Die Klassiker

Es braucht keine Hexen, um Vampire und ihr Tun attraktiv zu finden. Schon Bram Stoker zeichnete seinen Dracula mit einer gewaltigen Anziehungskraft, der sich kein Irdischer entziehen konnte. Aber Stoker war nicht der erste Schöpfer von Vampiren:

 

"Varney, der Vampir" gehört zu den ersten Werken, die sich mit dem Thema Vampire befassen. Der Titel ist auch als "Das Blutfest" (Feast of Blood) bekannt. Der Roman wurde von Thomas Peckett Prest (1810 -1859) erstmals im Jahre 1847 veröffentlicht, allerdings wird auch James Malcolm Rymer die Autorenschaft zugeschrieben! Es enthält nostalgisch anmutende Schwarzweißzeichnungen, die den Schrecken aber auch die Verführung durch den Blutsauger noch verdeutlichen sollen. Einen Auszug aus diesem umfangreichen Werk könnt Ihr im Original in englischer Sprache kostenlos bei Projekt Gutenberg lesen! 

 

John Stagg (1770-1823) schrieb1810 eines der frühesten Vampirgedichte in englischer Sprache mit dem Titel "The Vampyre". Stagg wurde in Carlisle geboren und lebte eine Zeit lang in Wigton/Nordengland. 1790 veröffentlichte er seine ersten Gedichte und 1810 sein Buch "Minstrel of the North", welches dieses Vampirgedicht beinhaltete. 1821 veröffentlichte er eine weitere Sammlung "The Cumberland Minstrel".

Stagg verbrachte den größten Teil seines Erwachsenenlebens in Manchester und wurde bekannt unter dem Namen "Der blinde Barde", ein Unfall in seiner Kindheit nahm ihm für immer das Augenlicht. 

 

Charles Baudelaire (Wikipedia)

Charles Baudelaire, der berühmte französische Dichter wirkte nicht nur als Übersetzer für die Geschichten von E.A. Poe, sondern tatsächlich ein Vampirgedicht geschrieben hat? Es findet sich in "Die Blumen des Bösen" (Les Fleures du Mal). Charles Baudelaire (* 9. April 1821; † 31. August 1867) litt seit frühester Jugend unter Depressionen und hat seinen Erfolg zu Lebzeiten leider nicht mehr erfahren dürfen! Er befand sich in ständiger Geldnot und starb im Alter von nur 46 Jahren in Paris nach einem Schlaganfall. Posthum wurde er zu einem der größten Lyriker überhaupt.

 

 

 

Nicht nur angloamerikanische Dichter haben sich dem Thema Vampir und der dunklen Romantik gewidmet, auch die Deutschen haben mehr zu bieten als Goethe und Schiller, z.B. Karl Heinrich Wilhelm Wackernagel (* 23. April 1806 in Berlin; † 21. Dezember 1869 in Basel), ein deutscher Schriftsteller und Philologe (Germanistik). Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte Wackernagel von 1824 bis 1827 an der Universität zu Berlin, dort war er Schüler von Karl Lachmann. Später lehrte er an der Universität Basel. Wackernagel war Freimaurer und Redner der Loge Freundschaft und Beständigkeit in Basel. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Wolfgottesacker. Hier ist sein Gedicht zu dieser doch eher typisch britischen Gothic-Thematik:

Der Vampir

Keine Ruh' auf meinem kalten Pfühle,
Keine Ruh' in meiner dunklen Nacht;
Durch die Straßen sternenhell und kühle,
Treibt mich des Verlangens Zaubermacht;
Sonder Rast und Ruh
Such' ich immer zu;
Alles schlummert, meine Sehnsucht wacht.

Ob in keiner von den stillen Kammern
Ruhet eine hochgewölbte Brust,
Die sich's lohnte gierig zu umklammern,
Auszusaugen mit erneuter Lust?
Wieder such' ich heut,
Was mich sonst erfreut:
Meiden hab' ich's nur zu lang gewusst.

Sieh, ummauert dort von festen Ziegeln,
Sieh, es schlummert dort ein schöner Mann,
Wohlverwahrt mit Schlössern und mit Riegeln,
Und ein braunes Röcklein hat er an.
Seine Brust wie voll!
Dieser Jüngling soll,
Mich mit Blut zu füllen soll er dran,

Bis zum Grunde will die Brust ich leeren,
Schlürfen will ich seines Herzens Blut:
Neues Leben soll er mir gewähren.
Neu erwecken die erlosch'ne Glut;
Ists um den geschehn,
Muss nach andern gehn,
Und das ganze Volk erliegt der Wut.

von Karl Heinrich Wilhelm Wackernagel

 

Man könnte auch noch Horace Walpole mit seinem "Schloß von Otranto" nennen. So gibt es unzählige Schriftsteller, die der Faszination des Vampirs erlegen waren und es immer noch sind. Vielleicht haben die letzten Jahre bzw. Jahrhunderte, in denen uns die Blutsauger in allen möglichen Medien heimgesucht haben, etwas über uns selbst erzählt. Über eine tiefe Sehnsucht in uns. Die Sehnsucht, unseren eigenen Tod zu kennen, ihm ins Auge zu sehen und ihn im freien Willen zu akzeptieren! Das liegt in unserer sterblichen Natur.

 

Kontrolle über den Tod

Leander Knight aus "Lux Aeterna"Wir zeichnen die gefallenen Engel der Finsternis in überwältigender Schönheit und ausgestattet mit hoher Verführungskunst. Wir geben uns dieser Schönheit freiwillig hin, während wir vor dem Hässlichen zurückschrecken. Grundsätzlich lassen wir uns gerne verführen, denn der erotische Aspekt hat immer mit Verlangen und Hingabe zu tun. Dazu gehört auch die Hingabe an den Tod, der für jeden von uns unausweichlich ist.

Wenn wir uns den Tod ausmalen könnten, so würden wir ihn mit Sicherheit in Gestalt einer schönen Frau oder eines attraktiven Mannes willkommen heißen, und nicht als Ungeheuer oder in Tiergestalt. Der zweite Aspekt ist unser Wille, die Kontrolle über alles zu behalten. Wir haben verlernt, demütig zu sein und uns dem Willen eines Höheren zu beugen. Zwar können wir dem Unausweichlichen nicht entkommen, aber wir versuchen zwanghaft, den Zeitpunkt und möglichst auch noch die Art unseres Gehens festzulegen. Die Kombination daraus macht die Faszination Vampir für uns aus. Und das wiederum macht den Vampir als Figur unsterblich!

Fazit:

Der Hype ebbt langsam ab, doch die Unsterblichen sind nicht tot zu kriegen. Andere Wesen waren zwischenzeitlich auch mal auf dem Vormarsch: Engel, Piraten und Hexen. Aber der Vampir wird niemals ganz verschwinden. Nicht, solange diese Sehnsucht in uns bleibt - die Sehnsucht nach Unsterblichkeit und ewiger Jugend.

Caro, am 25.06.2016
1 Kommentar Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.


Bildquelle:
W. Zeckai (Wie macht man eine Lesung erfolgreich?)
Amazon Prime - Video, Film (Der Hundertjährige der aus dem Fenster stieg und verschwand)
Mag.a Bernadette Maria Kaufmann (Farbspiel Band 1: Weiß)

Autor seit 5 Monaten
9 Seiten
Laden ...
Fehler!