Vielleicht lautet die wahre Erkenntnis nach dem Überleben von "Terminator: Genisys" nicht: "Wie kann man zu diesem Film eine ernsthafte Rezension verfassen?", sondern: "Hat Skynet Hollywood übernommen und lässt einen seelenlosen Murks nach dem anderen produzieren?"

Aus dem sympathischen, weil verletzlichen "Die Hard"-Arschloch John McClane wurde eine ironiefreie, alleskönnende Killermaschine, James Bond darf nur noch humorlos Bösewichte frühpensionieren, bei "Indiana Jones und irgendwas mit Aliens" gewann man den Eindruck, Steven Spielberg hätte komplett vergessen, was den Reiz der Figur ausmachte, und "Taken 3" entpuppte sich als inoffizielles Remake von "Auf der Flucht". Löbliche Ausnahme: Die konstant intelligenzbefreite Transformers-Serie.

"Et tu, Terminator?" – "Yup"

1984 war's, da betrat eine Killermaschine aus der Zukunft das Licht der Leinwand, und veränderte die Science Fiction nachhaltig. Hollywood erkannte, dass sich mit ernsthafter Science Fiction richtig gute Kohle verdienen ließ, und folgerichtig revolutionierte James Cameron, dem die Idee zu "The Terminator" angeblich im Traum zugeflogen kam, 1991 mit dem für damalige Zeiten sensationell CGI-getricksten Sequel. Am Tag der Abrechnung stand eine halbe Milliarde an Einspielergebnissen in den Büchern. Eine magische Zahl, die seither jede weitere Terminator-Fortsetzung erzielen sollte. Die Folge: Intellektuelle Lahmarschigkeit, gepaart mit der Einsicht, dass Filme meist umso mehr einspielen, je niedriger die IQ-Grenze des Zuschauers gesetzt wird. "Einmal Dörminejda, hinten wo geht" rollt dem 2.0-Abiturienten leichter von der Zunge als: "Meine hochverehrte Dame! Welchen cineastischen Erguss würden Sie mir wohl empfehlen, bei welchselbigem mein Gehirn nicht nach fünf Minuten durch die Nase in den Cola-Pappbecher tropft?"

Dabei lag die Fallhöhe für Regisseur Alan Taylor, der nicht nur Berufserfahrung aus dem TV-Hit "Game of Thrones", sondern gleich eine der Hauptdarstellerinnen, Emilia Clarke, mitbrachte, denk- und dankbar niedrig. Was, so der Terminator-Nerd von Welt, sollte nach "Terminator 3 – Rebellion der Maschinen" (Mega-Spoiler: Ein guter und ein böser Terminator werden in die Zeit zurückgeschickt) und "Terminator: Die Erlösung von aller Spannung" (Spoiler: Die Maschinen sind die Bösen!) noch schlimmer werden?

Antwort: "Terminator: Genisys". Nachfolgend eine Gebrauchsanweisung, um den Fernseher bzw. Laptop vor post-aggressiven Schüben zu retten:

Plot Twist: Alle Menschen werden Terminatoren!

  1. Der Streifen trägt zwar "Terminator" im Titel, ist jedoch nicht als Fortsetzung zu den James-Cameron-Meisterwerken zu sehen. Denken Sie an die "Alien vs. Predator"-Filme, bei deren bloßer Nennung sich einem "Alien"-Fan die Gehirnwindungen im Darmtrakt verdrehen.

  2. Nehmen Sie den Film mit Humor. Mit viel Pennäler-Humor. Wäre es nicht lustig, wenn der Terminator von der Polizei festgenommen werden würde? Oder auf sich selbst im Jahr 1984 stieße? Und müsste ein grinsender Terminator nicht brüllend komisch sein? Erstens nein, zweitens nein, drittens nein. Und dennoch: Den Mut, eine der populärsten SF-Serien von jeglichem Anspruch zu befreien und mit prä-pubertärem "Humor" aufzupeppen, den muss man anerkennen. Nicht gut finden, einfach nur anerkennen. Gewissermaßen Maschinenstürmer des 21. Jahrhunderts.

  3. "Terminator: Genisys" keinesfalls ernstnehmen! Haben die Produzenten schließlich auch nicht gemacht. Wie sonst ließe sich erklären, dass der einzige "Plot Twist" des Films, nämlich jener, dass John Connor zum bösen Terminator mutiert, im Trailer vorweggenommen wird? War das eine offizielle Kapitulationserklärung vor den Terminator-Fans? Ganz nach dem Motto: Jetzt lacht doch einfach über den Scheißdreck, wir tun's doch auch! Und zu lachten gibt es Vieles: Emilia Clarke als Sarah Connor. Süße Idee, ehrlich. Warum soll man Rollen eigentlich mit passenden Schauspielern besetzen? Jung, hübsch und ansehnliche Titten bzw. Muckis sollte doch reichen! Ja, gut, Linda Hamilton war durchaus hübsch und trainierte sich für Teil 2 Muckis an, ließ aber immer wieder total arrogant die Schauspielerin heraushängen. Etwas, das man Emilia Clarke nicht bezichtigen könnte. In ihrer Lederjacke, Knarre in der Hand, einen ikonischen Spruch aus den ersten beiden Terminator-Teilen aus dem Erdbeermündchen blubbernd, wirkt sie wie eine Zwölfjährige, die sich am Schminkköfferchen von Mutti vergreift, sich in irgendein Kleidchen zwängt, wie ein Giraffenjunges zwei Stunden nach der Geburt auf geborgten Pumps nach draußen stakst und glaubt, sie wäre die ultimative Sexbombe. Oder wie Emilia Clarke, der man eine Lederjacke überstreift und eine Plastikknarre in die Hand drückt und zuruft: So, jetzt tu mal so, als wärst du eine total charismatische, harte Action-Heldin.

