Update August 2016

Wer waren die Vorgänger des Kinos, wie wir es kennen? Eine kurze Geschichte von Schaubuden, den Brüder Lumiere und der Cinematografie.

Den Text finden Sie weiter unten.

Dreams, Baby

Hollywood trägt einen sehr passenden nickname – die Traumfabrik.
Und genau dies suchen wir, wenn wir ins Kino gehen. Träume entführen uns aus dem Alltag. Sie führen uns in eine Welt, in der wir gern leben würden.
Leider steht die Realität mitunter im Wege. Darum hieß einer der ersten Blockbuster auch: "Das zauberhafte Land". Dies war der Film mit dem damaligen Kinderstar Judy Garland, die mit sonderbaren Märchenfiguren allerhand Abenteuer erlebte.

 

Der Film war ein Meisterwerk der Verführung.
Und das Kino ist der Ort, an dem sich der Besucher gern verführen lässt.

Architektur wie bei Hofe

Kinos sind wunderbare Plätze. Der Blick kann schwelgen, und alle Sinne dazu.
Es fängt schon von weitem an. Kinopaläste haben immer große, helle und auffallende Werbetafeln. Grellbunte Neon-Reklame weist dem Besucher den Weg.

Foyers, das sind die Eingangsbereiche. Der Ausdruck ist ein Lehnwort aus dem Französischen. Und diese Sprache war vor circa einhundert und mehr Jahren die Sprache der Gebildeten und der Begüterten. Man parlierte zu Kaisers Zeiten in den besseren Kreisen auf Französisch. Jeder fühlte sich so wie ein Sonnenkönig.

Zurück zum Foyer. Mit dieser Bezeichnung wurde also der schnöde Eingangsbereich sprachlich aufgewertet. Die Umsetzung eines latenten Wunschdenkens war ein raffinierter Marketingtrick. Mache die Sache wertvoll, dann zahlt der Kunde auch den Preis, in diesem Fall die Eintrittskarte für den Kinobesuch. Heute sind die Eingangsbereiche oft modern gehalten und mit Sitzgarnituren in der Art von Lounges ausgestattet. Der Zeitgeschmack ändert sich.

Hinter dem Kassenhäuschen, dessen Aufbau oft in Goldlamee gehalten war, ging der weite, weite Weg zum eigentlichen Saal. Ein Film wird nicht in einem großen Raum vorgeführt. Nein, in einem Kino betritt der jeweilige Louis XIV einen Saal.

Größe macht Ah!

Und dieser Saal hat es in sich. Mann, was ist der groß. In einigen Kinos kann der Besucher noch heute beinahe ehrfürchtig in den Lichtspielraum eintreten.
Weit fallen die Bordüren von der hohen Decke über die Seitenwände. Der Vorhang ist aus edlem Brokat gefertigt, oder er sieht jedenfalls so aus. Und alte Kinos haben noch eine richtige Bühne. Solch eine, auf der auch Mädchen Can-Can tanzen oder Jungens als Akrobaten auftreten können.
Dort hat das Kino nämlich seine Wurzeln. In der Bühnenkunst.

Nehmn Sie Platz, bitte! (Bild: phegenbart / pixabay.com)

Es waren die Gebrüder Lumiere, die um das Jahr 1900 den ersten Drehkasten erfunden hatten. Damals nannte man das System einen Kinematographen. Das umständliche Wort hat seine Wurzeln in den griechischen Begriffen für bewegte (kinesis) und Bilder (graphein).
Diese Gebrüder waren zwei ganz schlaue Menschen. Sie hatten nämlich die sogenannte Trägheit des menschlichen Auges für ihre Technik ausgenutzt. Ein Mensch kann maximal eine gewisse Anzahl von Bildern pro Sekunde unterscheiden. Alles darüber hinaus läuft für homo sapiens als Film ab.
So kamen wir zum Kino.

Pantoffeln und Co.

