Gier und Wahn

Zu viel von allem. Ein übersteigertes Verlangen nach materiellem Besitz. Nicht aufhören können, materielle Reichtümer anzusammeln. Diese Ausdrücke kennzeichnen das Verlangen, das Gier oder Habgier genannt wird (*).
Warum will einer zu viel von allem haben, so fragt man sich. Hat der oder die Unersättliche etwa Angst vor der Zukunft? Die Angst des gierigen Menschen könnte in seiner Furcht begründet sein, dass morgen nicht mehr genug für ihn da sein wird. Also hortet die Person Unmengen von Gut und Geld. Beschreibt die Gier einen Vorsorgewahn?

(Bild: rhulk)

Midas funktioniert nicht

Schon unsere Vorfahren haben sich schwer damit getan, dieses seltsame menschliche Verhalten zu erklären. Sie haben dann zu Geschichten wie der Sage vom König Midas gegriffen.
Der Mann konnte alles zu Gold verwandeln, was er anfasst. Er wurde unwahrscheinlich reich. Allerdings drohte er dabei auch zu verhungern, weil er keine Speise berühren konnte.
Gier zieht also in der Sage eine Strafe nach sich. Im alltäglichen Leben scheint das Midas Syndrom allerdings recht unschädlich an den Superreichen dieser Welt vorbeizugehen. Die Strafe aus der Sage greift nicht.

Die Todsünde

Kaum ein Mensch im christlichen Kulturkreis kann die 7 Todsünden auswendig aufsagen. Da muss die Kirche sich auch einmal an die Nase fassen und sich fragen, warum ihre Lehren nicht in den Charts des Alltags on top sind.

Die 7 Hauptlaster in der Kurzform (*):

  1. Hochmut
  2. Habgier
  3. Wollust
  4. Zorn
  5. Völlerei
  6. Neid und
  7. Faulheit

Das Thema dieses Textes ist die Nummer Zwei dieser Liste: die Habgier.

Wer eine Todsünde begeht, der kommt nach der christlichen Lehre in die Hölle. Scheinbar hat diese Art der kirchlichen Strafandrohung weitgehend ihre Wirkung verloren - jedenfalls in den Kreisen deren, die man als Außenstehender mit dem Begriff der Habgier in Verbindung bringen könnte.

(Bild: Alexas_Fotos)

Ein erstes Fazit zwischendurch. Zwei Gedankenansätze wurden bisher vorgestellt.
1. Gier als Ausdruck einer Angst vor zukünftigen Mangel.
2. Gier als Todsünde, deren Strafandrohung die Habgierigen oft nicht von ihrem Verhalten abhält.

Der ferne Osten

Die Buddhisten scheinen ganz liebe Menschen zu sein. Seitdem der Herr Dalai Lama auch bei uns öfter auftritt, möchten manche Europäer sich einen Zugang zu dieser fernen Geisteswelt verschaffen.
Der Buddhismus bezeichnet die Gier als ein "Geistesgift". Dieser Ausdruck wird in unserem Kulturkreis eher nicht verwendet. Die buddhistische Lehre zählt drei Geistesgifte auf. Sie bezeichnet deren Wirkungen auch als "Geistesverschmutzungen".
Das Wort kann unwillkürlich an den Begriff der Umweltverschmutzung erinnern. Dann bedeutet die Gier für den Menschen eine Art der inneren Verschmutzung.

(Bild: Rilsonav)

Schmutz ist schädlich. Gier schadet also dem Gierigen selbst. Nur weiß oder ahnt er dies vielleicht nicht. Oder er verdrängt dieses Wissen oder Ahnen.

Was kann ein Mensch, der seine Gier erkannt hat, dagegen tun? Kennen die Weisen aus dem Himalaya ein Gegengift?
Ja. Sie sagen, man soll großzügig und mildtätig sein.

Der Westen und die Gier

Warum verurteilt die katholische Kirche die Gier?
Habgier stört massiv den sozialen Frieden. Die einen darben, die anderen schwelgen im Überfluss. Es entsteht ein schädliches gesellschaftliches Spannungsfeld.

Welche Anweisungen gibt die katholische Kirche zur Überwindung der Gier?
Die Antwort ist für einen Laien nicht so leicht herauszufinden wie bei den asiatischen Nachbarn. Man liest von Charaktereigenschaften und von Dämonen. So tief will man aber in einer Dämonologie nicht nachgraben.

Wie kommt der Christenmensch zu einem "guten", gier-freien Charakter?
Über die "sieben Gaben des Heiligen Geistes"(*). Das liest sich kompliziert, und nicht jeder Gutwillige mag diese Liste kennen. Worum geht es? Um außerordentliche Fähigkeiten, die in jedem Menschen verankert sind, zum Beispiel Weisheit und Erkenntnis.

(Bild: PeteLinforth)

Auf diesem Bild betet die Figur um Geld. Bei den Gaben des heiligen Geistes ist es aber genau umgekehrt gemeint.

Man bittet ihn um Erkenntnis. Der Heilige Geist beruft dann den oder die Auserwählen zu sich, die mit einem Teil oder mit allen dieser sieben Gaben bedacht werden.

Mit dieser Erkenntnis versehen kann der Bekehrte durch Buße die Folgen seiner Gier neutralisieren.
Was ist Buße? Umkehr (*), Bedauern, anders handeln.
Diese Empfehlung hat wieder etwas Handfestes an sich. Der Gierige, der sein Fehlverhalten erkennt, er ändert sich. Er gibt den Anderen von seinem übermäßigen Reichtum einen angemessenen Teil ab und wird fortan in Maßen leben.

Mit diesen Empfehlungen kann auch der moderne Mensch etwas anfangen. Die Buddhisten empfehlen, mildtätig zu sein und einen Überfluss zu teilen. Das christliche Glaubensbekenntnis meint tendenziell das Gleiche und nennt es Buße und Mildtätigkeit.

Zwischenergebnis.

Die Gier wird also in unserem westlichen Kulturkreis als eine Todsünde bezeichnet, weil sie das gesellschaftliche Gleichgewicht empfindlich stört. Durch Umverteilung, sprich Mildtätigkeit, kann ein Ausgleich geschaffen werden. 

> Aber die Geschichte von der Gier und ihrer Überwindung ist noch nicht ganz zu Ende.

Neid. Upps, das habe ich nicht gewusst.

Promi gucken ist in. Man staunt, was diese Leute sich alles leisten können. Aber – Vorsicht.

(Bild: Ajale)

Wer dem Milliardär sein Schloss neidet, der ist auch nicht besser als der Habgierige. Gier und Neid sind zwei Seiten einer Medaille. Das hat man nicht unbedingt gewusst. Achte auf deine Gedanken, kann man dazu sagen.

Fazit. Was bleibt? Viel Raum zum Nachdenken.

Autor seit 2 Jahren
122 Seiten
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