Kofferfisch

Kofferfisch (Bild: skeeze / Pixabay)

Tauchen mit dem "friendly giant"

Hektisch schlägt unser Tauchguide mit dem Zeigestab aus Metall gegen seine Sauerstoffflasche. Ich bin einige Meter voraus geschwommen, höre das charakteristische "Ping, Ping, Ping", drehe mich um - und vergesse Luft zu holen. 
Die größten Fische, die ich während meiner knapp 200 Tauchgänge auf der ganzen Welt bisher gesehen habe, waren maximal zwei Meter lang.
Und dieser hier?
So groß wie ein Auto. Nein, wie ein LKW, schießt es mir durch den Kopf.
Es ist ein Walhai, der größte existierende Fisch der Welt. Im Februar 2012 zogen Fischer ein 12 Meter langes Exemplar aus dem Hafenbecken von Karachi. Über 10 Tonnen können die "friendly giants" wiegen und sie erreichen bei Ihren Tauchgängen unvorstellbaren Tiefen von bis zu 700 Metern. 
Kurze Zeit dürfen wir den Riesen begleiten, bevor er ins Tiefe Blau der philippinischen See davongleitet. 

Wer mit dem Tauchen beginnt, darf sich auf einmalige Erlebnisse freuen.

Wie lernt man tauchen?

Die meisten Tauchschulen auf der Welt sind an eine der drei großen Ausbildungsorganisationen

angeschlossen.

Marktführer dürfte dabei PADI mit ca. 6.200 assoziierten Tauchschulen in 183 Ländern sein. Aber auch die anderen Organisationen erfreuen sich hoher Bekanntheit.

Der Vorteil einer Ausbildung bei einer dieser Organisationen: aufgrund der standardisierten Ausbildung kann man damit an praktisch allen Tauchschulen weltweit mit seiner Lizenz tauchen gehen.

Die Ausbildungen haben unterschiedliche Stufen und reichen von der Fähigkeit eigene Tauchgänge sicher durchzuführen bis zum Tauchlehrer, der Gruppen führen und Taucher ausbilden darf.

Wie lange dauert die Ausbildung?

Das unterscheidet sich etwas von System zu System.

 Hier ein grober Überblick:

 

PADI Open Water Diver / CMAS* / SSI Open Water Diver

Diese Grundausbildung erlaubt das Tauchen bis zu einer Tiefe von ca. 20 Metern. Sie umfasst etwa 5 - 10 theoretische Lektionen und ungefähr zehn Tauchgänge. Die Ausbildung lässt sich in einer Urlaubswoche gut absolvieren.

 

PADI Advanced Open Water Diver / SSI Advanced Open Water Diver

Für diese Ausbildungsstufe benötigt man weitere 10 - 15 Tauchgänge, die von theoretischen Lektionen ergänzt werden.

Der Tauchschüler kann sich dabei auf bestimmte Gebiete, wie zum Beispiel Navigation unter Wasser mit dem Kompass, Tieftauchen, Wrack- oder Nachttauchen spezialisieren.

Diese Stufe dürfte für die große Mehrheit der Tauchschüler als Ausbildung ausreichen. Denn sie erlaubt es weltweit an jeder Tauchschule mit einem Guide und einer Gruppe zum Tauchen zu gehen.

 

PADI Rescue Diver / CMAS** / SSI Master Diver

Auf dieser Stufe wird der Taucher für Stress-, Not- und Unfallsituationen ausgebildet. Eine sicherlich gute Ergänzung zu den ersten beiden Stufen, der Aufwand ist aber schon deutlich größer.

 

Die beste Ausbildung?

Gibt es nach meiner Erfahrung nicht. Das meiste hängt vom Tauchlehrer ab. Wenn er die Theorie zum Leben erwecken und den Schüler angstfrei ans Tauchen heranführen kann, ist es egal, für welche Organisation er arbeitet.

Auch ist es problemlos möglich, innerhalb der Ausbildung zu wechseln und zum Beispiel nach dem CMAS* als nächstes den PADI Advanced Open Water Diver zu machen. Aus meiner Sicht auch ein kleiner Hinweis, dass sich die Ausbildungen nicht ganz so dramatisch unterscheiden, wie es gelegentlich verkauft wird.

 

Was kostet die Ausbildung?

