(Bild: sarawales)

Götterschlacht und Weltenbrand

Als Wallhall bezeichnet die Sage eine riesige Halle in Odins Burg Asgard.
Dieser Wehrbau war der Wohnsitz der nordischen Götter.

Asgard und Walhall sind demnach im hohen Norden zu suchen?
Nein, das mythische Asgard lag am Don – im Gebiet des Schwarzen Meeres.

Sie sind überrascht? Es kommen noch andere Überraschungen auf Sie zu.

Asgard lag auch nicht auf dieser Welt, sondern war im Himmel errichtet. Über eine Regenbogenbrücke war dieses riesige Burgenland mit der Welt verbunden. Die untere Welt, oder die Erde, hieß – Midgard.

Kann man Asgard heute noch besichtigen?
Nein, die Burg wurde in einem Weltenbrand, einer großen Götterschlacht, zerstört.

Danach herrschte eine lange Eiszeit, an die sich sie moderne Zeit anschloss.

 

Asgard lag im Himmel (Bild: angelolucas / pixabay.com)

Die Existenz von Eiszeiten ist wissenschaftlich belegt.

Für ihre Entstehung werden drei wissenschaftliche Ursachen angenommen:

  • Verschiebung der Kontinentalplatten,
  • Vulkanismus und
  • Veränderungen der Erdbahn.

Wenn also die Erde z.B. ihre Achse verändert, dann fällt den Lebewesen der "Himmel auf den Kopf". An dieser Stelle bemerkt man schon eine gewisse Beziehung zwischen Göttern und Naturkräften.

Die nordischen Götter und ihre Burg, Asgard mit Walhall, sind also untergegangen.
Ihre Sagen leben weiter.

Eine nordische Sage vom Schwarzen Meer

Die Erbauer und Bewohner von Asgard und Walhall waren im Himmel über der Region um das Schwarze Meer beheimatet.
Warum heißen die Erzählungen dann Nordland Saga oder tragen ähnliche Bezeichnungen?

Der Bereich um das Schwarze Meer wird von den Sprachwissenschaftlern als Urheimat der Indoeuropäer angesehen. Dort entwickelte sich eine europäische Ur-Sprache, die Protoindoeuropäisch genannt wird (PIE).
Sie könnte sich bei Hirtenvölkern im Bereich des Schwarzen Meeres entwickelt haben (Quelle: Wikipedia.de/ Indogermanische Ursprache).
Von dort verteilten sich die Stammesgruppen in Wanderbewegungen bis nach Island und nach Sri Lanka. Und sie nahmen ihre Erzählungen mit – quer durch die Kontinente.
Die bei uns bekannte Variante stammt aus Nordeuropa.

Helden und die Logistik der Himmelfahrt

Worum geht es bei der Geschichte von Walhall?
Tote Helden kommen zu Odin nach Walhall. Der Begriff bedeutet "Halle der im Kampf Gefallenen".

Was erwartet die gefallenen Kämpfer dort?
Bier und Met, Würfelspiel und Kampftraining. Dies liest sich, auf den ersten Blick, wie eine mythische Party-Meile, verbunden mit einer Art Dojo für Schwertkämpfer.

Nur tote Helden haben Zutritt zu Walhall.

Was ist ein Held? Ein Mensch, der Außergewöhnliches leistet, z.B. im Kampf. Walhall gilt for dead fighters only.

Über Geisteshelden oder andere ausgezeichnete Erdenbürger finden sich keine Berichte.

Im Laufe der Zeit vermodern die Körper, und die Gebeine verbleichen im Grab.

Wie gelangen tote Helden in den Himmel?

Tragen sie ihre Rüstung bei sich oder schweben ihre gestaltlosen Seelen aus den Gräbern hinauf und nehmen dort dann ihre funkelnden Rüstungen und glänzenden Schwerter wieder in Empfang?

(Bild: Susbany / pixabay.com)

Genau hinsehen

Es kann vorteilhaft sein mit einem forsch fragenden Blick an Sagen und Legenden heranzugehen.

Worin liegt der Vorteil der Chuzpe?

Die alten Geschichten wollen uns zu unserem Nutzen etwas mitteilen. Ein Übermaß an Furcht und Ehrfurcht vor mächtigen Göttergestalten kann unseren Geist trüben.
Nur ein wacher Verstand kann vorurteilsfrei unterscheiden. Der liberale Geist ist immer im Vorteil.

