Müssen sich einquartieren, denn die Lawine hat die Bahn lahmgelegt: Homosexuelle Spione und einer, der nicht Englisch spricht (li.)

Die okkulte Lady

In einem Landgasthof warten einige Passagiere auf die Weiterfahrt. Eine Lawine aber verzögert den Plan. Die Passagiere werden daraufhin aufgefordert, sich unverzüglich ins Gästebuch einzutragen. Nun lernen sich die Untergebrachten besser kennen - zunächst die Musiklehrerin, das schwule Pärchen, das vermutlich vom Geheimdienst ist, die reiche Erbin und ihre beiden Freundinnen sowie der Volksmusikfreak, allesamt sind betroffen von der Situation, die in den Bergen zu knappen Lebensmitteln führt.

Tags darauf wird der Zug bestiegen und es kristallisiert sich rasch heraus, dass Miss Froy, die bemutternde Freundin der jungen Erbin, sich absentiert hat. Aus welchen Gründen, bleibt im Dunkeln, denn in diesen Vorkriegstagen verschwinden die Leute leicht, gerade dann, wenn sie den Baronessen und ihren Dienern unangenehm auffallen oder einfach aus irgendeinem Grund "besser tot" sind, etwa weil sie zuviel über ihre bisherigen Arbeitgeber wissen. So beginnt Miss Henderson ihre Suche nach Frau Froy und kommt dabei dem jungen Musiker näher, ehe sie die sozialen Unterschiede überwinden, die damals (und vielleicht auch heute noch) existieren, denn Iris weiß es zu schätzen, dass ihr jemand die Geschichte glaubt. Ein Zweifel an der mentalen Gesundheit war und ist ein ernsthaftes gesellschaftliches Problem, damals aber in den meisten Fällen tödlich, denn die Heilanstalten und ihr Geschäft blühte ...

Kennenlernen späterer Verbündeter: Volksmusiker und reiche Tochter.

Vanishment

Schon der Titel ist genau zu hinterfragen: ist es nun eine Frau, die verschwindet - also "A Lady" oder "The Lady", also die Damenschaft generell? 

 

Bei Alfred Hitchcock in den 50ern wurde die verschwundene mitreisende Dame noch so vehement von einer anderen gesucht, bis eine der anderen weiblichen Zuggäste ebenfalls die Mitreisende gesehen hatte. Wie es aussieht, ist es eine ganze Verschwörung, die sich hier mit der hübschen jungen Verlobten auflöst, die mit einem einhelligen Tenor des "Diese Dame hat von uns keiner mehr gesehen" zu einem vereinzelten, zaghaften vermuten, es könnte diese oder jene gewesen sein, über die Anzweifelung der mentalen Kräfte der Suchenden bis hin zu einer echten, gemeinsamen Suche der älteren Dame, die als Musiklehrerin tätig war, führt. 

 

Es ist eine gesellschaftliche Konstruktion, die von der Suchenden eine ganz bemerkenswerte Kraft erfordert und die Vehemenz, sich durchzusetzen, um eine Mitreisende, die offenbar alleinstehend war, aus der bereits einhellig akkordierten Absenz zu lösen. Dazu muss man sich gegen die Männer durchsetzen. Ein sich dauernder Kampf?

 

Bedenkt man, wie viele Frauen und Kinder jährlich abgängig sind, lässt sich gerade der Schluss, nämlich dass es gut ist, die Suche der Polizei zu überlassen, widerlegen. (Doch es betrifft die Zustände der 50er Jahre). Es ist eine Aktion erforderlich. Es ist ein kräftiges Zeichen des Suchens erforderlich, die möglicherweise gar in einer Erpressung endet. Der moderne Staat hat immer noch zuviele Altlasten, die es den Vermissenden und der Polizei ermöglichen, zu leicht aufzugeben und es als einfachen Weg des "Verloren gebens" zu sehen, wenn ein Familienmitglied verschwindet.

Autor seit 10 Monaten
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