Ein Superzug

Kürzlich überraschten die Medien den aufmerksamen Leser mit einer Nachricht über einen neuen Geschwindigkeits-Rekord. Ein Japanischer Zug, der Shinkansen Hochgeschwindigkeitszug, erreicht demnach eine Höchstgeschwindigkeit von 600 km/h auf gerader Strecke.

Beispielbild eines Superschnellen Zuges

Beispielbild eines Superschnellen Zuges (Bild: OpenClips/ pixabay.com)

Diese Nachricht kann im Leser verschiedene Gefühle und Gedanken wecken.
Erst einmal sind im Zeitalter der großen Jets Neuigkeiten über die Technologie des Bahnverkehrs recht selten. Zweitens möchte doch mancher Leser bei Tempo 600 in einem Bahnabteil sitzen. Drittens frag man sich, warum die Deutschen nicht diesen Rekord ins Ländle geholt haben. Schließlich hat man hierzulande dieses Verkehrsmittel erfunden. Oder waren es die Engländer?

Der Adler ist losgefahren

Ein Zug mit dem Namen "Adler" war es, der zuerst in Deutschland fuhr. Man erinnert sich an diesen Namen genau, denn schließlich musste man dies für den Geschichtsunterricht auswendig lernen. Die erste Zugstrecke verband Nürnberg mit Fürth. Wann war das? Geschätzt um 1880 – stimmt es?

Der Zug muss so oder ähnlich ausgesehen haben

Leider haben die Engländer das Vehikel vor uns auf die Schienen gesetzt. Ein Herr Trevithick soll das Verkehrsmittel um 1800 erfunden haben. Die erste Strecke wurde auch in England, im Jahr 1825, öffentlich in Betrieb genommen. Deutschland folgte zehn Jahre später, nämlich 1835.

Das Eisenross des weißen Mannes

Amerikanische Lokomotiven sehen in den Wildwestfilmen immer sehr imposant aus.

Die Kamera schwenkt gern über die endlos weite Prärie.
Plötzlich ertönt ein Pfiff, schwarzer Rauch wird in den hellblauen Himmel gestoßen, und dann erscheint das Stahlross schwarz und schwer schnaubend im Bild. Kurz danach sieht man den Indianerhäuptling mit seinem mächtigen Federbusch von einem Hügel hinunterblicken. Er gibt seiner Kämpferschar eine Zeichen – und es kann losgehen mit der Handlung inklusive Indianer-Überfall.
Alternativ haben die Regisseure (s.a. Text zu John Ford und Howard Hawks) aller Zeit auf Jesse James und seine Banditen zurückgegriffen.

Für die amerikanischen Zuschauer ist die Eisenbahn mit ihren Abenteuern ein Stück ihrer Geschichte und Kultur. Schließlich wurde das weite Land auch mithilfe der Eisenbahn besiedelt und erschlossen.

Drei Film-Highlights

Das Dampfross trat in berühmten Filmen auf wie:
"Der letzte Zug von Gun Hill" Mit Kirk Douglas und einem klassischen Showdown, aus dem Jahr 1958.
"Das war der Wilde Westen". Ein grandioses Opus aus dem Jahr 1962. Die Hauptrollen spielten Henry Fonda und Gregory Peck.
Aber nicht nur in den US-Western waren Züge ein beliebtes Thema. In der Szene von "Mord im Orient Express" bleibt der Zug im hohen Schnee stecken. Keiner kann die Wagen verlassen. Das Schicksal nimmt seinen Lauf.

Insgesamt führt Wikipedia mehr als fünfzig Filme auf, in denen das Eisenbahnmotiv eine wesentliche Rolle spielte.

Smoke gets in your eyes

Attraktion ist alles beim Filmemachen.
Hollywood erzeugt Spannung, Gefühle und große Sensationen, denn nur diese füllen die Kinokassen. Und wenn die Realität nicht ganz so fulminant daherkommt, dann wird seitens der Techniker am Set kräftig nachgeholfen. Schwarzer Rauch über der endlos weiten Prärie sieht beeindruckend aus. Allerdings entsteht in der Dampflock in der Regel weißer Rauch. Dieser wirkt nicht so dynamisch, nicht so abenteuerlich. Die Szene beeindruckt den Zuschauer nicht sosehr. Also stößt das Eisernen Pferd für Hollywood diese dicken, schwarzen Dampfwolken aus.
Dieses Bild rechts schaut auch hollywood-reif aus.

Attraktionen - Sensationen (Bild: WikiImages/ pixabay.com)

Klaustrophobie zum Gruseln

Aus einem schnell fahrenden Zug kann der Passagier nicht ohne weiteres aussteigen.
Die Situation gibt einen perfekten Ansatz für einen Mord ab. Der Film-Oldie "Mord im Orientexpress" ist Klaustrophobie für Fortgeschrittene. Der Zug steckt im tiefen Schnee fest. Ein Aussteigen ist unmöglich. Der Mörder schleicht durch die engen Flure an den Abteilkabinen vorbei, und keiner der Passagiere kann ihm entkommen.
In ähnlichen Filmen wird die gleiche Grundstimmung erzeugt, nur dort fährt der Zug sehr schnell, und ein Ausstieg ist bei heiler Haut nicht möglich. Alien Isolation und andere Horrorfilme haben das Thema entsprechend und an verschiedenen Orten adaptiert. Aber das Gruseln im beengten Zug, in aussichtloser Situation, war seinerzeit das Nonplusultra für die Kinogänger früherer Jahre.

Have fun

Eisenbahnen begeistern.
Geschwindigkeit, 1000 Abenteuer, Überfälle und ein Mörder im Abteil nebenan – diese Filme haben den Kinofreund in der Vergangenheit im jeweiligen Genre oft ein paar schöne und spannende Stunden beschert.
Der ultra-schnelle neue Zug aus Japan bietet nun den Stoff für spannende Szenarien der Zukunft. Die alten Motive sind weitgehend abgedreht. Neue Konzepte werden dem Film als Genre guttun, denn irgendwann einmal wird es halt … höchste Eisenbahn.

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