Was ist Vertrauen?

 

Eine sehr gute Definition des Wortes Vertrauen lautet: Vertrauen bedeutet seine Mitmenschen nicht kontrollieren zu müssen. Kontrolle erzeugt Angst und Vertrauen bedeutet keine Angst zu haben, sondern sich selbst oder seinen Mitmenschen zu vertrauen.

 

Wenn Sie an diesem Punkt weiterdenken, kann man diese Definition erweitern. Vertrauen bedeutet den Mut zu haben, Dinge auch mal laufen zu lassen.

 

Denken Sie doch mal an eine Mutter, deren zwölfjährige Tochter sich mit Freundinnen treffen will. Diese Mutter hat nun zwei Möglichkeiten. Erstens kann sie über eine App Ihre Tochter überwachen und somit kontrollieren, wo sich diese gerade befindet und zweitens könnte sie den Mut aufbringen der Tochter zu vertrauen.

Warum fällt es einigen Menschen schwerer, anderen und sich selbst zu vertrauen?

Sicherlich kennen Sie Menschen, denen es leicht fällt, Vertrauen zu anderen Menschen aufzubauen, aber dann gibt es auch Menschen, denen das sehr schwerfällt. Die Ursache hierfür liegt meistens in der Vergangenheit der betreffenden Person.

 

Kehren wir noch einmal zu dem Beispiel mit der zwölfjährigen Tochter zurück. Wenn die Mutter sich dazu entschieden hätte, die Tochter über eine App zu überwachen, hätte sie ihr bewusst oder unbewusst vermittelt: "Ich kann mich nicht auf dich verlassen".

 

Was würde ein solches Verhalten bei der Tochter auslösen? Richtig, dass Gefühl: "Mama traut mir nichts zu. Ich bin für sie immer noch das kleine Kind."

 

Eben diese Tatsache wird die zwischenmenschliche Beziehung zwischen Mutter und Tochter schwer belasten und dafür muss man kein Prophet sein, das Vertrauen wird immer mehr abnehmen.

 

Folglich sind es die bereits erwähnten Erfahrungen aus der Vergangenheit, welche uns geprägt haben und weshalb es einigen Menschen schwerer fällt eine gesunde und vertrauensvolle Beziehung zu anderen Personen aufzubauen.

 

Drei Möglichkeiten, wenn Menschen Sie verletzen, indem Sie Ihr Vertrauen missbrauchen

Vertrauen ist eines der größten Geschenke, das Sie Ihren Mitmenschen geben können. Umso schmerzhafter ist es, wenn Menschen wie die Tochter in unserm fiktiven Praxisbeispiel die Erfahrung machen, dass dieses Geschenk missbraucht wird.

 

In einer solchen Situation hat die Tochter und jeder andere Mensch auch in der Regel immer drei Möglichkeiten. Die erste Möglichkeit besteht darin, dass die Tochter das, was geschehen ist, schweigend akzeptiert. Die zweite Möglichkeit wäre, dass sie ein klärendes Gespräch, mit der Mutter führt und die dritte Möglichkeit ist, dass Sie so bald wie möglich auszieht und dann den Kontakt zu der betreffenden Person abbricht. Lassen Sie uns nun diese drei Optionen einmal genauer betrachten.

 

Die erste der hier beschriebenen Möglichkeiten lautet, dass die Tochter aus dem Beispiel das, was geschehen ist, schweigend akzeptiert. Ich gebe zu, dass diese Möglichkeit einen negativen Beigeschmack hat, denn es ist sehr herausfordernd es schweigend zu akzeptieren, wenn andere Menschen unsere Gefühle verletzen.

 

Vielleicht fragen sich einige Leser nun, ob ein solches Verhalten nicht den negativen Beigeschmack von Unterordnung hat?

 

Meine Antwort auf diese Frage lautet "ja". Doch lassen Sie uns nun diesen Begriff genauer betrachten, denn das wird Ihnen helfen, ihn besser zu verstehen.

 

Wenn Sie "Unterordnung" in einem Wörterbuch nachschlagen, werden Sie dort Begriffe wie "sich beugen, anpassen, herunterschlucken, sich einfügen, kapitulieren" finden. Unterordnung bedeutet unter eine Ordnung kommen bzw. sich in eine Ordnung einfügen.

 

Unterordnung ist ein Thema, das wir am liebsten verdrängen würden, auf der anderen Seite müssen wir aber auch erkennen, dass dies nicht möglich ist, weil es im Leben immer wieder Bereiche gibt, in denen diese gefordert wird. Folglich ist es ratsam, Unterordnung zu lernen.

 

Kommen wir nun zur zweiten Möglichkeit. Diese lautet, dass die Tochter ein klärendes Gespräch mit der Mutter sucht.

 

Doch dies ist nicht jedermanns Sache. Wichtig bei einem solchen Gespräch ist, dass die Tochter darauf achtet die Fakten ruhig und sachlich Ihrer Mutter gegenüber vorzutragen. Doch eben das ist schwierig, denn unsere Tochter muss ihre Emotionen bei einem solchen Gespräch total ausblenden und darf sich nicht provozieren lassen.

