2. Reisesaison, Episode 15

Wir kennen Sie alle: Die Vierer-Crew um den gutmütigen Captain Stubing: Der Schiffsarzt Dr. Bricker, die smarte July und der pflegeleichte Purser Gopher. Auf keinen Fall dürfen wir den Barmann Isac übersehen, der uns über Jahre hinweg die besten Cocktails servierte, noch bevor wir in den Kleinstädten über Cocktail-Bars überhaupt verfügten. So gesehen hat dieses Schiff Maßstäbe gesetzt!

 

In der zweiten Saison für das Love B☼at unter Director Roger Duchowny gingen die Gartners an Bord. Einer der wenigen Momente, in denen Captain Stubing schwach wurde – der Moment als er Frau Gardner erblickte. Ihr Mann, der an eine offene Ehe glaubt und sogar ein Buch darüber geschrieben hat, riskiert sein "Fortune" beim anderen Geschlecht!

 

Am Promenadendeck wurde Irene Austin einquartiert, die ihre einstige Jugendliebe wiedertrifft. Mr. Hopkins, der ihr schon beim ersten Auftritt gefällt, gilt es zu erobern. Und das mit allen Tricks. Und dies scheint ein Zeitgeist-Thema gewesen zu sein, denn heute würde wohl keine der älteren Damen mehr ein spannendes Versteckspiel inszenieren, um einen alten Freund wiederzugewinnen und eine Ehe zu überwinden.

 

Und die Hauptattraktion sind die Ex-Frau des Bordarztes, die überraschend mit ihrem neuen "Financier" eintrifft. In Wahrheit ist der attraktive Kerl Schauspieler und der eigentliche Zweck des Check-In's ist der Versuch, den Bordarzt und Exmann eifersüchtig zu machen, um sich wieder ins Spiel zu bringen. Und dabei ist sie das schon!

 

 

Auch nur Menschen

 

Während die "Älter Werden"-Problematik sich als echtes komödiantisches Highlight entwickelt, das verdächtig an einen Film mit Theo Lingens und Gunther Phillip erinnert, das schlussendlich in einer glücklichen Beziehung mündet, in dem sich die beiden praktisch neu kennenlernen und ihre Gemeinsamkeiten wiederentdecken, zerbricht die Ehe der Gardners an der Präsenz einer jungen Leserin des Bestsellers von Dr. Gardner einerseits und andererseits an der ruhigen und begeisternden Art von Captain Stubing, der in Gardners Gattin eine nette Begleitung fand. (...) Und natürlich denkt, man, Ach Gott, dieser Schwerenöter, aber andererseits – wieso sollte Captain Stubing nicht mit einer Dame eine Beziehung eingehen, die seine Begeisterung für Kreuzfahrten und fremde Kulturen teilt? Viel mehr ist es doch die kritische Vermutung der Zuseherinnen, die ein Scheitern vorhersieht, das eigentlich gar nicht zwingend eintreffen muss. Vielleicht sagt er auch zuviel, denn die Vorwegnahme eines Ende der Beziehung ist etwas, das man als verletzte Ehefrau hören könnte. Ein junger Mensch sieht oft Szenen anders, als ein älterer. Und auch Captain Stubing ist schon älter, das sollte er wissen, bevor er es beendet, ehe es anfing. Vielleicht ist das auch die Überlegung, die das Tête-à-Tête des Dr. Gardner als einseitiges Beziehungsexperiment enttarnt.

 

'Opfer' der bedienten Klischees?

 

Und zu guter Letzt ist da noch der Schauspieler Lance Wilson, der mit einer Improvisation auf der Kreuzfahrt seine Partnerin erobert. In Bezug auf den Schiffsarzt ist nämlich die Befürchtung, dass der Kreuzfahrt-Job dazu prädestiniert ist, sich in Passagiere zu verlieben (und umgekehrt) eher angebracht. Schließlich sind wir nun schlauer und wissen, dass auch von überaus Sophisticated People glückliche Ehen aufs Spiel gesetzt werden, wenn es Interesse und Gelegenheit dazu gibt. Doch Schauspieler Lance, der sich der Vergangenheit der sexy Bricker-Ex Paddy gewachsen fühlt, schafft diese Geister der Vergangenheit aus dem Leben als wären es alte Spinnweben. (Schauspieler unterliegen diesem Klischee ja nicht … ;-)

