal wäre es, wenn ihr einmal daran riechen dürftet. Ihr würdet den Unterschied sofort erkennen und euch für das natürliche, echte Lavendelöl entscheiden. 

Der größte Verwender der zarten Blüten ist allerdings die Parfumindustrie. Sie scheint überhaupt nicht ohne den entzückenden Lavendel auskommen zu können. Wie sonst lässt sich die beeindruckende, endlose Farbenpracht der Lavendelfelder in der Provence erklären? Die Frage ist, inwiefern der Lavendelduft, der als Inhaltsstoff in nahezu allen Parfums genannt wird, den jeweiligen Duft schließlich unterstützt. Wird er am Ende vielleicht gar nicht als Duft sondern wegen einer seiner anderen Wirkungen in Parfums hinzugegeben? Vielleicht ist er eine Art Konservierungsmittel? 

Die industrielle Ernte der Lavendelzweige

Die Blüten und Stile werden mit Mähdreschern geerntet und in einem bestimmten Destillierverfahren zu Öl verarbeitet, das dann den meisten Parfümen als Basis dient. Gewonnen wird das Lavendelöl durch die Destillation der Blüten und Blätter. Lavendel gehört tatsächlich zu den Grundstoffen der Parfümherstellung, bildet also die erste Instanz der Parfüms. Seltsam, dass man ihn trotz seines intensiven Dufts nur sehr selten herausriechen kann. Die Basis scheint also eher eine Art Trägerstoff für die anderen Düfte zu sein, was man sich bei dem eindringlichen Duft der Lavendelblüten, -blätter und -stile gar nicht vorstellen kann.

Die Schutzwirkungen der Pflanze

Es ist das Öl, welches sowohl die Blüten als auch die Stile und Blätter beinhalten, das die Pflanze zu etwas Besonderem macht. Wer hat wohl seine Kräfte erkannt? Hildegard von Bingen vielleicht? Nicht nur in ihren Werken kann man viel über den Lavendel lernen. Ihr findet auch in Romanen und historischen Büchern Beweise für die Kraft dieser Pflanze, wenn ihr genau lest und euch in die jeweilige Zeit hineinversetzt.

Um die Schutzwirkung des Lavendels zu belegen erinnere ich daran, dass man im Mittelalter mit Lavendelwasser den Mund ausspülte, um den Mundgeruch von den schlechten Zähnen zu übertünchen - und weil man hoffte, dass nicht nur der Duft sondern auch die Öle den Mund heilen.

Lavendel und andere Kräuter wurden in Burgen auf den Böden wie Streu ausgelegt, um Ratten und fieses kleines Ungeziefer fern zu halten. Der intensive Duft vertreibt in kleinen Kissen heute noch in manchem Kleiderschrank die Motten.

Ernte und Rückschnitt des Lavendels im heimischen Garten

Fernab der Provence, selbst im heimischen, durch die Jahreszeiten sich stets verändernden Garten Norddeutschlands, wächst und gedeiht Lavendel wunderbar. Im Schatten der Rosen gepflanzt ist er ein treuer, beschützender Freund der edlen Blumenkönigin, denn er hält hier nicht nur das Ungeziefer fern, sondern treibt jedes Jahr neu aus, wenn man ihn richtig pflegt, und ist rechtzeitig mit neuen Blüten als Wächter des nächsten Gartenjahres zur Stelle.

Nach der Blüte des Lavendels, bei den meisten Sorten im Juli, sollte man die Stile ernten, wie wenn man sich einen Blumenstrauß abschneidet. Der Schnitt der ersten Ernte fördert einen zweiten Flor, der bis in den September oder bei milder Witterung sogar in den Oktober hinein blühen kann. Der Rückschnitt sollte nach der zweiten Ernte folgen. Schneidet für den Winter nicht zu weit zurück, sondern nur so weit, dass die Pflanzen eine kompakte Form bekommen - das ist schon ein kräftiger Rückschnitt. Der Lavendel wird es euch danken, denn ein zu starker Rückschnitt schwächt alle Pflanzen und erschwert das Überwintern. Ihr werden im nächsten Frühjahr erkennen, welche alten Zweige noch ein Stück gekürzt werden können. Erst dann verträgt es die Pflanze gut, wenn alte Zweige richtig kurz werden.

