Am Skulpturengarten scheiden sich die Geschmäcker

Stadtheimatpfleger Dr. Werner Chrowbak hatte viele interessante Informationen zu der ersten Führung seit vielen Jahren im Gepäck. So erfuhren die Anwesenden, dass die Gärtnerei der Familie Buchhauser sowohl dem Neubau der Frankenstraße, als auch dem Bau der Oberpfalzbrücke in den 70er Jahren weichen musste. Nur der Acker, auf dem sich der Skulpturengarten heute befindet, blieb den Buchhausers übrig. Max Buchhauser, von Beruf Gärtner, erhielt zwar von der Stadt eine finanzielle Entschädigung, konnte seinen Beruf aber nicht mehr ausüben. Buchhauser ging auf Reisen und brachte von dort künstlerische Eindrücke aus vielen Ländern mit, die er professionell in Stein verewigte.

(Bild: us/ privat)

Was zeigt der Skulpturenpark?

Auf der ersten Stehle mit quadratischem Grundsockel finden Betrachter eine barocke Brunnenfigur, die einen Flussgott darstellt und eine Dame mit zwei Zöpfen, die der ägyptischen Göttin Hathor zugeordnet werden könnte. Asiatische, grimmig schauende Masken, kleine Figuren und die junge Nofretete mit grünen Augen, eine Seltenheit, sowie eine strenge Dame mit roten Haaren sind zusätzlich auf der ersten Stehle verewigt. Die gesamte Stehle verjüngt sich von unten nach oben und wird, wie alle Stehlen, von einem Kopf gekrönt. Sie hat einen würdevollen Charakter.

 

Die zweite Stehle ist dagegen freundlicher dimensioniert, mit lachenden Kleinfiguren, babylonischen Herrschern mit Begleiterinnen und einem Knaben, der drei Blüten in der Hand hält. Die Säule zeigt ein Kreuz und einen Anker, vielleicht im Hinblick auf den damaligen Bau des Europakanals und Osiris, einen ägyptischen Herrscher. Noch moderner zeigt sich die dritte Säule, bei der ein Spielmann aus den 30er Jahren mit Laute von maskenhaften Gesicherten und Nofretete bekränzt ist. Bemerkenswert an der vierten Säule ist ein farbiges Bildnis des mittelalterlichen Regensburg mit dem Dom und der Steinernen Brücke als Wahrzeichen, sowie ein babylonisches Herrscherpaar und Sphinxe im Relief. Der Kopf der Stehle ist eher modern herausgearbeitet.

 

Die Obelisken an der Frankenstraße zeigen ein breites Repertoire verschiedenster Epochen. Sie sind rund zwei Meter hoch. Es finden sich grimmig drein blickende Flussgötter, geflügelte Drachen und assyrische Streitwagen neben Menschen afrikanischer Herkunft, Prinz Charles mit großen Ohren und ein Oldtimer. So ist zum Beispiel bekannt, dass Buchhauser bei seinen Schaffensperioden im Freien die Musik von Richard Wagner aus seinem Auto heraus hörte. Die an der Frankenstraße stehende Litfaßsäule hat Buchhauser mit einem passenden Kopfschmuck versehen, damit sie besser zum Skulpturengarten passt. Fußgänger und Wartende der anliegenden Bushaltestelle sehen sich mit Schreckgestalten aus der griechischen Mythologie und einem plastisch hervorspringenden Krokodilkopf konfrontiert.

 

Max Buchhauser kannte wahrscheinlich keine Berührungsängste. Die Stehlen und Oblisken spiegeln Facetten aus vielen Kunstepochen wieder. Auf den Obelisken finden sich Tiere aller Art, sozialistische Symbolik, christliche Szenen aber auch der Fuchs, die Gänse und die Eier aus dem Märchen der Gebrüder Grimm. Oft wird der Schriftzug "Heroica" (spanisch: heldenhaft) wiedergegeben. Wollte Buchhauser antike und neuzeitliche Helden darstellen? Selbst der Regensburger Zeitschrift "Die Woche" gelang es bei einem Interview zu Lebzeiten Buchhausers nicht, dem Künstler das Geheimnis zu entlocken.

(Bild: us/ privat)

(Bild: us/ privat)

(Bild: us/ privat)

Kunst oder Krempel?

 

Der Skuplturenpark entstand zwischen 1977 und dem Jahr 2000. Noch heute warten unfertige Löwen im hohen Gras auf ihre Vollendung. Buchhauser verbaute neben Sandstein auch antike Fragmente, die Denkmalpfleger heute vor Herausforderungen stellen würden. Selbst der damalige Dombaumeister lobte die realistische und detailgenaue Gestaltungskunst Buchhausers. Heute beginnen die Kunstwerke bereits zu leben. Sie haben eine Patina bekommen und Pflanzen breiten sich aus.

 

Das besondere am Skulpturengarten ist, dass sich das Gelände in bester Baulage heute immer noch in der Hand der Buchhausers befindet. Max Buchhauser hat es einem Sohn und einem Enkel, die in Duisburg leben, vererbt. Was später einmal damit wird, darüber lässt sich nur spekulieren. Zu wünschen bleibt, dass die grüne Oase aus naturbelassenem Biotop und künstlerischen Kuriositäten zwischen zwei Verkehrswegen, den Regensburgern erhalten bleibt.

(Bild: us/ privat)

(Bild: us/ privat)

(Bild: us/ privat)

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