The Great Way of Travelling

Die S.S. America stellte zunächst kein Kreuzfahrtschiff dar, sondern verkehrte auf der Linie New York – Westcoast via Panamakanal. Es war praktisch ein Schiff für Reisende von der Ostküste an die Westküste.

 

Sie wurde der Öffentlichkeit am 31. August 1939 vorgestellt. Am Vorabend des Zweiten Weltkrieges. Das Schiff war bereits auf einen Einsatz im Krieg vorbereitet – hatte es doch doppelte elektrische Einrichtungen und andere Notfalls-Vorrichtungen, wie etwa ein besonderes Feuer-Schutz-System an Bord. Diese "Verteidigungswerkzeuge" waren aber noch dezent verborgen.

 

 

 

1940 unternahm der 26.000 Tonnen-Dampfer der Newport News Shipbuilding and Drydock Company einige Reisen in die Karibik. Kurz zuvor hatte man noch die Schlote erhöht, um sie mächtiger erscheinen zu lassen. Der erste Schornstein wurde zur Aussichtsplattform für den Kapitän, um diverse Geräte unterzubringen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Links und rechts an den Flanken hatte man das Passagierschiff mit amerikanischen Flaggen versehen, um zu zeigen, dass es sich um ein – damals noch – neutrales Dampfschiff handelt. Damals konnte die S. S. AMERICA 1202 Passagiere aufnehmen. Man servierte Alkohol auf den Schiffen und rechnete in Tagen auf See, noch nicht in Flugstunden.

To War - and back again

Kurze Zeit später aber, 1941, trat auch die S.S. America in den Dienst der Streitkräfte und wurde zum Transporter für Truppen. Sie wurde in ein "neues Kleid" gehüllt, allerdings stand ihr das gar nicht recht, der schlanken, langsamen amerikanischen Lady. Und sie erhielt einen neuen Namen: West Point. Sie transportierte tausende von Soldaten ohne jeglichen Escort erfolgreich an ihren Bestimmungsort, Mitarbeiter des Roten Kreuzes, Krankenschwestern und Verwundete mit eingeschlossen.

 

 

Zwar wurde die West Point durch den Krieg in Mitleidenschaft gezogen, doch wurde sie nicht versenkt, wie es in den Meldungen der Gegner hieß, sondern die 745 Navy Crew Mitglieder führten die Instandsetzungsarbeiten bereits auf See durch. Nach dem Krieg gelangte sie zurück in ihren Heimathafen – Newport News Shipbuilding, wo sie als "Queen of the American Merchand Marine" restauriert wurde. Sie bekam ein Radar, der Rest allerdings wurde weitgehend in den Urzustand versetzt, denn sie galt als Flaggschiff der United States Lines, zumindest bis sie 1951 die "United States", die ihr sehr ähnlich sah, hinzukam.

 

Zum Verwechseln ähnlich: America ...

Zum Verwechseln ähnlich: America und United States (im Hintergrund)

Impressionen der ursprünglichen "AMERICA"

Suite an Bord des Liners (Bild: http://united-states-lines.org)

AMERICA nach dem Kriege

Die AMERICA startete in ihren Post-War-Dienst mit einer Jungfernfahrt nach Europa. Sie leistete bis zu 18 Rundreisen pro Jahr. In Europa wurde sie besonders wegen ihrer komfortablen Suiten geschätzt. Man könnte auch sagen, die Passagiere liebten ihren Style. In ihren 288 Atlantik-Überquerungen wurde sie von etwa 500.000 Passagieren zu ihren Destinationen gebracht. In den fünfziger Jahren wurde sie auch für zwei Kinder zur Geburtsstation.

 

 Marckwald fo Smyth, Urquhart & Marckwald entwarfen die 23 öffentlichen und 395 State-Rooms, sowie die 14 Suiten.

 

All American-Style. Inspiriert von der Vielfalt der Ethnien der Vereinigten Staaten von Amerika, für die Amerikaner und die, die es noh werden wollen, und ihr Reisebedürfnis entworfen.

