Grundlagen

Verwendet man ein Objektiv mit einer bestimmten Brennweite an einem kleinerem Sensor als Vollformat, so kommt ein Crop-Faktor zur Anwendung. Das Wort "Crop" kommt vom englischen Wort für "beschneiden" und bedeutet, dass nur ein Ausschnitt des Bildkreises, den ein Vollformatobjektiv erzeugen würde, wirklich vom Sensor genutzt wird. Dadurch entsteht der Eindruck, dass das Objektiv eine höhere effektive Brennweite abbildet, als es in Realität besitzt. In Wirklichkeit wird aber nur die Mitte des Bildkreises genutzt!

Als Faustregel gilt: Effektive Brennweite = Reale Brennweite * Cropfaktor

Übliche Cropfaktoren im DSLR/DSLM-Bereich wären z.B. APS-C mit ca. 1,6 oder MFT mit 2.

Native Crop-Systeme, also Systeme mit Linsen, die direkt auf eine kleinere Sensorgröße abgestimmt werden, nutzen diesen Umstand zum Vorteil, indem Objektive direkt mit einer kürzeren Brennweite gerechnet werden und ihre Auflösung für die kleineren Sensoren abgestimmt wird. Dadurch sind die Linsen deutlich kleiner und kompakter. So würde man bei einer Micro-Four-Thirds Kamera als Portraitlinse eine 42,5mm Brennweite, statt eines 85mm Objektivs wie an einer Vollformatkamera verwenden.

Die Nachteile von Crop-Sensoren

Nachteile ergeben sich dadurch, dass das Objektiv für die Pixel des Sensors, die ja auf einer deutlich kleineren Fläche "zusammengestaucht" werden müssen, eine deutlich höhere Auflösung aufbringen muss, um ein scharfes Bild zu erzeugen. Ein relativ niedrig auflösendes Vollformatobjektiv könnte an einem kleineren Sensor (einem Crop-Sensor wie z.B. APS-C/MFT) also möglicherweise nur unscharfe Bilder erzeugen. Hochwertige Crop-Linsen sind daher schwieriger zu rechnen, schwerer zu bekommen und unter Umständen teurer als Vollformatlinsen, bzw. erreichen nicht die Auflösungswerte der großen Brüder.

Auch sind die kleineren Pixel der Crop-Sensoren durch ihre geringere Oberfläche ein Problem für die Lichtleistung der einzelnen Photorezeptoren, so dass eine höhere Lichtempfindlichkeit von Nöten ist und damit die Bilder schneller verrauschen als bei Sensoren mit größeren Pixeln.

Der größte Nachteil allerdings besteht in der Freistellung und im Bokeh. Der Hauptfaktor für das Freistellungspotential eines Objektivs ist die REALE Brennweite. Wie oben beschrieben benutzen Crop-Kameras jedoch deutlich kürzere Brennweiten, bzw. würden sie an einem Vollformat-Objektiv eine Abbildung erzeugen, die einer höheren Brennweite entspricht und dementsprechend eine deutlich andere Bildwirkung hat. Zudem erzeugen Objektive auf Vollformatkameras durch die insgesamt größeren und weicheren Unschärfekreise zum Teil ein deutlich angenehmeres Bokeh (einen weicheren, gleichmäßigeren Hintergrund). Dadurch erreichen größere Sensoren eine zum Teil drastisch andere Bildwirkung. Große Objekte wie Kutschen, Personengruppen etc. (Beispiel Hochzeitsfotografie) können vor dem Hintergrund freigestellt werden ohne auf unpraktikable Distanzen z.B. mit einem Teleobjektiv ausweichen zu müssen. Dabei wird auch hier das Freistellungspotential vom Cropfaktor beeinflusst.

Eine APS-C Kamera hat z.B. 1 Blendenstufe, eine MFT Kamera schon 2 Blendenstufen weniger Unschärfeleistung als eine Vollformatkamera.

Für Portraitfotografen ist dies häufig eines der größten Argumente gegen eine APS-C Kamera.

Die Speedbooster-Lösung

Eine Lösung für dieses Problem gibt es jetzt in Form eines Objektivadapters zu kaufen. Die sogenannten Brennweitenreduzierer oder "Speedbooster" sind Adapter, die über Sammellinsen verfügen, so dass der Lichtkreis eines Objektivs um eine "Cropstufe" komprimiert wird. Der Lichtkreis z.B. eines Vollformatobjektivs leuchtet auf diese Weise genau einen APS-C-Sensor aus.

Welche Vorteile hat das?

Zum einen wird die Brennweite um den Faktor 0,7 verkürzt. Aus einem 85mm Objektiv würde so z.B. eine 59,5mm Linse. Durch den Cropfaktor der Kamera, an der der Adapter angebracht wird, gleicht sich diese Reduktion effektiv jedoch wieder aus.

Das Beispiel Objektiv hätte so z.B. an einer APS-C Kamera eine effektive Brennweite von:

(85mm Realbrennweite * 0,7) * 1,6 Cropfaktor = 95mm Effektivbrennweite

Damit erreicht es ungefähr die Bildwirkung, die es an der Ursprungskamera, für die es gerechnet war, auch gehabt hätte. Dies gilt ebenso für das Bokeh.

Des Weiteren steigt die Lichtleistung des Objektivs um eine Blendenstufe. Vereinfacht gesagt wird das vorhandene Licht auf einen kleineren Bereich projiziert und dadurch heller. Der Vorteil: nicht nur wird eine ISO-Stufe weniger benötigt wodurch sich der Rauschvorteil eines großen Sensors wieder etwas ausgleicht, auch die Unschärfe, bzw. das Freistellungspotential des Objektivs kann voll genutzt werden!

Und letztlich der Clou: Durch die Komprimierung des Lichtstrahls wird die gesamte Abbildungsleistung des Objektivs, also die Schärfe, ebenfalls für einen kleineren Bereich zugänglich gemacht und insgesamt steigt die Detailauflösung des Objektivs dadurch messbar! Es kann also ein schärferes Bild auf einem kleineren Sensor erreicht werden, als auf dem größeren Pendant mit gleicher Auflösung.

Fazit

Die Brennweitenverkürzer oder auch Speedbooster bieten drei wesentliche Vorteile:

  • Erhalt von Bokeh/Freistellungsleistung z.B. eines guten Vollformatobjektivs
  • Erhöhung der Lichtstärke um eine Blendenstufe/1EV
  • Erhöhung der Detailauflösung

Die Konverter ermöglichen damit nicht nur die Adaptation von guten Objektiven an deutlich kleineren Kamerabodys als denen, für die sie ursprünglich gedacht waren, sie erhöhen auch deutlich die Flexibilität eines Kamerasystems durch z.B. die Kombination von großen Linsen für Portraits und kleineren Linsen für Reiseunternehmungen und ähnliches.

Ein solcher Konverter ist je nach Hersteller zwischen 150 und 600€ zu bekommen. Die besten Ergebnisse liefern derzeit die Speedbooster von Metabones.

Mehr über mich findet ihr auf http://Fotoartdh.de

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Ruhr1900, am 30.08.2013
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Bildquelle:
Ruth Weitz (Wie macht man ein schönes Profilbild)

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