Was verraten uns die Göttergeschichten, wenn sie unter die Lupe der modernen Wissenschaft genommen werden?

Genom, Codes und Kataklysmen

Um die Himmelfahrt der furchtlosen Kämpfer erfolgreich durchzuführen, müsste Odin im Himmel eine Art Eins-zu-Eins Replikation der früheren Körper erschaffen haben.
Die Aufgabe erinnert manchen modernen Leser an Science-Fiction Geschichten, etwa im Sinne von: "Beam me up, Odin".

Alternativ hatte Odin vielleicht seinerzeit schon das menschliche Genom sequenziert. Seine Helfer entnehmen vom Verstorbenen eine Gewebeprobe und erschaffen den Körper in einer "Anderswelt" neu. Dann hätten die alten Götter ein erstaunliches Wissen zur Verfügung gehabt.

Wo ist diese Knowhow geblieben?

Geologen sprechen von Kataklysmen, erdgeschichtlichen Katastrophen, die zu großen Überflutungen geführt haben. Bei einer Umkehrung der Pole z.B. und der anschließenden "Großen Mandränke" ist sicher ein großer Teil des Wissens unserer Vorfahren verloren gegangen. Geblieben sind die Erzählungen.

Der Source Code zur Nordland Saga

Die Botschaft der Helden-Himmelfahrt erscheint seltsam verschlüsselt. Wenn die Message der Sage codiert ist, wer kann uns den Wesensinhalt entschlüsseln?

Als eine der bekanntesten Quellen wird vorrangig die Edda, eine nordische Heldendichtung, genannt. Dabei handelt es sich um ein Sammelwerk skandinavischer Helden- und Göttersagen, das in seiner Urform in isländischer Sprache geschrieben wurde.
Ihre Anfänge liegen im Dunkel. Die erste schriftliche Niederlegung wird um das Jahr 900 n.Chr. datiert.

Darin findet sich u.a. auch eine Beschreibung dieser mächtigen, göttlichen Trutzburg.

Handwerker und Helden

Diese Wehr war also ein riesiges Bauwerk aus Steinquadern.

Wer hat diese imposante Burg gebaut? Und sind die fleißigen Maurer nach vollbrachter Leistung auch zu Odin in sein Luxus-Chalet eingeladen worden?
Wenn nicht - weil nur Helden dort Zutritt haben - wo sind die himmlischen Helden der Arbeit nach getaner Arbeit untergebracht worden?

Die Sage hat eine simple Lösung für dieses Problem gefunden.

Es gab nur einen Steinmetz. Dieser kräftige Mann hat also die Burg allein gebaut. Nach Fertigstellung des Werkes gab es Streit mit Odin, dem Bauherrn. Der oberste Gott hat dann den Erbauer erschlagen.

Walhall selbst, diese riesige Halle, besitzt 540 Tore. Es können 800 Helden gleichzeitig in einer Reihe durch die Tore gehen.
800 Mann sind eine Menge Leute. Sind die Tapferen alle gleichzeitig gestorben? Oder mussten die zuerst Gefallenen warten, bis die Liste wieder voll war? Wenn ja, wo haben sie gewartet?

Die Darstellung ist unscharf. In der Erzählung fehlen Zwischenschritte und deren logische Erklärungen. Oder wir gehen die Sache falsch an - wir begehen Interpretationsfehler.

Am Anfang war das Lagerfeuer

Wie kommt ein Mythos wie Walhall zu uns?

Die Menschen der Gegenwart können versuchen, sich in die Welt vor vielen tausend Jahren zurückzuversetzen.
Es gab keinen Fernseher. Die Mitglieder der Gruppen saßen abends beim Lagerfeuer zusammen – und sie haben sich Geschichten erzählt. Geschichten von der Jagd waren sicherlich sehr beliebt. Der erfolgreiche Jäger konnte seine Abenteuer auch gern etwas ausschmücken, damit aus der banalen Erlegung des Wildes eine interessantere Abenteuergeschichte wurde.

Geschichten von Helden hatten eine noch weitaus größere Bedeutung.
Sie gaben dem Einzelnen die Gelegenheit, sich über seine Rolle in der Gemeinschaft Gedanken zu machen. Bin ich der kühne Recke oder bin ich in der Gruppe der stille Ausweider für die Jagdbeute? Hier erleben wir die Sage als Entscheidungshilfe für den Lebensweg.

