Eine Frage für Physiker: So lässt sich das Steinehüpfen erklären

In Österreich sagt man umgangssprachlich zum Steinehüpfen Flacherln. Mir gefällt diese Bezeichnung fast am besten. Denn schließlich braucht man dazu einen Stein, der auf einer Seite glatt und flach ist. Ihn gilt es, mit Schmackes möglichst flach übers Wasser zu bugsieren. Bugsieren ist schon das passende Stichwort für das, was sich dann abspielt: Beim Aufkommen auf dem Wasser taucht der Stein am hinteren Ende etwas ein und schiebt das Wasser dabei ein Stück vor sich her. Er erzeugt so eine kleine Bugwelle, die er anschließend – weil er immer noch schneller als das träge Wasser ist – hinaufflitscht, um mit Schwung wieder abzuheben, vergleichbar mit einem Rodler, der über eine kleine Sprungschanze fliegt. Klar verliert der steinerne Wellenreiter durch die Reibung bei jedem Aufprall etwas an Energie und Geschwindigkeit. Deswegen geraten die Sprünge von Mal zu Mal ein bisschen weniger hoch und weit – bis unserem Wellenreiter die Puste ausgeht und er am Ende abtaucht.

Wer einmal sehen will, wie es geht: Bei der Wissenschaftssendung Galileo haben sich richtig starke Männer am Steinehüpfen versucht: http://videokatalog.prosieben.de/Sport/Extremsportarten/video-Wie-laesst-man-Steine-uebers-Wasser-flitschen-wissen-Test-Magazin-Wissensmagazin-839273.html

Auf zu neuen Rekorden: Darauf kommt's beim Steinehüpfen an

  1. Der richtige Kiesel: Der ideale Stein zum Flitschen sollte glatt, auf einer Seite flach und möglichst rund sein oder die Form einer Ellipse haben – und er sollte nicht zu klein sein, damit er gut in der Hand liegt und richtig Geschwindigkeit aufnehmen kann. Um die hundert Gramm darf er durchaus wiegen.
  2. Der richtige Dreh: Den Stein zwischen Daumen und Zeigefinger klemmen und aus dem Handgelenk mit Kraft wegschleudern. Wichtig ist, dass der Stein dabei angedreht wird. Vergleichbar mit einem Kreisel, wird er durch die Rotation stabilisiert und kommt dadurch nicht so leicht ins Trudeln. 
  3. Der richtige Winkel: je flacher, desto besser. Ideal ist beim Aufprall ein Winkel von 20 Grad. Denn sonst taucht der Kiesel zu tief ins Wasser ein und verliert unnötig Energie. Ist der Winkel beim Aufkommen größer als 45 Grad, geht der Stein sofort unter.

Alles gut miteinander zu koordinieren ist eine Kunst für sich. Den Dreh muss man erst einmal rauskriegen. Weltrekordhalter Russell Byars gibt auf seiner Website prostoneskipping.com übrigens noch weitere Tipps. Dort ist sein großer Wurf auch im Video zu sehen.

 

 

Von Alaska bis zur Wüste: Steinehüpfen wird überall gespielt

Übrigens funktioniert das Steineflitschen angeblich sogar auf Eis und auf feuchtem Sand. Die Inuit in Alaska kennen dieses Spiel genauso wie Wüstenbeduinen. Und schon im alten Griechenland war dieser Sport gängig, auch wenn Herkules dafür statt eines Kiesels angeblich sein Schild übers Wasser flitschen ließ. 

Und weil das Steinehüpfen überall auf der Welt gespielt wird, hat das Spiel viele Namen: Es ist mitunter total witzig, wie das Steinehüpfen in anderen Sprachen umschrieben wird. Die Briten sprechen von stoneskipping oder von ducks and drakes, also dem Erpel-und-Enten-Spiel. Vielleicht wegen des ständigen Auf und Ab wie beim Gründeln? In Frankreich ist von faire des ricochets sur le canal (Abpraller auf dem Kanal erzeugen) die Rede. Ausgesprochen passend für ein Land, das der Sonnenkönig Ludwig XIV. einst komplett mit künstlichen Wasserwegen erschließen wollte. Am schönsten aber ist die spanische Wendung fürs Steinehüpfen: hacer cabrillas. Übersetzt heißt das so viel wie: kleine Wellen mit Schaumkämmen machen. Das ist ebenso poetisch wie physikalisch korrekt. Geht's noch besser?

Mondstein, am 02.11.2015
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