  4. Ihr zur Seite steht das Love Interest Jai Courtney, bei dem unklar ist, ob es sich um einen menschlichen Darsteller oder eine CGI-Figur handelt. Egal, hat ja gleichfalls im ersten "Terminator" gestört, dass da ein guter Schauspieler eine glaubwürdige Performance ablieferte. Und Arnie? Wie kultig hätte der erste Terminator-Film doch werden können, hätte er Grimassen gezogen, einen hach so selbstironischen Spruch wie: "Old, but not obsolete" abgesondert, und hätte kein bisschen bedrohlich gewirkt. Daneben gibt es noch ein paar weitere Drehbuchfigurenplatzhalter, die jedoch keine wesentliche Rolle spielen. Das Wichtigste sind schließlich die GCI-Terminatoren, und deren gibt es gleich mehrere, denn: Je mehr, desto besser! In "Terminator" hatten wir einen Terminator, in "Terminator 2" zwei, wie toll muss ein Terminator-Film erst werden, wenn wir mehrere Terminatoren durch den Rechner jagen? Wer weiß, vielleicht stellt sich im sechsten Teil der Serie heraus, dass längst sämtliche Menschen zu Terminatoren wurden. Damit würde man sich diese lästigen Plots mit menschlichen Dramen und Überlebenskämpfen sparen und sich auf das Wesentliche konzentrieren können: Explosionen! Kämpfe! Autoverfolgungsjagden! Bumm! Zisch! Krach! Das würde auch erklären, warum die menschlichen (?) Darsteller problemlos wildeste Unfälle ohne einen einzigen Kratzer überstehen.

  5. Vergessen Sie den ganzen Zeitreise-Quatsch aus "The Terminator"! Das ist doch alles überflüssiger Mumpitz, von wegen Zeitreisenparadoxon oder "Es gibt kein Schicksal". Alles ist möglich! Wieso also sollte sich eine Filmreihe selbst einschränken, wenn sie doch fröhlich und munter Leute und Terminatoren durch die Zeit schicken kann, ohne dass es Sinn ergäbe? Eine Zeitmaschine ist nicht genug, jeder sollte eine haben. Und seinen eigenen Terminator, damit es ordentlich Krach und Bumm macht. Wer "Transformers" mag, ist intellektuell gestählt für "Terminator: Genisys" mit seinen nur vorgeblich komplizierten Zeitreisen. Die Wahrheit ist: Es spielt keine Rolle! In jedem Teil wird John Connor von einem anderen Darsteller verkörpert, mal gibt es angeblich kein Schicksal, dann doch wieder, mal gab es den Tag der Abrechnung, dann wieder nicht. Dieses geschwurbelte Logik-Geschwafel ist im Gegenteil nur hinderlich, wenn man während des Films auf die Toilette muss (pullern, oder sich auf die Hauptdarstellerin einen runterholen). Fünf Minuten später hat man höchstens die zweite Autoverfolgungsjagd versäumt und kann problemlos wieder in den Plot einsteigen, ohne wesentliche Handlungselemente verpasst zu haben.

Hast la vista … maybe

Fazit nach zwei Stunden: Augen und Gehirn zu, und einfach durch, dann klappt es schon. Als Teil der "Terminator"-Reihe ist "Terminator: Genisys" eine Travestie. Als Parodie verstanden jedoch reizvoll, ständige Reminiszenzen an die ersten beiden Teile inbegriffen. Wozu braucht man da noch eine Story oder interessante Figuren? Der Film selbst ist das wesentliche Showelement. Im Wissen um die Cameron-Filme amüsiert der Streifen ob seiner "Mir doch egal!"-Einstellung, mit der er jegliche Logik oder Nachvollziehbarkeit der Handlung mit Füßen tritt. In den USA gefloppt, erzielte "Terminator: Genisys" insbesondere in China ein beachtliches Einspielergebnis, womit weitere Fortsetzungen wahrscheinlich erscheinen.

Freilich: Nach den überspannten Teilen 3 und 4, pulverisierte der Bogen mit Taylors SF-Parodie förmlich. Weder ein Reboot, noch ein Prequel könnten die Serie wiederbeleben. Der Terminator wurde wie in Teil 1 zerquetscht, allerdings nicht zwischen den Metallplatten einer Presse, sondern zwischen lustloser Einfallslosigkeit und einer Beliebigkeit, die darin gipfelt, alle paar Wochen eine neue angebliche Kultfigur aus dem Hut zu ziehen, je nach Publikumserfolg und Medienecho. Es ist wohl an der Zeit für eine Modernisierung des Terminator-Stoffes: Junger Terminator verliebt sich in einer dystopischen Pseudo-Welt in das weibliche Ziel seiner Zerstörungsprogrammierung. Liebe! Action! Drama! Jetzt! Im! Kino! "Redlight – Ein Schuss im Morgengrauen". Gebote fürs zweiseitige Script nimmt mein Terminator gegen ein Mindestgebot von einer Million Dollar in nicht nummerierten Scheinen entgegeben.

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