Den Way Out gibt es nur im Himalaya

Geschichten am Lagerfeuer, als Grundlage von Mythen und Sagen, hatten somit eine wichtige soziale Funktion.

Mythen wirkten dann auch als Motivator. So ein Held könnte Klein-Siegfried auch einmal werden. Und wenn es dann schlecht ausgeht - das ist nicht so schlimm.

Dann kommt der gefallene Held in den Walhall, und dort geht die Party richtig ab – ohne Ende. Obwohl das auch fade werden kann. Wie sagt man in Österreich: "Was zu lang dauert geht net schön."

das Partyleben auf Walhall

das Partyleben auf Walhall (Bild: Hans/ pixabay.com)

In Nordland wurde durchgefeiert. Was machte der Herr von Walhall mit den Helden, die nach Jahrtausenden einen Party Burn-out erlitten?

In anderen Zivilisationen, etwa im indisch-vedischen Kulturkreis, kann die gelangweilte Seele als Arhat dieser Endlosschleife entkommen. Sagen und ihr Source Code - die cleversten Programmierer sitzen wohl in Ladakh.

Götter im Vergleich

Der Ursprung der Sage von Walhall mit seinem Zentrum, Asgard, in Osteuropa war geografisch nicht weit entfernt von den Göttern auf dem Olymp in Griechenland.

Die Unterschiede zwischen den Göttern des Nordens und denen des Südens sind auf den zweiten Blick dann gar nicht so bedeutend.
Walhall wird als eine mythische Burg beschrieben, über die Odin, der Herr der nördlichen Götter, herrscht. Im Süden residiert Zeus auf dem Berg Olymp und regiert über die Mitglieder seines Götterkreises.

Die Gleichartigkeit der Inhalte wirkt überraschend und verlangt nach einer Erklärung.

Wissenschaftliche Erklärungsansätze

Hat Odin nun mit den anderen göttlichen Herrschern auf dem Globus kommuniziert und Erfahrungen ausgetauscht - also mit Zeus und Seth, mit dem sumerischen Anu und mit Shiva?

Die Frage ergibt sich aus den scheinbaren Parallelen in den überlieferten Erzählungen aus vielen Kulturkreisen.

Alle Sagen scheinen auf eine geheimnisvolle Art miteinander verwoben und verbunden. Dazu gibt es verschiedene Erklärungsansätze von

  • Verhaltensforschern
  • Psychologen
  • Physikern und
  • Philosophen.

Verhaltensforscher und Psychologen

In der Verhaltensforschung gibt es den Begriff vom Hundertsten Affen. Forscher hatten auf einer japanischen Insel Affen beobachtet, die plötzlich damit begannen, die Süßkartoffeln im Meer zu waschen. Erst einer, dann mehrere, und schließlich alle Affen der beobachteten Gruppe reinigten auf diese Weise ihr Nahrung.

Und dann geschah das Unbegreifliche.

Nachdem eine bestimmte Anzahl von Affen entsprechend handelte, meldeten Forscherkollegen von den benachbarten Inseln das gleiche Verhalten von dortigen Affenkolonien, ohne dass diese Populationen direkten Kontakt gehabt hätten.

Dieser Effekt wurde u.a. als Informationsübertragung über rätselhafte Energiefelder in der Natur gedeutet.

Die Ergebnisse wurden später revidiert und auf ein natürliches Lernverhalten zurückgeführt. Die Hype um den Vorgang zeigt jedoch ein breites Interesse an derartigen Erklärungsversuchen.

In der Psychoanalyse und der Soziologie haben Jung und Hallwachs die Begriffe des kollektiven Unbewussten und des kollektiven Gedächtnisses eingeführt.
Alle psychischen und gedanklichen Ausdrücke eines Menschen werden nach diesen Thesen zum Bestandteil der Bewusstseins und der Gedächtnisinhalte der Gattung Mensch und ihrer Vertreter.

Demnach verfügt die Menschheit ein psychisches Erbe, das sich über Generationen im Erbgut weiterentwickelt hat und sich über Wanderungsbewegungen in der Welt verbreiten kann.
Wenn also die Vorstellung von Odin und Walhall am Schwarzen Meer entsteht, dann tritt sie eines Tages auch auf Island und Sri Lanka in Erscheinung.

Enter the matrix - die Physik

Warum lesen sich die Sagen der Welt in vielen Aspekten ähnlich? Odin oder Seth bauen ein Himmelsschloss, flugs tun Zeus und andere es ihnen gleich.

