PeterLicht in Aktion

PeterLicht in Aktion (Bild: © Christian Knieps)

Die Liebe zum Leben trotz aller Gegensätze

Es ist nicht so, dass Licht eine besondere Aura hätte, die alle sogleich in Bann zieht. Licht lebt an diesem Abend durch das gesprochene Wort, das, zunächst zart daherkommend, kaskadenhaft herausfließt, ähnlich einem nie versiegenden Strom. Hallo, hier bin ich! Das scheint ein kleines Motto zu sein. "Die Welt ist gut, auch ohne Abwesenheit des Schlechten!", verkündet er, und damit gerät er mit Schopenhauer in Konflikt. Für den misanthropischen, philosopischen Kleinkapitalisten war das Glück nur das Nichtvorhandensein von Leiden. Licht hingegen glorifiziert das Leben: "Wir sind freie Menschen unter freien Menschen". Natürlich nur mit einem leicht zynischen Augenklimpern. Denn er geht weiter, wenn er negative Auswüchse des Freiseins, die Herausbildung unnötiger Hierarchien anprangert, ja verballhornt. Trotzdem, "Willkommen, Willkommen im Club". "Gegrüßet die Symphonie des Untergangs", "höre, in allem ist Krach", oder: "Oh du Sausen der Welt, du zersägst". Das sind, sprachlich betrachtet, waschechte Bibelattidtüden, die mit der aktuellen Sprache eine kuriose Kombination ergeben. Dennoch kehrt er zurück zu einem entsakralisierten Hosianna. Und so blättert der Lebensprediger Licht weiter in seinem Buch, die besten Stellen heraussuchend, die er selbstkontrolliert hervorträgt, herauswürgt und elegant brüllt, ohne dass eine Geste auch nur minimal entkleidet.

 

Ich grüße mich und die Welt

Gegrüßt wird viel bei dieser theatralischen Lesung. Die Klangwelten, die des Meisters inbegriffen, und auch die Klangvollkrisen, die Kakophonien. Und dann steigt der notorische Selbstgrüßer voll herab – oder herauf? – in eine Sprachperformance, die nicht wenige Zuschauer belustigt. Ohjehohjeh.- PeterLicht wäre nicht Licht, wenn er sich nicht in die digitale Welt begeben würde. Aktuell ist das eine Welt der Suchmaschinen. Die Suche nach Antworten ist oftmals die Suche nach sich selbst. Mit großer Geste behauptet er: "Es gibt kein Ich, das sein Herz auf den Tisch legt". Nun, bei manchen ist es auch unter den Tisch gefallen. Ob das Herz des Vortragenden pulsiert, wissen wir nicht. Jedenfalls legt er Herzblut in seinen Vortrag. Unsinnige Kapitalakkumulation, Leere, das Fehlen eines kosmischen Gefühls? Bah! Wir stiften Gemeinschaften, wir lieben das Leben, trotzdem. Viva!

 

Lob der Realität

Von und mit PeterLicht

Theaterdiscounter Berlin, Premiere vom 20. Oktober 2016

Dauer: ca. eine Stunde

© Christian Knieps

 

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