Das ist fast unmöglich zu beantworten. Natürlich kostet eine Ausbildung in Thailand weniger als eine in Deutschland. Auch können zusätzliche Kosten, zum Beispiel für die Ausfahrt mit dem Boot, Zuschläge für Naturschutzgebiete oder Leihausrüstung den Preis verändern.

Vorsichtig geschätzt kostet die Open Water Diver Ausbildung je nach Region und Tauchschule zwischen 250 und 500 Euro.

Für die Ausbildung zum Advanced Open Water Diver fallen dann noch einmal ähnliche Kosten an.

Wichtig ist es auf die Qualität der Tauchschule zu achten (siehe Tipps für den Einstieg) und sich im Vorfeld zu informieren. Da das Tauchen auch Risiken birgt, kann eine billige und qualitativ schlechte Ausbildung gravierende Folgen haben.

Sporttaucher mit typischer ...

Sporttaucher mit typischer Ausrüstung für warme Gewässer (Bild: ivabalk / Pixabay)

Wie sportlich muss man sein, um tauchen zu lernen?

Vielleicht sind Ihnen schon in manchen Urlaubsregionen stark übergewichtige Personen mit hochrotem Kopf begegnet, die kaum in der Lage waren, ihre Ausrüstung auf das Boot zu hieven oder am Ende eines Tauchganges wieder aufs Boot zu klettern.

Sicherlich muss man kein Supersportler sein, um tauchen zu lernen. Eine halbwegs normale Kondition sollte man aber haben. Es ist auf jeden Fall empfehlenswert, eine Tauchtauglichkeitsuntersuchung bei einem Arzt zu machen, um gegebenenfalls Risiken im Vorfeld zu erkennen. Nicht wenige Tauchschulen setzen ein solches Zertifikat sogar voraus.

Benötigt man eigene Ausrüstung?

Im Prinzip nicht. Die meisten Tauchschulen verleihen Equipment, das erhöht aber häufig die Kosten der Ausbildung.

Empfehlenswert ist es, sich möglichst bald die sogenannte ABC-Ausrüstung bestehend aus Maske, Schnorchel und Flossen selbst zu kaufen. Damit taucht es sich deutlich angenehmer.

Auch reißt diese Ausgabe im Vergleich zu anderen Teilen der Ausrüstung wie Lungenautomat oder Tarierweste noch kein allzu großes Loch in die Haushaltskasse.

Welche Risiken gibt es beim Tauchen?

Das größte Risiko ist der Faktor "Mensch". Probleme mit der Ausrüstung führen eher selten zu Unfällen, nicht zuletzt, da man nie alleine taucht und wichtige Teile der Ausrüstung doppelt vorhanden sind.

Aus meiner langjährigen Erfahrung gibt es zwei große Risikofaktoren:

1. Das Tauchen wird als Sportart unterschätzt.

Das wird vor allem durch zwei Faktoren begünstigt:

  • Die großen Anbieter stellen in der Werbung das Tauchen als eine schnell erlernbare und völlig risikolose Sportart für Jedermann dar. Das führt bei manchen Tauchern zu einer gewissen Leichtfertigkeit. Auch die Kürze der Ausbildung suggeriert, dass man dann schon alles gelernt hat und Tauchen kann. Dem ist natürlich nur begrenzt.
  • Eine große Gefahr beim Tauchen ist die Tiefe und die Zeit, die man unter Wasser verbringt. Beide Faktoren führen dazu, dass sich Stickstoff im Blut anreichert. Das kann unter Wasser zum sogenannten "Tiefenrausch" führen. Das Denken ist verlangsamt, man fühlt sich benebelt oder euphorisiert und neigt zu riskantem Verhalten und Fehlern. Beim Auftauchen muss der Stickstoff langsam wieder abgeatment werden. Das wird durch sogenannte Dekompressionsstops, also dem Verharren auf festgelegten Tiefen für eine bestimmte Zeit erreicht. Ansonsten droht über Wasser die sogenannte "Dekompressionskrankheit", die zu schweren gesundheitlichen Problemen oder sogar zum Tod führen kann. Das Fatale: der Taucher spürt die Tauchtiefe nicht. Anders gesagt: Tauchen in 10 Meter Tiefe fühlt sich nicht anders an, als in 40 Meter Tiefe. Die Menge an Stickstoff, die man aufnimmt, ist aber deutliche höher - und damit auch die Gefahren, die bei einem zu schnellen Auftauchen drohen. Da aufgrund des Wasserdrucks bei größeren Tiefen auch die Atemluft in der Flasche schneller zur Neige geht, besteht die Gefahr, dass für ein kontrolliertes Auftauchen nicht mehr genug Luft übrig ist.