Die Physik kennt ähnliche Erscheinungen im Mikrokosmos.

 

 

 

Odin und alle die anderen Götter, die wir kennen - sind sie Teil der mysteriösen Matrix?

Was heißt das?

Es taucht hier die Frage nach den spukhaften Erscheinungen aus den Versuchen der Quantenphysik auf. Lichtteilchen (Photonen) zeigen, unter Laborbedingungen, über weite Entfernungen ein abgestimmtes Verhalten in ihrer Schwingungsrichtung – entgegen den geltenden physikalischen Gesetzen.

Alles scheint mit allem verbunden. Verschränkte Effekte in der Physik verblüffen nicht nur die Physiker von heute. Sie ließen seinerzeit auch Albert Einstein ratlos zurück.

Verschränkte Lichtquanten und gleichgerichtete Gedankenwellen - gibt es einen Zusammenhang?

Das Jenseits und der Irrtum des Intellekts

Warum erschlug Odin den Steinmetz, der allein dieses riesige Gebäude errichtet hatte?

Ein Mann allein kann keine mächtige Burg errichten - die Erzählung könnte ein Gleichnis sein. Steinmetze verwenden geometrische Zeichen als Signum ihrer Berufsgruppe. Geometrie und Mathematik stehen für intellektuelle Fähigkeiten des Menschen. Möglicherweise finden wir in dieser Erzählung eine Mahnung zur Verleugnung des übersteigerten Intellekts, der Luftschlösser errichtet.

Alfred Whitehead hat in der Philosophie den Begriff der Bifurkation eingeführt.
Der Mensch trennt die Welt in eine reale und in eine metaphysische Welt. Die Kräfte, die in der jenseitigen Welt wirken, bleiben dem in der Realität verhafteten Geist jedoch verborgen.

In dieser Sichtweise kann die Sage von Walhall als versteckter Hinweis auf alternative Techniken zur Erfahrung "anderer", intellektuell nicht erfassbarer, Wirklichkeiten interpretiert werden.

Wolkengebilde und Felsenprofile

Heldengeschichten entstehen am Lagerfeuer. Für die Erschaffung von Götter-Gestalten gibt es eine weitere Quelle, nämlich - Naturphänomene.

Menschen haben die Fähigkeit, in natürlichen Erscheinungen ihnen bekannte Muster zu erkennen. Aus einem Felsvorsprung wird ein Adlerkopf. Wolkenformationen lassen Gesichter erscheinen. Aus einem Schauspiel von Blitz und Donner entsteht der Himmelsreiter.

Götter und Naturkräfte

Die wissenschaftliche Bezeichnung für diese weit verbreitete Fähigkeit des Menschen lautet Pareidolie. In der Wahrnehmungspsychologie wird dafür der Begriff Clustering Illusion verwendet.

Odin repräsentiert die Kraft der Blitze, und Thor steht für die akustische Entladung bei einem Gewitter. Die Götter stehen als begreifbare Sinnbilder der Naturkräfte.

Das passt ein Stück weit zur Welt der Mythen. Die Symbolkraft bringt uns das Unverständliche näher, denn personifizierte Naturkräfte kann der Mensch besser verstehen und beherrschen lernen.

Der Weg von der Pareidolie zur fantastischen Erzählung ist dann nicht mehr weit.

Was also bedeutet Walhall?

Der Short-Trip durch die nordische Sagenwelt um Walhall hat dem Leser mögliche Erklärungen für deren Inhalte angeboten:

  • Die Erzählungen von Walhall, Helden und Göttern bedeuten einen Weg zum Verständnis der Naturgesetze. Thor lässt es krachen.
  • Sie stellen eine soziale Regieanweisung für das Rollenspiel des Individuums dar. Each must play his part.
  • ... oder die Sage enthält verborgene Botschaften, die wir nicht mehr verstehen.
  • Für andere Leser sind Walhall und die nordischen Sagen einfach spannende Geschichten.

Waschende Affen, kollektives Gedächtnis, verschränkte Quanten, Wolkengesichter … es scheint in der modernen Zeit Verschiedenes zusammen zu kommen, was bisher getrennt und unverständlich war.

Es bleiben auch offene Fragen. Warum werden 540 Tore erwähnt? Die ungelösten Rätsel werden dazu beitragen, dass die Mythen von Götter und Helden für eine lange Zeit bestehen werden.

Autor seit 2 Jahren
181 Seiten
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