Wollte man heute einem Unterachzigjährigen den Begriff Selfie erklären, würde man vermutlich nur mitleidiges Kopfschütteln ernten, schließlich kann man den Eindruck gewinnen, dass das Knipsen heute neben dem Kniereflex und dem Schluckreflex zu den Grundreflexen der (jungen) Menschen gehört. Wer also nicht in kurzen regelmäßigen Abständen von sich ein Selfie macht, über den sollte man sich schon ernsthafte Gedanken, ja geradezu um ihn Sorgen machen …

Aber wie dem auch sei, Tatsache ist, das dies ein Trend ist, der unter diesem Namen mindestens seit 2002 existiert, zumindest findet man ihn seit damals in australischen Internetforen. In den letzten drei bis vier Jahren hat der Begriff auch in den deutschen Sprachgebrauch Einzug gehalten und ist seither in aller Munde.

Arm zu kurz?

Der Selfie Stick sorgt für Abhilfe

Jeder Trend entwickelt sich weiter, so auch die massenhaften Selbstporträts. Wo immer man sich bewegt und befindet, irgendwo steht immer jemand, der von sich selbst mit dem Smartphone ein Foto schießt: Beim Sport, im Freibad, bei der Party, in der Disco und angeblich gerne auch nach dem Sex, was allemal gesünder ist als die berühmte Zigarette danach. Doch eines haftet allen Selfies an. Der Arm ist häufig einfach zu kurz, ganz besonders dann, wenn mehrere Leute mit aufs Bild sollen. Am Anfang machte dies noch den gewissen Charme dieser Selbstporträts aus, doch auch in dem Bereich steigen die Ansprüche. Findige Tüftler haben nachgedacht und sind auf eine einfache aber zweckmäßige Lösung gekommen – den Selfie Stick.

Dabei funktioniert der verlängerte Arm ganz einfach. An ein Halterung am Ende einer ausklappbaren oder ausziehbaren Stange lässt sich ein Smartphone oder auch eine kleine Kamera/Action Cam befestigen. Somit kann man das Gerät vom Körper entfernt halten, ohne dass der Arm dazu ausgestreckt werden müsste. Ausgelöst wird die Kamera dann je nach dem entweder über Bluetooth oder über einen Knopf am Stick.

Die Selfie Sticks sind keine ganz neue Erfindung, bei Extremsportlern sind sie schon länger beliebt und regelmäßig im Einsatz. Auch beispielsweise beim Gleitschirm-Tandemflug werden sie sehr häufig für das Erinnerungsfoto bzw. Beweisfoto für die am Boden gebliebenen genutzt.

Wie schon mit den Digicams sind im privaten Bereich auch hier wieder einmal die Asiaten Vorreiter. Sie traten wohl als erste vor hiesigen Sehenswürdigkeiten mit ihren verlängerten Armen auf, doch inzwischen ist die Nachfrage auch bei den Europäern enorm gestiegen, so dass man wohl damit rechnen muss, dass Selfie Sticks bald wie das Telefonieren auf öffentlichen Plätzen zum gewohnten Straßenbild gehören werden.

Mehr Landschaft, weniger Knollennase

Nicht nur ein Gadget sondern nützlicher Assistent

In den Bereichen Elektronik, Handy, Computer wird bekanntlich viel Schnickschnack erfunden und produziert. Manches ist nützlich, manches witzig und wieder anderes nur unsinnig. Bein den Selfie Stangen, so seltsam sie auf den ersten Blick anmuten, ist aber durchaus ein echter Nutzen vorhanden, zumindest, wenn man all die Selbstporträts nicht grundsätzlich ablehnt.

Man benötigt weder eine zweite Person die das Foto macht (wodurch es ohnehin kein Selfie im strengen Sinne mehr wäre) noch muss man akrobatische Verrenkungen vollziehen um das Smartphone in die entsprechende Position zu bugsieren. Verzerrte Riesenköpfe und Knollennasen gehören ebenso der Vergangenheit an wie aufgrund der unnatürlichen Körperhaltung unscharfe und verwackelte Bilder. Durch die etwas größere Entfernung werden Verzerrungen vermieden und man hat vielleicht auch noch etwas Landschaft mit auf dem Bild, was die Fotos nicht mehr so beliebig austauschbar macht.

Die nächste Stufe

Vom Selfie zum Belfie

Belfie? Wat'n dat?? Trends entwickeln sich und im digitalen Zeitalter gibt es kaum etwas das nicht im Laufe der Zeit auf die Spitze getrieben wird und zum eigenständigen Trend werden könnte. Unter einem (Selbst)Porträt versteht man landläufig eine Aufnahme des Gesichts. Das aber scheint einigen zu langweilig, weil zu oft gesehen, geworden zu sein.

Also musste etwas vermeintlich neues gemacht werden. Was wird landläufig gerne als Gegenteil des Gesichts betrachtet (manchmal in despektierlicher Weise auch in Kombination …)? Genau. Der Allerwerteste. Das Hinterteil. Der Po. Man nenne ihn wie man wolle, ein Foto scheint er allemal wert zu sein. Und weil im englischen das Wort »Butt« existiert, wurde das Selfie zum Belfie. Prima. Und genau hierfür leistet der Selfie Stick hervorragende Dienste. Noch nie war es so einfach seine schönste Seite vorteilhaft selbst und ohne fremde Hilfe in Szene zu rücken. Sicher gibt es bald auch spezielle Belfie Sticks …

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