United Kingdom – the beautiful

England ist für den Reisenden vom Kontinent ein sehr lohnenswertes Ziel. Und in gleichem Atemzug muss man noch Schottland, Wales und Nordirland sowie einige Kanalinseln und entfernte Besitztümer der Krone hinzufügen. Aus diesen Landesteilen besteht nämlich zurzeit das Vereinte Königreich (*).

(Bild: Dinky123uk)

Wenn nur die Last mit dem Linksverkehr auf den Straßen nicht wäre.

Kaum ist man von der Fähre heruntergefahren, schon erliegt man der Versuchung als Geisterfahrer unterwegs zu sein.

Umdenken ist anstrengend. Schließlich verbraucht das Gehirn etwa zwanzig Prozent des gesamten Energieaufwandes eines Menschen. Warum stellen die Engländer nicht einfach auf Rechtsverkehr um? Dann hätten ihre Bürger bei einem Besuch auf dem Kontinent es ebenfalls einfacher mit dem Fahren. Warum also bleibt UK beim Linksverkehr?

Eine überraschende Statistik

Von circa 200 Ländern auf der Welt fährt man in ungefähr einem Drittel, also in etwa 60 Ländern, links. Das hätte man ganz unvorbereitet nicht ohne weiteres gedacht. Die Gründe sind schnell gefunden. Sie liegen im ehemaligen Kolonialreich der britischen Krone.
In Indien, in Australien und Neuseeland sowie in weiten Teilen Ostafrikas fahren die Verkehrsteilnehmer auf der linken Spur. Wenn man die Gebiete zusammenzählt, dann kommt man auf etwa 60 Länder, in denen Linksverkehr herrscht.

Eine alte Geschichte

Ganz ohne Verkehrsregeln konnten schon die alten Römer und alle anderen Völker nicht auskommen. Fuhrwerke und Reiter mussten sich in einer vereinbarten Weise begegnen, um Zusammenstöße zu vermeiden. Allerdings, man staune, sind derartige Regeln aus der Römerzeit nicht übermittelt (*).
Die Historiker haben nun verschiedene Theorien über die Entstehung des Linksverkehrs aufgestellt:

Die meisten Menschen besteigen ein Pferd von links. Einmal aufgesessen, ritt der Reiter einfach auf der linken Straßenseite weiter. Die Begründung kann ein bisschen dünn erscheinen.

Ein Führer von Fuhrwerken saß in der Regel auf der rechten Seite auf dem Bock, weil sich dort die Handbremse befand. Man fuhr also möglichst weit links, um den Gegenverkehr besser beobachten zu können.
Diese Herleitung für den Linksverkehr kann man vielleicht schon besser nachvollziehen.

Der Mensch ist in der Mehrzahl ein Rechtshänder. Der Ritter führte also sein Schwert an der linken Körperseite. Dementsprechend ritt man auf der Straße links, um mit dem Schwert nach rechts hin besser ausholen zu können. Das erinnert an die Gepflogenheiten der Urgroßeltern, bei denen die Herren ihre Dame stets auf der rechten Körperseite führten.

Also, die Geschichtswissenschaftler wissen es nicht so genau, wie der Linksverkehr entstanden ist. Das erste bekannte Gesetz in Europa, so liest man, stammt aus der napoleonischen Zeit. Damals fuhr man auf dem Kontinent rechts (*).

Links oder rechts – das ist hier die Frage

Das größte Problem mit dem ungeübten Linksfahren hängt mit menschlichen Gewohnheiten zusammen. Die Psychologie nennt dieses Verhalten "eingeübte Bewegungsautomatismen" (*). Und diese Umstellungsschwierigkeit betrifft nicht nur Fahrer und Beifahrer. Auch ungeübte Fußgänger schauen beim Überqueren des Zebrastreifens im Ausland oft auf die "falsche" Seite.

Wo fährt man heute noch links? Wo ist man früher links gefahren und hat dann auf Rechtsverkehr umgestellt? Dazu gibt es im Internet entsprechende Listen (*). Indien hat mit seiner Bevölkerung von einer Milliarde Menschen einen großen Anteil an potenziellen Linksfahrern. 

Einige Länder bieten interessante Fakten bezüglicher ihrer Umstellung im Verkehrsfluss von links auf rechts:

Italien fährt seit 1924 rechts

Japan fährt auch heute noch links. Warum? Britische Ingenieure haben vor mehr als 100 Jahren das japanische Schienennetz mit aufbaut. Dabei hat die damalige Regierung den Straßenverkehr gleich mit auf links umgestellt.

Kanada fährt rechts, schon immer und fast in allen Landesteilen. Kanada wurde zuerst von den rechts fahrenden Franzosen kolonisiert. Später hat man den Verkehr mit den rechts fahrenden Amerikanern harmonisiert.

Österreich war bis zum ersten Weltkrieg ein k.uk. Vielvölkerstaat. Entsprechend existierten in den Landesteilen, historisch bedingt, unterschiedliche Verkehrsregelungen. Man hat fast 20 Jahre gebraucht, von circa 1920 bis 1938, um landesweit auf Rechtsverkehr umzustellen.

Schweden hat erst 1967 auf Rechtsverkehr umgestellt. Die skandinavischen Nachbarländer fuhren seit langem rechts.

USA – fahren seit etwa dem Jahr 1800 überwiegend im Rechtsverkehr.

Das Rechtsfahrgebot in Deutschland wurde während der napoleonischen Besatzung festgelegt.

Robbie, Tommy und das autonome Fahren

Wird UK bald auf Rechtsverkehr umstellen? Eher nicht. Eine Umstellung der Fahrtrichtung ist sehr aufwendig – und kostspielig. Nicht nur Verkehrsschilder kosten Geld, sondern oft müssen ganze Straßenführungen verändert werden. Myanmar hat als letztes größeres Land in jüngerer Zeit (1970) den Verkehr von links auf rechts umgestellt (*).

In UK kann man im Moment eher nicht damit rechnen. Der Brexit wird ebenfalls eher dazu beitragen dass alles so bleibt, wie es ist.

Aber – das autonome Fahren steht vor der Tür. In einigen Jahren lassen wir uns ohnehin alle genüsslich im Roboter-Auto chauffieren. Dann heißt es: Rechts- oder Linksverkehr – what shall's.

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