Die geschnittenen Sträuße solltet ihr mit einem hübschen Band zusammenbinden und kopfüber in einer dunklen Ecke an eine Wand oder an der Seite des Küchenschranks aufhängen und trocknen lassen. Ihr könnt Lavendel auch ohne Wasser in Vasen stellen und dort trocknen lassen, denn auch als Trockenblume eignet er sich. Dabei lässt er aber die Köpfe hängen, was seiner Schönheit keinen Abbruch tut. Seine Schönheit leidet vielmehr durch das Licht. Er ist nicht so lange schön wie echte Strohblumen, denn die Farben seiner Blüten verblassen. - Sein Duft jedoch, erinnert auch im kältesten Winter noch an die warmen Sonnenstrahlen des letzten Sommers und weckt die Vorfreude auf den nächsten.

Hatte ich Magie versprochen? - Aber ja!

Nicht nur Hexen sagen ihm beschützende Wirkung nach. Ihr glaubt nicht an diesen Humbug? Nun, wie oben erwähnt, wurde Lavendelöl zur Mundpflege verwendet, um vor Mundgeruch und Entzündungen zu schützen. Ziemlich merkwürdige Vorstellung bei unseren heutigen, künstlichen Geschmackstorfen in Zahnpasta und Mundwassern. Damit nicht genug, Lavendel hilft auch als Beimischung in Kräutertees bei Magen- und Verdauungsproblemen. Seine desinfizierende und beruhigende Wirkung hilft außerdem bei leichten Hautrötungen und -entzündungen.

Die Magie des Lavendels besteht darin, dass er sowohl eine anziehende als auch eine abstoßende Wirkung hat. Dass jegliches Ungeziefer bei Lavendelduft das Weite sucht, habe ich erwähnt. Dies gilt sogar für Schnecken im Garten! Dabei muss der Lavendel nicht einmal überall gepflanzt werden. Es reicht bereits, regelmäßig getrocknete Lavendelblüten um die Pflanzen zu streuen, die geschützt werden sollen.

Viele Menschen bekommen beim Geruch von Lavendel eher Unwohlsein, um es vorsichtig zu beschreiben. Der Duft ist nicht jedermanns Sache. Es kommt dabei auf die Intensität an, weshalb ihr die trocknenden Sträuße eher in regelmäßig belüfteten Räumen aufhängen solltet, wie beispielsweise dem Flur. Wenn Menschen davor wegrennen, sollte euch das zu denken geben - die Magie des Lavendels wirkt dann wohl sehr stark. Denn, wenn ihr einen dicken Lavendelstrauß bindet oder euch einen hübschen Kranz flechtet und ihn an eure Wohnungs- oder Haustür hängt, haltet ihr alles Böse, alle bösen Geister, von euch fern und schützt euer Zuhause. Ein kleiner Strauß Salbei hinter dem Türstock (oder der Zarge) aufgehängt, bewirkt das Gleiche. Wenn also ein Mensch vor eurem Lavendel wegrennt, so heißt es, ist er euch nicht gut gesonnen.

Ich sprach davon, dass Lavendel sowohl anzieht als auch abstößt. Besonders anziehend für die mächtigste aller Kräfte wirken Lavendelpflanzen, die den Weg zur Eingangstür säumen oder Kübel und Töpfe, die neben der Haustür platziert werden. So gepflanzt zieht Lavendel nämlich verstärkt die Liebe ins Haus und zu seinen Bewohnern! Rosmarin und Thymian unterstützen ihn bei dieser Wirkung übrigens.

 

Lili, am 02.01.2015
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Bildquelle:
© Stefan Bayer/pixelio (Personenbeschreibung für Menschen, die es gar nicht gibt)
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