 

Die dritte Möglichkeit lautet, dass Sie den Kontakt zu der betreffenden Person abbrechen. Diese ist allerdings meiner Meinung nach die denkbar schlechteste von den drei Optionen. Die Tochter aus unserm Beispiel bliebe mit den Verletzungen allein, die Mutter aus unserm Praxisbeispiel könnte ihren Fehler nicht wieder gutmachen und die Tochter würde die Möglichkeit nicht nutzen, eine reife und starke Persönlichkeit zu werden.

 

Die ersten beiden hier aufgezeigten Optionen würden ihr eine Gelegenheit bieten, sich in Ihrer Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Bei der dritten Option gibt es nur Verlierer:

 

Sicherlich verstehen Sie nun warum ich die dritte Option, für die schlechteste halte. Verlorengegangenes Vertrauen wieder aufzubauen ist ein Prozess, und eben mit diesem wollen wir uns im nächsten und letzten Abschnitt auseinandersetzen.

 

Wie Sie vertrauen wieder aufbauen können

Ich habe im letzten Abschnitt geschrieben, dass Vertrauen, wenn es verloren gegangen ist, wiederhergestellt werden kann, dass dies aber ein Prozess ist. Ein weiser Mensch hat einmal gesagt, dass es zwei Sorten von Prozessen gibt. Bei der ersten Sorte handelt es sich um Prozesse die langsam vorangehen und bei der zweiten handelt es sich um Prozesse die sehr langsam vorangehen.

 

Ein Prozess zeichnet sich dadurch aus, dass er aus einzelnen kleinen Schritten besteht und der erste Schritt um Vertrauen wiederaufzubauen ist, der betreffenden Person zu vergeben.

 

Leider kursieren bezüglich dieses Themas viele falsche Vorstellungen in unserer Gesellschaft. Eine dieser falschen Vorstellungen ist, dass wir vergeben lediglich mit Gefühlen verbinden, doch das ist nur zum Teil richtig, wie ich später noch ausführen werde.

 

Wenn Sie "Vergebung" in einem Wörterbuch nachschlagen finden Sie dort Begriffe wie "frei- und lossprechen, entschuldigen, verzeihen und nicht nachtragen." Aber richtig spannend ist die ursprüngliche Herkunft dieses Wortes. Vergebung wurde nämlich ursprünglich mit dem Begriff "geben" in Verbindung gebracht.

 

Dies führt uns zu der Frage, was Sie geben, wenn Sie sich entscheiden zu "vergeben"? Nun, Sie geben ihrem Mitmenschen die Möglichkeit, seinen Fehler wieder gutzumachen. Dies funktioniert allerdings nur, wenn dieser seinen Fehler einsieht.

 

Unbewusst habe ich bereits einen ganz wichtigen Aspekt zum Thema in den letzten Absatz mit einfließen lassen. Vergebung ist in erster Linie eine Entscheidung. Aus diesem Grund ist die Aussage "Dies werde ich niemals vergeben" so problematisch, denn es ist immer möglich Entscheidungen zu treffen.

 

Deshalb hat Vergebung nur indirekt etwas mit Ihren Gefühlen zu tun. In erster Linie treffen Sie die Entscheidung, zu vergeben. Gefühle wie die Freude und innerer Frieden sind nur eine positive Begleiterscheinung.

 

In unserem Praxisbeispiel würde das folgendermaßen aussehen: Die Tochter entscheidet sich dazu der Mutter zu vergeben. Die Folge ist, dass sie dieser wieder mit Freude und Vertrauen und nicht mit Bitterkeit begegnen kann.

 

Ist es leicht anderen Menschen zu vergeben? Nein, denn sonst würde innerhalb unserer zwischenmenschlichen Beziehungen nicht so viel schieflaufen. Eben darum sollten Sie sich dafür entscheiden, zu vergeben. Wenn Sie das tun geschehen zwei Dinge: Über den ersten Punkt habe ich bereits geschrieben: Sie geben Ihrem Mitmenschen die Möglichkeit, Fehler wieder gutzumachen. Der zweite Punkt ist, dass Sie menschliche Größe zeigen.

 

Lassen Sie mich die Kerngedanken dieses Artikels abschießend nochmal zusammenfassen. Wir alle sehnen uns nach stabilen Beziehungen in denen wir einander vertrauen. Doch leider wird dieses Vertrauen oft enttäuscht. Dies ist oft die Ursache für seelische Verletzungen und Sie haben drei Möglichkeiten zu reagieren. Erstens Sie ordnen sich unter und machen einfach weiter. Zweitens Sie haben den Mut und sprechen die Sache an und drittens Sie brechen den Kontakt zu der betreffenden Person ab.

 

Die dritte Möglichkeit ist die schlecht möglichste, denn damit hat die Person, welche Ihr Vertrauen missbraucht hat, keine Möglichkeit den Fehler wieder gutzumachen und zweitens bleiben Sie – schlimmstenfalls für den Rest Ihres Lebens – in Ihrer Bitterkeit sitzen. Was letztendlich auch gesundheitliche Folgen haben kann.

 

Wenn Sie sich allerdings entscheiden zu vergeben, bieten Sie Ihrem Mitmenschen die Gelegenheit seinen Fehler wieder gutzumachen, und Sie können sich selbst und anderen beweisen, dass Sie eine charakterlich starke Persönlichkeit sind und sich letztendlich auch von der grauen Masse der anderen Personen in Ihrem Umfeld unterscheiden.

Autor seit 3 Jahren
10 Seiten
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