Die Testgeräte

Wenn ich etwas Neues ausprobiere, suche ich mir nicht gleich das teuerste Modell aus, sondern mache erst einmal einen Versuch mit einem preiswerten Gerät. Kann ja sein, das es nachher doch nur in der Ecke liegt, und dann wär's schade ums Geld. Mein erstes Tablet war folglich ein Low-Budget-Gerät, das dennoch erstaunlich vielseitig ist und alle für mich wichtigen Funktionen erfüllt: das Odys Space.

Mein erster eBook-Reader ist ebenfalls ein sehr preiswertes Modell, das sich auf die Basisfunktionen beschränkt: pures Lesen ohne Touchscreen, ohne WLAN und anderen Schnickschnack. Es ist der Weltbild eBook Reader 4 Ink, der im Prinzip baugleich mit dem TrekStor eBook Reader Pyrus ist, aber einen kleineren Speicher hat: statt 4 GB nur 2 GB. Von seinen Funktionen her entspricht er etwa dem einfachsten Kindle von Amazon, kann aber im Gegensatz zu diesem alle üblichen eBook-Formate lesen und ist nicht an einen bestimmten Anbieter gebunden. Dafür läuft er nicht so stabil wie der Kindle, sondern hat schon mal die eine oder andere Macke. Er will halt mit Gefühl behandelt werden!

Vor- und Nachteile

Ein Ergebnis vorweg: Wer nur ab und zu mal ein halbes Stündchen liest, braucht dafür nicht zwei Geräte. Wer schon ein Tablet besitzt oder sich wegen anderer Funktionen eines anschaffen will, ist mit den verfügbaren Lese-Apps gut bedient. Und wer garantiert nur lesen will, nicht gleichzeitig E-Mails checken, twittern und surfen, für den genügt ein einfacher eBook-Reader. Für Nutzer allerdings, die häufig und viel lesen, aber zugleich Wert auf einen mobilen Internet-Zugang legen, Spiele oder andere Anwendungen nutzen wollen, wird die Entscheidung schwieriger.

Display

Tablet – / eBook-Reader +

Das Display ist das wichtigste Element eines Lesegerätes, denn schließlich guckt man da dauernd drauf und möchte sich nicht die Augen verderben. Leider gibt es keinen eindeutigen Sieger in dieser Disziplin, denn die Vor- und Nachteile eines LCD-Bildschirms bzw. eInk-Displays hängen stark von der Umgebung ab.

Der LCD-Bildschirm eines Tablets verfügt über eine Hintergrundbeleuchtung. Vorteil: Man kann auch im Dunkeln lesen. Nachteil: Im Freien bei Sonnenschein sieht man fast nichts mehr. Ein wenig hilft es dann, in der Lese-App einen sogenannten Nacht-Modus einzustellen, das heißt, helle Schrift auf dunklem Hintergrund.

Ein eBook-Reader mit eInk-Display hat dieses Problem nicht. Lesen im Sonnenlicht macht keinerlei Probleme. Das gilt auch für die neuen Modelle wie etwa den Kindle Paperwhite, die ebenfalls über eine Hintergrundbeleuchtung verfügen und daher auch im Dunkeln keine externe Lichtquelle mehr benötigen.

Darstellung der Schrift

Tablet + / eBook-Reader –

Was die Darstellung des Textes betrifft, so ist eine Lese-App mit großem Funktionsumfang flexibler als ein eBook-Reader. Es lassen sich unzählige verschiedene Schriftarten auswählen mit einem weiten Größen- und Farbspektrum.

eBook-Reader sind oft auf wenige oder gar nur eine einzige Schriftart beschränkt und auch die Größenabstufungen sind gröber gerastert. Farbe ist bei einem eInk-Display sowieso Fehlanzeige. Ob man die vielen Auswahlmöglichkeiten einer Lese-App auf einem Tablet aber tatsächlich nutzt, ist eine andere Frage. Ich bleibe meistens bei der voreingestellten Standardschrift.

Zusätzliche Funktionen

Tablet + / eBook-Reader –

Zusatzfunktionen wie das Markieren von Wörtern oder Sätzen, das Hinzufügen von Notizen oder das Nachschlagen unbekannter Wörter sind mit einer Lese-App auf dem Tablet prinzipiell kein Problem. Der Funktionsumfang hängt von der Programmierung der verwendeten App und den installierten Wörterbüchern ab.

Bei eBook-Readern sieht das etwas anders aus: Modelle mit Touchscreen verfügen häufig auch über diese Funktionen, einfache Modelle ohne Touchscreen wie mein eBook Reader 4 Ink jedoch nicht. Ebenso wie beim häufigen Hin- und Herblättern, um bestimmte Stellen im Buch wiederzufinden oder zu vergleichen, stößt der Komfort der digitalen Technologie hier an seine Grenzen.

Akkulaufzeit

Tablet – / eBook-Reader +

Ein klares Plus für den eBook-Reader. Mit einer Akkuladung, die mehrere Wochen vorhält, kann kein Tablet konkurrieren.

