Perspektiven

Jedes moderne Smartphone hat eine eingebaute Kamera. Bei einer Grachtenfahrt in Amsterdam zum Beispiel sieht man die Leute ständig knipsen. Es handelt sich um Erinnerungsfotos. Das Fotografieren dient als Gedankenstütze. Das Foto stellt ein visuelles Souvenir dar.

Vor dem Kölner Dom stehen die Hobbyfotografen oft in seltsam verrenkten Positionen. Die Kirchtürme sollen aus einer speziellen Perspektive auf das Foto kommen. Das Foto bekommt ein erstes gestalterisches Element. Kunst kommt auf.

aus einer anderen Perspektive betrachtet (Bild: zooverano/ pixabay.com)

Was ist Kunst?

Gestaltung. Das Ergebnis eines kreativen Prozesses (1). Der Tourist im Grachtenkahn hat die Umgebung und die Gebäude abfotografiert. Der Dombetrachter hat einen besonderen Blickwinkel ausgewählt und eine neue, kreative Sichtweise geschaffen (lat. creare bedeutet schaffen).

Wie kommt man vom ersten Schritt der Dom Perspektive zum Ausdruck eines fortgeschrittenen künstlerischen Schaffens, zur künstlerischen Fotografie?

Ziel-Objekt

Künstlerische Fotografie befolgt einen Zweck (2). Das digitale Fotoalbum für den Hausgebrauch ist für den Familienkreis bestimmt.
Davon unterscheidet sich der Kunstfotograf in drei wesentlichen Punkten:

  • Er hat eine Botschaft
  • Er geht an die Öffentlichkeit.
  • Er verwendet weiterführende Mittel.

Die künstlerische Fotografie hat also eine Message. Der Dom wird zum Ausdrucksmittel für den mächtigen Gott, der über den kleinen Menschen dort unten herrscht. Das Kriegsfoto zeigt nicht nur den Granateneinschlag, sondern die Macht der Vernichtung und die Angst vor dem Tod. Eine Kriegsszene, in schwarz und weiß fotografiert - im Zeitalter der digitalen Colorfotos, soll die Dualität zwischen Leben und Tod verdeutlichen.
Freude und Angst, Romantik und Trauer, heute und morgen – die Kunstfotografie drückt gezielt Emotionen aus. Das Werk will wirken.

Die Erfinder der Kunstfotografie

Fotografie als Kunst sollte in ihren Uranfängen vor mehr als hundert Jahren die Malerei nachbilden (1). Das lässt den Leser schon einmal aufhorchen. Malerei in höherer Kunstform will zum Beispiel eine Stimmung hervorbringen, man denke an den Impressionismus.
Wenn die ersten Fotografen eine ähnliche Wirkung beim Betrachter erreichen wollten, dann mussten sie mit ihrem technischen Gerät sich etwas einfallen lassen, das über die platte Ablichtung hinausging. Was haben sie sich einfallen lassen?

Daguerreotypie - alte Foto- und ...

Daguerreotypie - alte Foto- und Aufnametechniken (Bild: condesign/ pixabay.com)

Accessoires. Der Großbürger wurde neben einer griechischen Vase abgebildet. Der Mann hat es zu etwas gebracht. Er kann sich eine antike Vase leisten. Die Kunst des Foto bestand in der Transportation der Bedeutung des Abgebildeten.

Unschärfe. Mann und Frau, ein Hochzeitspaar, tanzen in einem Wäldchen. Dies allein gibt schon einen gewissen Eindruck, der sich interpretieren lässt. Bäume, fruchtig – die beiden könne Kinder bekommen. Dann haben Fotografen das Bild unscharf gestellt,. Eine verschwommene Liebe, die man mehr ahnen als sehen kann bietet sich als Interpretation an. Auch lässt sich ein Zeitelement, erahnen. Die Unschärfe kann einen gemeinsamen Lebensweg des Paares ausdrücken, der in eine noch unbestimmte Zukunft führt. Das Baummotiv kann positiv stimmen: als Frucht des Lebens und ähnlich.

Tanze mit mir in den Himmel hinein (Bild: toanmda/ pixabay.com)

Mit diesen und ähnlichen Mitteln wurde die Daguerreotypie, wie die Kunst des frühen Fotografierens nach ihrem Erfinder genannt wurde, vom Ablichten ins Interpretieren übertragen. Es entstand ein schöpferischer Akt, der sich im oben genannten Kunstbegriff wiederfindet.

ein schönes, fremdes Mädchen (Bild: ArtsyBee/ pixabay.com)

Moderne Zeiten

Die stilistischen Mittel nahmen mit der technischen Entwicklung zu. Und sie führten zu neuen Ausdrucksformen in der künstlerischen Fotografie.
Dokumentationen über Fernreisen können den Eindruck erwecken, dass sich der Betrachter virtuell bereits am Reiseziel sieht. Werbefotografien bringen das Produkt "hautnah" an den potenziellen Konsumenten heran.

Die experimentelle Fotografie kann als ein Höhepunkt des künstlerischen Schaffens mit diesem Medium aufgefasst werden.
Vertraute Zusammenhänge werden optisch verfremdet und bekommen eine neue Identität, die von der Sichtweise und dem Bewusstseinsstand des Betrachters abhängt.

Experimente mit Raum und Zeit (Bild: Diggeo/ pixabay.com)

Künstlerische Fotografie hat eine Botschaft

Die Betrachtung eines künstlerisch gestalteten Fotos bewirkt "Bahnungen" im Nervensystem, so wie es beim Betrachten gemalter Bilder entsteht.
Künstlerische Fotografie kann demnach das Bewusstsein des Betrachters gezielt verändern. Man nennt dieses Wissensgebiet: "Neuroästhetik".

Damit schließt sich der Kreis. Kunst als Ausdruck menschlicher Tätigkeit ist auf Wahrnehmung gegründet. Die künstlerische Fotografie will die Wahrnehmung des Fotografen auf den Betrachter übertragen. Wenn der Betrachter das Bild anschaut, dann war die Kunst erfolgreich. Die Botschaft hat den Adressaten erreicht.

Das Bilderportal Pixaby.com stellt dem interessierten Fotofreund einen breiten Fundus an Abbildungen und dazu eine Möglichkeit dar, seine eigenen Werke vorzustellen.

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Autor seit 2 Jahren
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