2. Der Taucher überschätzt sich.

  • Es sollte jedem Leser einleuchten, dass man mit 10 - 20 Tauchgängen eine Sportart nicht wirklich beherrscht. Trotzdem glauben viele Taucher, dass sie beispielsweise nach Abschluss ihres Open Water Divers "fertig" sind und jeden Tauchgang absolvieren können. Wer aber schon einmal unter Wasser eine Strömung erlebt hat, bei der man sich auch unter Einsatz der letzten Kräfte kaum noch an einem Fels oder einer Koralle festhalten konnte, wird anders darüber denken. Tauchen braucht eine Menge Routine und an der fehlt es gerade Tauchern, die nur einmal im Jahr im Urlaub unter Wasser gehen wollen.
  • Tauchen fühlt sich gut an. Man schwebt im Wasser, lässt sich vielleicht von der Strömung treiben. Die Anstrengung hält sich in Grenzen. Das führt häufig dazu, dass sich Taucher völlig untrainiert und mit wenig Kondition an Tauchgänge wagen, die sie schon bei kleineren Problemen in große Schwierigkeiten bringen können.

Die gute Nachricht: beide Risiken lassen sich durch Training und gesunden Menschenverstand weitgehend beherrschen.

Tipps für den Anfang

Es soll also losgehen? Perfekt. Dann hier noch ein paar Tipps für einen sicheren und schönen Start ins Abenteuer:

  1. Egal, in welchem körperlichen Zustand man ist: eine Tauchtauglichkeitsuntersuchung ist Pflicht.
  2. Besser vorher im Internet über Tauchschulen in der Umgebung oder im Urlaubsgebiet informieren und dort buchen, als vor Ort in die Tauchschule an der Ecke gehen. Tolle Informationen zu Tauchgebieten und -schulen gibt es zum Beispiel bei Taucher.net. Wer es sich leisten kann, sollte darüber nachdenken, bei einem Spezialreiseveranstalter wie zum Beispiel sun+fun zu buchen.
  3. Die Chemie mit dem Tauchlehrer muss stimmen. Wenn das Vertrauen in Kompetenz oder Unterrichtsmethode fehlt, besser den Lehrer oder die Schule wechseln. 
  4. Kaufe Tauchausrüstung immer im Shop oder bei der Tauchschule und teste sie möglichst im Wasser. Eine drückende Maske oder unbequeme Flossen helfen nicht weiter, auch wenn sie ein Schnäppchen waren. Auch haben die Tauchlehrer meistens gute Tipps auf Lager und können Equipment manchmal billiger besorgen. Eine Win-Win-Situation für beide Seiten.
  5. Kaufe Deine ABC-Ausrüstung frühzeitig. Mit eigener Maske und Flossen taucht es sich einfach deutlich angenehmer.
  6. Fühlst Du Dich nicht wohl, gehe nicht tauchen. Das kann besonders im Urlaub wehtun, aber die Gefahr sich ernsthaft zu verletzen ist real und nicht zu unterschätzen.
  7. Tauche nie allein. Die Verlockung noch schnell einen letzten Tauchgang zu machen, während die anderen schon zusammenpacken mag groß sein. Aber auf sich allein gestellt kann eine möglicherweise im Team noch zu beherrschende Situation tödlich enden.
  8. Stecke regelmäßig die Nase ins Lehrbuch. Gerade wenn man nur ein- oder zweimal pro Jahr tauchen geht, sollte man sich vor oder im Urlaub noch einmal die wichtigsten Inhalte der Ausbildung ansehen.
  9. Lerne von den erfahrenen Tauchern. Stelle viele Fragen und beobachte genau, wie sich der Tauchlehrer oder erfahrene Mitglieder Deiner Gruppe unter Wasser bewegen. 
  10. Trinke genug Wasser. Nur kein Meerwasser...

 

Viel Spaß unter Wasser!

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