Bucherwerb

Tablet + / eBook-Reader –

Die Frage lautet hier weniger "Tablet oder eBook-Reader?", sondern "Kindle von Amazon oder ein anderes Modell?" Mit seiner Kundenbindungspolitik hat Amazon die digitale Leselandschaft in zwei Lager gespalten. Auf einem Kindle – egal, welchem – kann man nur bei Amazon erworbene Bücher und eventuell PDF-Dokumente lesen, auf anderen eBook-Readern viele verschiedene Formate, nur nicht das der Amazon-Bücher. Ein grundsätzliches Entscheidungskriterium muss das trotzdem nicht sein, denn mit der kostenlosen Buchverwaltungssoftware calibre lassen sich Bücher leicht von einem Format in ein anderes konvertieren, allerdings nur, wenn sie nicht kopiergeschützt sind.

Auf einem Tablet besteht grundsätzlich keine Einschränkung dieser Art: Lese-Apps gibt es sowohl von Amazon als auch von anderen Anbietern und unabhängigen Entwicklern.

Speicherplatz

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In der Praxis dürfte dieser Punkt keine Probleme bereiten, denn eBooks belegen nicht viel Speicherplatz. Mein eBook Reader 4 Ink hat ebenso wie der Kindle 2 GB Speicherplatz, kann allerdings im Gegensatz zu diesem durch eine externe SD-Karte erweitert werden. Das ist praktisch, wenn man bestimmte Bücher separat speichern und vielleicht auf verschiedenen Geräten lesen möchte, ohne gleich Kopien davon zu fertigen. Rein vom Platz her betrachtet wird solch eine Speichererweiterung in den seltensten Fällen nötig sein. Ich zum Beispiel bin eine recht unersättliche Büchersammlerin, auch was die vielen kostenlosen Klassiker angeht, und dennoch sind von meinen 2 GB immer noch mehr als 700 MB frei.

Datenverbindung

Ein paar Dinge sind vor der Entscheidung für ein bestimmtes Modell noch zu bedenken, die sich nicht eindeutig positiv oder negativ bewerten lassen.

Datenverbindung oder nicht? Die meisten Tablets und viele eBook-Reader haben WLAN an Bord, einige auch ein Mobilfunk-Modul. Um unkompliziert neue Bücher aus dem Internet herunterzuladen, in Shops zu stöbern und – bei entsprechendem Funktionsumfang – vielleicht sogar News und E-Mails abzurufen, ist das natürlich von Vorteil. Andererseits ist Lesen tendenziell eine Langzeitbeschäftigung und man ist dann permanent der Mobilfunkstrahlung ausgesetzt. Ob entsprechende Bedenken übertrieben sind oder nicht, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Noch ein anderes Problem bringt die Datenverbindung mit sich, das besonders Amazon-Kunden betrifft: Alle erworbenen Bücher sind auch im persönlichen Kundenkonto gespeichert, der Lesefortschritt, Notizen, Markierungen – alles kann überwacht werden. Im Prinzip kann Amazon Bücher von den Geräten der Kunden auch wieder löschen und hat das in einem Fall in der Vergangenheit auch schon getan. Bei einem eBook-Reader ohne Datenverbindung besteht diese Möglichkeit nicht. Was ich da einmal gespeichert habe, bleibt da, solange ich es möchte. Noch sicherer in dieser Hinsicht ist eine externe SD-Karte, die aus dem Reader wieder entfernt werden kann.

Fazit

Tablet: viermal +, zweimal – / eBook-Reader: dreimal +, dreimal –

Die Plus- und Minuspunkte beim Vergleich von Tablet und eBook-Reader sind recht gleichmäßig verteilt, daher muss jeder seine eigene Entscheidung unter Berücksichtigung seiner speziellen Gewohnheiten und Bedürfnisse treffen. Wie oben schon erwähnt, brauche ich persönlich beides. Auf ein Tablet kann ich aus beruflichen Gründen nicht verzichten, zum Lesen benutze ich mittlerweile aber lieber meinen eBook-Reader, obwohl er ein ganz einfaches Modell ist, das noch dazu hin und wieder rumzickt, sich manchmal auch "aufhängt" und einen Reset erfordert.

Die digitale Tinte strengt die Augen weniger an, es gibt keine Probleme bei Sonnenlicht, der Reader ist leichter und bequemer in der Hand zu halten als ein Tablet. Dazu kommt eine gewisse innere Fokussierung, die die Konzentration unterstützt: Jetzt ist Lesen angesagt, nicht surfen oder E-Mails checken. Mein WLAN- und mobilfunkfreies Modell gibt mir außerdem das angenehme Gefühl, nicht ständig Elektrosmog und Handystrahlung ausgesetzt zu sein, und ich bin sicher, dass niemand von außen auf meine virtuelle Bibliothek zugreifen kann. Eine etwas umständlichere Handhabung bei der Bestückung mit eBooks nehme ich dafür gern in Kauf.

Federspiel, am 10.05.2013
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Bildquelle:
Amazon Produktbild (Wie man den richtigen e-book-Reader für sich findet)

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