 

 

Design bis zum Reisekatalog - United States Lines überließ es nicht dem Zufall, Tickets zu verkaufen. Es wurden speziell die Damen angesprochen - mit dem Dekor, der Kulinarik, dem Ambiente und sogar mit dem Darstellungen in der Broschüre des Liners. (Abbildung: S.S. United States, der Tochter der S. S. America)

 

 

 

 

 

 

 

Die glorreichen Tage unter amerikanischer Flagge endeten 1964, als sie an die Chandris Lines verkauft wurde. Sie lief im November 1964 zu Revisionsarbeiten in den Geburtshafen in Virginia ein, wo sie sich einen Pier mit der USS AMERICA teilte. Es heißt, der stolze Dampfer erhielt am 18. November 1964 einen neuen Namen: AUSTRALIS, der hastig angebracht wurde, bevor sie den Hafen in Richtung Athen wieder verließ.

Chandris, der Liner in griechischen Farben

Blaue Schornsteine mit großen weißen X-en, gewissermaßen invertiert imitierend, um an den Frieden zu erinnern? Panama, New Zealand, Griechenland – die AUSTRALIS dürfte mehrere Heimathäfen gehabt haben.

 

 

 

Zunächst modifiziert und auf 2.300 Passagiere erweitert, wurde sie auch mit einem Pool ausgestattet. Als größter Carrier ihrer Klasse begann sie ihren Dienst. Ihr Interieur wurde Großteils so belassen, wie es war. Unter ihren Passagieren waren Tausende, die etwa in "Down Under" und der Neuen Welt eine Heimat und ein glücklicheres Leben suchten. Alle drei Monate wurde (S. S.) AUSTRALIS von Southampton nach Neu Seeland und Australien geführt unter einem Migranten-Vertrag, der den Familien günstige Tickets ermöglichte. Als "Weltreise-Schiff" Griechenlands war sie bis 12. Dezember 1977 im Einsatz, danach wurde sie verkauft.

 

Der Käufer, American Venture Group, kaufte das hervorragend in Schuss gehaltene "Vessel", allerdings war dieser Investor eher auf den schnellen Profit aus, denn auf Erhalt ihrer Schönheit und Funktion: Venture wollte von ihrem früheren Ruf als AMERICA profitieren und nannte sie in Anlehnung an frühere Jahre S.S. AMERICA. Doch der Eigentümer ging bankrott und das Schiff wurde versteigert. Ob diese Geschichte astrein war, sei dahingestellt, doch es kommt noch besser:

 

CHANDRIS, ihr ehemaliger Eigner, ersteigert den 39-Jahre alten Ozeanliner. Der Preis war so günstig, dass die Verkaufssumme die das Schiff ein Jahr zuvor eingebracht hatte um einiges höher lag, als der nunmehrige Ersteigerungspreis. 

 

Die zum Mythos gewordene AMERICA, oder doch schon ein anderer Liner? Die ursprüngliche S. S. AMERICA hatte ca. 220 Meter Länge.

 

 

Der griechische Neo-Eigentümer entscheidet, das Schiff erneut an den Zeitgeist anzupassen und das bedeutet, dass sie ab sofort nur noch einen Schornstein trug, wie andere Kreuzfahrschiffe der Flotte. Nun erhält sie auch einen neuen Namen: ITALIS, die Italienische Dame. Ihr Heimathafen ist nunmehr Piräus. Doch leider läuft das Geschäft die nächsten fünfzehn Jahre nicht rentabel, was zu weiteren "Eigentümerwechseln" führte. Zunächst wurde sie 1980 von einer Intercom. Corporation erworben und "NOGA" genannt, danach, 1984 wurde sie von Silvermoon Ferries erworben und "Alferdoss" genannt. Allerdings segelte sie nie unter diesen Namen.

 

Das Unglück

1992 wurde eine Thailändische Company auf die einstige Größe der Weltmeere aufmerksam. Das elegante Interieur hatte einen "Bewunderer" angezogen, dem der Art Déco Style zusagte, um ein fünf Sterne Hotel aus der viele Namen besitzenden Schönheit zu machen. Der Motor noch tauglich, um den Weg nach Thailand anzutreten, wurde sie am Weihnachtstag 1993 von Piräus aus auf den Weg geschickt. Und doch kam es anders: Als AMERICAN STAR wird sie - weiß Gott, was sie dort machte, denn Phuket, Thailand wäre durch den Suez Kanal wohl schneller erreichbar gewesen - im Januar 1994 in "Schwerer See", anscheinend zufällig, an die Küste eines zu Spanien gehörenden Militärgeländes auf Fuerteventura gespült. Ihr ukrainisches Begleitschiff Neftegaz lässt sie, möglicherweise nach einer Kollision, auf einer Sandbank zurück.