 

Das Geheimnis: Sie sprechen. Lance ist in der Lage, durch Eloquenz Paddys Wall of Experiences zu durchbrechen und sie zum Lachen zu bringen, in dem er auf elegante Weise verpackt, was er wirklich will und sie ist in der Lage, sich von seinem Charme verzaubern zu lassen und zuzuhören. Charme heilt. Da wussten schon die alten Griechen – Amerika hat es neuinterpretiert! Wünschen wir den beiden Glück!

Love Boat - The Pacific Princess unterwegs in der Dämmerung (Bild: https://youtu.be/DzdqXrYwSHk)

Und das "Love Boat"?

 

 

Noch etwas, was noch wiederentdeckt werden könnte, ist die Pacific Princess, die über Jahre hinweg tatsächlich Kreuzfahrt-Schiff war. Doch ob dies möglich ist, ist eine andere Frage, schließlich hat man auch dieser einstigen Ozeangröße bereits übel mitgespielt und dem natürlichen Älter-Werden gewaltig nachgeholfen.

 

The Nordic Princess powered by Fiat Diesels

 

Sie ist bereits in der Abwrackwerft in der Türkei, wenn sie überhaupt noch an der Küste ausharrt. Sie hatte offenbar mit ihren beiden "Parkplatz-Kollegen", der Antic (Silmar Cruises Fairsky bzw. Sky Princess) und dem sowjetischen Schiff Rochdale One. Ob es noch zu retten ist?

 

1971 war es gebaut worden, im damals modernen "Skandinavian Style", den man noch zB am stark vorgeneigten Bug erkennen kann. Die Emdener Werft verarbeitete rund 19.000 Tonnen Stahl und schuf ein damals gerade in Mode gelangtes Erlebnis-Schiff mit glas-überdachtem Pool in der Mitte des Schiffs.

 

Attention. Ship sourrounded by Smooth-Sound approaching

 

1975 wurde es von Sea Venture erworben und glitt fortan als Pazifische Prinzessin durch die Meere gemeinsam mit ihrer Schwester, The Island Princess. Ihr Logo zeigt die "Sea Witch", die "Hexe des Meeres". Und schließlich wurde sie zum Set der 1977 startenden Serie, "The Love Boat" unter Producer Aaron Spelling. Ob nun die Storys tatsächlich den Erlebnissen der Passagiere an Bord abgeguckt wurden, oder frei erfunden waren, ist bisher nicht an die Öffentlichkeit gelangt. Sicher hingegen ist, dass die Kreuzfahrt-Serie das Flair der neuen Reisegelegenheit in all seinen Facetten einem breiten Publikum näherbrachte!

 

2002 wurde die Flotte der Cruise-Company modernisiert und die Prinzessin an Viagens CVC verkauft, ein spanisches Unternehmen. Von nun an, hieß sie nur noch "PACIFIC" und Jahre später wird sie an der türkischen Küste nur noch als "ACIF" vor Anker liegen. Nichts desto trotz ist das einst für so viele Sehnsuchtsort gewordene weiße Schiff für die neue Charta-Firma Quail Cruises unterwegs. Doch nur eine Saison unter diesem Eigner, schon war man ihrer überdrüssig und suchte einen neuen Käufer. 2013 erst fand man eine neue Heimat für die marmorgeschmückte PACIFIC. Das Schiff wurde dennoch 2014 abgewrackt. Obwohl kaum zu glauben, dass es bereits ausgemustert wurde. 

 

Pacific found – laying on the beach!

 

Es ist einfach so, dass der Zeitgeist immer neue Anforderungen stellt. Größere Pools für mehr Zugang der Passagiere aus Lower Decks. To Be Seen ist kein Vorrecht der Promenadendeck-Suiten-Bewohner*innen mehr! Adios Love Boat! You made us feel welcome on Board! It wasn't ment to be!

The awful truth

All you can damage - another victim of ignorance

Autor seit 2 Monaten
26 Seiten
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