Begriffsbestimmung

Ein zuverlässiger Mensch ist gern gesehen. Pünktlichkeit ist eine Eigenschaft, die in diese Kategorie von Zuverlässigkeit hineinpasst. Man kann sie definieren als die präzise Einhaltung eines Termins (*).
Pünktlichkeit ist damit grundsätzlich positiv besetzt – in unserem Kulturkreis.

Naturvölker und Industriekultur

Die Naturvölker kannten keine Uhr. Der moderne Mensch hat die Uhr erfunden - und jetzt hat er keine Zeit mehr. So lautet ein Bonmot, dass unsere Beziehung zum Faktor Zeit und zum Thema Pünktlichkeit charakterisieren könnte. Die zeitlose Lebensform der Naturvölker soll manchen Missionar an den Rand der Verzweiflung gebracht haben (*).
Auch regional herrschten in der Vergangenheit recht unterschiedliche Ansichten zur Pünktlichkeit vor. Noch heute erzählen sich Geschäftsleute die alten Geschichten von dem nachlässigen Umgang mancher südländischen Völker mit dem Terminkalender. Zehn Uhr a.m. soll in Südamerika auch "im Laufe des Vormittags" bedeutet haben, so liest man. Ob dies in weiten Bereichen immer noch so stimmt? Dies kann bezweifelt werden. Im Zuge der Globalisierung gibt es auch in südlichen Ländern die Anbindung der lokalen Betriebe an die internationale supply chain. Wer im internationalen Konzert mitspielen will, der kommt nicht mehr aus dem Termindruck heraus.

Die Langsamkeit

"Das Leben ist ein ruhig fließender Fluss". "Entschleunigt euch". Solche und ähnliche Slogans machen nicht nur in der postmodernen Gesellschaft die Runde. Zu allen Zeiten haben Lyriker die Vorzüge eines ruhigen und ausgeglichenen Lebens geschildert.
In den bäuerlich orientierten Gesellschaften vor der industriellen Revolution bestimmten die Jahreszeiten und der Lauf der Sonne die Geschwindigkeit der Aktivitäten. Eine Jahreszeit dauert in der Regel mehrere Monate. Pünktlich zu säen heißt demnach, die Frostperiode abzuwarten. Dies unterscheidet sich schon deutlich von einem präzisen Termin um eight o'clock. In diesem Zusammenhang spricht mancher heute auch vom "Diktat der Zeit".

Auf den Punkt gebracht

Gesellschaftliche Zwänge

Ohne Pünktlichkeit geht nichts mehr in der Industriegesellschaft. Der moderne Mensch hat ohnehin keine besondere Chance, um aus dem zeitlich geregelten Arbeitsleben auszuscheren. Computerisierte Vorgänge bestimmen unsere "Taktrate" in diesem Bereich, ohne nach den Bedürfnissen des ehemaligen Naturmenschen zu fragen.
Im privaten Bereich ist die Pünktlichkeit unverändert ein Thema der Höflichkeit. Wer wartet schon gern stundenlang an der Straßenecke auf seine Verabredung?

Der Ausgleich – ohne Zeitdruck leben

Wie kommt der Einzelne heraus aus dem Termindruck?
In beiden Welten zu leben, zum Beispiel:

  • Ein handyloses Wochenende einlegen
  • Der Spaziergang im Park
  • Den Fernseher abends ausschalten

In der Summe kann dies bedeuten: nichts tun, die Seele baumeln lassen und das Kontrastprogramm in der "Frei-Zeit" genießen. 

Fazit

Wer im modernen Leben mitspielen will, der muss sich an die Regeln halten. Bei uns zahlt sich die Pünktlichkeit, ganz offensichtlich im wirtschaftlichen Umfeld, aus.
Also: Zum Meeting pünktlich sein. Im privaten Bereich Auszeiten nehmen.
Es geht alles – zu seiner Zeit.

Autor seit 2 Jahren
181 Seiten
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