Wrackreste vor der Küste des Militärstützpunktes

Unfall, Torpedo oder Seemine?

Das Verteidigungsministerium Spaniens schaltet sich ein. Die ukrainische Schlepperfirma weist sämtliche Vorwürfe von sich. Eine deutsche Bergungsfirma stellt fest, dass der Bergungsversuch der in zwei Teile "gebrochenen" AMERICAN STAR, ein Vielfaches der Versicherungssumme verschlingen würde. Der griechische Eigner versucht, Leute anzuheuern, die das Schiff abwracken, aber niemand findet sich.

Mit der Zeit gelangten immer wieder junge Einheimische an Bord und holten die Wertgegenstände aus dem Wrack. In den weiteren Jahren entfernten sie die Bullaugen, die Schiffsglocke, die Messingteile, das Mobiliar. Man findet Souvenirs des früheren Riesen an allen Ecken des nahen Ortes. Die künstlerischen Arbeiten, die 1939 entstanden, sind teilweise auch erhalten geblieben.

 

Der einstige Stolz der United States Line mit nigel-nagel-neuem roten Schornstein mit schwarzem Top an der Küste von Palo Verde. Was aussieht, als wärs ein Witz, könnte sich als militärische Einrichtung enpuppen. Vielleicht nicht das letzte Geheimnis der Grand Old Lady?

 

 

 

Medien

 

Die AMERICA in ihren verschiedenen Erscheinungen wurde mehrfach in Aufnahmen von Passagieren verewigt, so lässt sich ihr Weg einigermaßen gut nachvollziehen. Darüber hinaus wurde sie, bereits am Strand von Fuerteventura, von einem Künstler in einer Ausstellung gewürdigt. In dieser Zeit gelang es auch, das Schiff innen mit Scheinwerfern zu beleuchten und Tanzmusik des frühen 20. Jahrhunderts über den Strand swingen zu lassen, um ihr eine letzte Würdigung zu erweisen. Es könnte sein, dass sie als Filmkulisse für den einen oder anderen Film gedient hat, spricht ihr extravagantes Design doch sehr für diese Überlegung, doch es konnte bislang kein spielfilm'sche Werk gefunden werden, in dem die Lady America identifizierbar ist.

 

 

Nachwort

Wenn man die spärlichen Überreste so sieht, stimmt es traurig. Die Lady, die einst so viele Personen an fremde Orte, in ihre neuen Leben oder durch ihre Abenteuer brachte, hat es nicht geschafft, an einem Pier in der Sonne eines Museumsgeländes anzulegen. Zu derb ist sie von ihrem Schicksal behandelt worden. In manchen Momenten kann man kaum glauben, dass es sich wirklich um das selbe Schiff handelt, das hier so grausam seiner ideellen Bedeutung beraubt wurde. Und mit ihrem Verschwinden sind nun zumindest drei auf dem Schiff geborene Kinder praktisch ohne Geburtsort.

Es dürfte dieses kein Einzelschicksal sein, auch die Tochter dieses einst großartigen Passagier-Dampfers, die S. S. United States wartet in einem Hafen auf ihre Restaurierung. Wer weiß, wie viele Kinder dereinst auf der S. S. United States das Licht der Welt erblickten?

 

Weiterführende Information

 

S. S. America Dokumentation

https://www.youtube.com/watch?v=yisyjnnSyT8

 

 

B. T. W.: Vielen Dank an die vielen Uploader ihrer Erinnerungen an die S.S. America und ihre späteren Erscheinungsformen und Reiseziele. Ohne Ihr Engagement und Ihre Freude am Teilen von Erinnerungen wäre solche Artikel gar nicht möglich!

Autor seit 2 Monaten
26 Seiten
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