Mit der Erfindung des Fernsehens ging dann bekanntlich der Boom in der Filmbranche zurück. Findige Techniker haben noch allerlei schicke Verfahren erfunden, um die Kinogänger bei der Stange zu halten. Mit CinemaScope wurde ein Breitwandverfahren erfunden. Dort ritt der Cowboy dann scheinbar endlos von rechts nach links ins Bild. Technorama, Dolby Lichtton, Magnetton Sensurround, und viele andere technische Finessen – sie haben gewirkt.
Während in Deutschland die Zahl der Kinobesucher in den 1970er Jahren massiv gesunken war, ist die Zahl in den letzten zehn Jahren imposant von ca. 120 Millionen auf fast 180 Millionen Kinogänger angestiegen.
Multiplex Kinos, Nischenanbieter wie Kulturkinos und ähnliche Maßnahmen haben ebenfalls zum erneuten Aufstieg des Mediums beigetragen.
Den größten Anteil an der gestiegenen Zuschauerzahl hat aber die Auswahl der Filme. Die Digitalisierung der Filmtechnik hat den entscheidenden Durchbruch ergeben.

Nicht umsonst ist Avatar der Spitzenreiter bei den meist gesehenen Filmen.
Neue Technik, technology makes the world go round. Es ist immer wieder das Gleiche. Wir müssen uns etwas Neues einfallen lassen, damit es weitergeht.

Kino als das Rundum-Erlebnis

Der Moment, in dem der Vorhang sich öffnet, ist für viele Besucher am spannendsten. Irgendwie schafft das Kino in diesem Augenblick eine Atmosphäre, die der Zuschauer auch im ultramodernen Home Cinema nicht nachstellen kann. Das Licht wird gedimmt, manchmal ertönen noch Fanfaren, die Vorhangrollen rauschen. Alles wirkt ein bisschen wichtig und feierlich.
Vor dem eigentlichen Film gibt es Vorspanne oder trailer. Viele Voranzeigen kennen die eingefleischten Filmfreunde schon aus dem Internet, das merkt man an der Reaktion.

Früher gab es, so liest man, noch einen Kulturfilm. Da muss sich ein Mensch heute einmal vorstellen. Der Besucher zahlt acht Euro für den Terminator mit Arnold Schwarzenegger, und dann werden zehn Minuten lang Pinguine in der Arktis gezeigt. Der Kinofreund hat in der Regel nichts gegen Tierfilme, aber die gehören für viele junge Filmfans möglicherweise nicht dahin.

Wahrscheinlich hat die Filmwirtschaft deshalb den Kulturfilm vor langer Zeit abgeschafft. Die Industrie reagiert sensibel auf Änderungen im Konsumverhalten.

Die Werbung läuft erstaunlicherweise vor vollem Publikum ab. Es findet offenbar kaum eine urologisch bedingte Pause wie am heimischen Fernseher statt.
Kinowerbung erreicht das Zielgruppenindividuum mit geballte Macht. Diese Werbung ist ihr Geld wohl für jeden Euro wert.

Der Film

Es gibt in den letzten Jahren viele Blockbuster. Hobbit und Fast And Furious kennt jeder, der sich mit dem Genre beschäftigt. Aber der Erfolg von Fack ju Göhte ist schon erstaunlich.

Die besten Filme sind die Erlebnisfilme. Zum Beispiel bei "Rocky Horror Picture Show" kommen viele Zuschauer verkleidet ins Kino. Sie singen und tanzen mit. Manche scheinen die Texte schon auswendig zu kennen. Diese Fans waren augenscheinlich schon öfter in dem gleichen Film.
Bei den Batman-Filmen sieht man Ähnliches.

Erlebniskino ist die tollste Variante von allen.

Schöne Stunden im Spaßtempel

Warum gehen wir so gern ins Kino?
Unbewusst hatten die frühen Marketingfachleute der Kinobranche einen griffigen Slogan geprägt:

Mach Dir ein paar schöne Stunden, geh' ins Kino.

Bildquelle: skeeze/ pixabay.com

http://pixabay.com/de/audie-murphy-lori-nelson-396949/

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer hat den Spaßtempel erfunden?

Schaubuden und Panoptiken waren die Vorgänger des Kinos (*). Schaubuden kennt man noch heute von der Kirmes und den Jahrmärkten. Dort wurden in früheren Zeiten Personen in kuriosen Verrenkungen (der "Schlangenmensch" oder auch fakes wie die Dame ohne Unterleib vorgeführt.

(Bild: Kaz)

Das erste bewegte Bild haben die französischen Brüder Lumière um das Jahr 1850 vorgeführt. Man nannte das Verfahren "Cinématographie" (*) und die ersten verwendeten Apparate waren die Vorgänger der späteren Filmprojektoren.

(*) Textquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Kino
https://de.wikipedia.org/wiki/Cin%C3%A9matographe

(Bild: geralt)

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