Feiertage und der Weltuntergang

Meine Theorie ist, dass am Ende doch die meisten Menschen ganz tief in sich die Angst verspüren, dass es kein neues Jahr mehr geben wird. Nach Weihnachten kommt noch Sylvester, ein paar Raketen steigen in den Himmel - und das war es dann.

Nun könnte man daraus eigentlich die angenehme Schlussfolgerung ziehen, dass der erfolgreiche Abschluss der meisten Projekte vor dem Hintergrund des bevorstehenden Weltuntergangs keine allzu große Rolle mehr spielt. Taufen, Brandopfer und ähnliche auf das Jenseits gerichtete Aufgaben vielleicht einmal ausgenommen. Zeit also, sich auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren: Freunde, Familie, Hobbys usw.

Prioritäten setzen

Doch weit gefehlt. Besonders der Deutsche - Klischeeschublade auf - zieht aus dem Gefühl des nahenden Weltuntergangs seltsamerweise genau die entgegengesetzte Konsequenz. Wenn das Projekt nicht vor den Feiertagen fertig wird, wird es also nie fertig. Und nicht so, wie manche Projekte einfach nie zu einem Ende kommen, sondern im wahrsten Sinn des Wortes: nie. Eine schreckliche Vorstellung. Da bleibt nur eines: Vollgas geben, das Letzte aus sich (und allen anderen) herausholen und abliefern.
Getreu dem Motto: Die Welt kann ruhig untergehen, aber niemand soll mir am Ende vorwerfen, dass ich meine Aufgaben nicht bewältigt hätte.

Eine Übung für die Feiertage

Vielleicht kann die folgende Übung ein wenig helfen, dem Wahnsinn seinen Schrecken zu nehmen und die Prioritäten geradezurücken: Stellen sie sich für einen Moment vor, die Welt würde wirklich am 31.12. enden. Dann fragen sie sich: Welches Projekt in meinem Leben sollte WIRKLICH bis dahin abgeschlossen sein? Wem sollte ich auf jeden Fall noch einmal in die Augen geschaut haben? Mit wem und wo möchte ich noch möglichst viel Zeit verbringen?
Worauf warten sie noch? Denn es gibt ja nur zwei Möglichkeiten:
1. Die Welt geht wirklich unter. Was vergeuden sie dann ihre Zeit mit Projekten, die sowieso keine Rolle mehr spielen werden?
2. Die Welt geht nicht unter. Dann hat alles noch Zeit bis zum nächsten Jahr und sie können in Ruhe etwas mehr Zeit mit Familie, Freunden und Hobbys verbringen.
Die dritte Möglichkeit - ihre Arbeit erfüllt sie mit solcher Glückseligkeit, dass sie sich gar nichts Besseres vorstellen können als ihr Projekt abzuschließen - gehört wohl eher ins Reich der Theorie.

In diesem Sinne wünsche ich eine beschauliche Vorweihnachtszeit und einen fröhlichen Weltuntergang!

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30 Seiten
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