Wenn ein Jude sagt, er lebe nicht koscher ...

... dann hat er keine zweigeteilte Küche, in der alle (wirklich alle!) Geschirrteile doppelt vorhanden sind. Er hat dann keine zwei Kühlschränke und trennt seine Küchenbereiche nicht in 'Fleisch', 'Fisch' und 'Milch' auf (die Aufteilung ist sehr streng, ich bin hier ungenau).

Dennoch essen die meisten Juden kein Schweinefleisch. In Deutschland ist gerade dies extrem schwierig. Jeder Aufschnitt, jede Wurst ist entweder aus Schweinefleisch hergestellt oder aber damit gemischt (weil die Herstellung dann billiger ist, der Gewinn größer). Sogar in Produkten wie Kalbsleberwurst werden andere Fleischsorten mit untergemischt - selbst dann, wenn diese nicht ausgewiesen sind. Ich frage mich zudem immer wieder, wieso man Gulasch oder Hackfleisch von zwei völlig verschiedenen Tierarten mischt. Das ist total ekelig. Jedenfalls für mich. Für Christen wird es beim Nachdenken vielleicht auch ekelig, wenn man sich das Mischen der Hackfleischsorten einmal vor Augen hält.

Die Aussage, er lebe nicht koscher, bedeutet für einen Juden eben, dass er sich nicht an alle Gesetze hält. Es bedeutet gleichzeitig aber, dass er einige (vielleicht sogar viele) der koscheren Gesetze für sich einhält. Wie viele das sind, ist eine sehr private, intime Frage und Entscheidung.

Also, ein bisschen koscher geht nicht, dennoch gibt es eben Grenzen, an denen man sich dann doch für das Koschere entscheidet. Das oben Genannte sei bitte nur als ein Beispiel zu verstehen.

Wenn ein deutscher Christ sagt, er lebe teilweise koscher ...

... dann wird hier bereits der Unterschied deutlich. Eine koschere Küche hat der Christ in der Regel nicht und wenn, dann ist er bereits konvertiert und kein Christ mehr. Koscher leben sollten Christen und Juden gleichermaßen - eigentlich. Beide Religionen fußen doch auf den Gesetzen, die Moses vom Berg Sinai zu den Menschen brachte. Die 10 Gebote gelten für Juden wie für Christen. Alle Christen glauben sowohl an das Alte als auch an das Neue Testament. Dennoch sagt der Christ nicht 'Ich lebe nicht koscher', sondern er betont, er lebe 'teilweise koscher'. Er betont es. Warum?

Es ist in der vorwiegend christlichen westlichen Welt unüblich koscher zu leben. Es wird den Kindern in ihren christlichen Familien in Deutschland (ich kann nur für hier sprechen) heute gar nicht mehr überliefert oder beigebracht, dabei wäre es so einfach.

Der deutsche Christ sagt also, er lebe teilweise koscher und meint damit im Grunde das Gleiche wie der Jude, der sagt, er lebe nicht koscher. Ein bisschen koscher, wie es der deutsche Christ betont, geht irgendwie nicht, es wird vorausgesetzt, dass jeder wenigstens einige der koscheren Gesetze einhält. Warum hat der deutsche Christ das Bedürfnis zu betonen, dass er sich an einige der Regeln hält? Möchte er seine 'jüdische Seite' oder Religiosität betonen? Weltoffenheit demonstrieren? Sich solidarisch zeigen? Das wird sehr unterhaltsam, sobald man diesen Menschen dann auf den Zahn fühlt, mal nachhakt. Bitte, ich möchte niemanden bloßstellen, aber euch Leser zum Nachdenken bringen. Ein bisschen koscher geht also nicht, es ist aber empfehlenswert, genau das zu sein, wie ihr gleich, spätestens aber unten beim Punkt Ernährung, erfahren werdet....

Körperpflege - diese Regeln kennt ihr vielleicht

Koscher bedeutet 'einwandfrei' oder 'rein', wie bereits eingangs erwähnt. In der Ernährung bedeutet dies, dass man nur bestimmte Nahrungsmittel zu sich nimmt und auch nicht in allen Kombinationen zubereitet oder isst. Alle Regeln sind im Talmud nachzulesen. Doch es gibt auch koschere Produkte für die Körperpflege. Diese sind ausschließlich aus natürlichen Stoffen (keine künstlichen Zusatzstoffe und keine Konservierungsstoffe) hergestellt. Das leisten Natur- oder Bio-Produkte auch. In koscherer Kosmetik sind aber eben auch die Zutaten bereits koscher. Dies bedeutet, dass die Pflanzen, aus denen Kosmetika hergestellt werden, bereits ganz rein und natürlich gezüchtet wurden. Nicht gedüngt, nicht genmanipuliert, ohne Insektenvernichtungsmittel (Pestizide). DAS ist der feine Unterschied. Anders ausgedrückt: Es mag ja sein, dass die Creme oder das Rasierwasser ein reines Naturprodukt ist, doch wer garantiert, dass die Pflanzen der pflanzlichen Stoffe nicht genmanipuliert waren oder mit schädlichen Stoffen gedüngt wurden? Doch dies allein ist noch keine koschere Körperpflege. Es ist nur ein Teil davon, den einzuhalten empfehlenswert ist.

In Deutschland werden der Regeln zur koscheren Körperpflege übrigens auch von Christen eingehalten. Meine Ausführungen sind bewusst unvollständig, da ich auch in diesem Punkt nicht ausführlich alle Regeln anführen und erläutern kann (im Talmud sind über 600 Regeln). Ich versuche lieber, euch das Gefühl dafür, die Sensibilität für einige der Regeln, zu vermitteln. Es gibt nämlich Beispiele, die belegen, dass auch deutsche Christen einige der Regeln kennen und sie teilweise bis heute anwenden.

Der Talmud legt die Regeln fest

Rabbiner überprüfen eine KücheIm Talmud findet man alle Regeln für das jüdische Leben. Dies impliziert, dass der Talmud sehr lang und umfangreich ist, wie dieser Link für den Talmud in der deutschen Sprache belegt. Das gesamte jüdische Leben sollte koscher, im Sinne von 'geeignet', 'einwandfrei' und 'rein' sein. Dies kann theoretisch nur erreicht werden, wenn man alle Regeln des Talmuds befolgt. Doch da das nur schwer zu schaffen ist, weil es eben so viele Regeln sind und es auch im Judentum unterschiedliche Glaubensgruppen gibt, ist koscher dann doch nicht immer gleich ganz koscher - oder aber eine Auslegungssache. Auch wenn er den Talmud nicht komplett einhält, wird ihn ein Jude niemals komplett ablehnen, denn er ist das Herzstück der jüdischen Lebensweise.

Hauptsächlich beschränkt sich das koschere Leben der reformierten oder liberalen Juden in unserer Zeit, dem 21. Jahrhundert, auf die Bereiche der Ernährung und der Körperpflege. Dass männliche Juden beschnitten sind, gehört ganz selbstverständlich dazu. Ebenso die Reinlichkeit der menstruierenden Frauen, die währenddessen keinen Partnerkontakt (ich bin in der Wortwahl hier vorsichtig wegen der Suchmaschinen) haben sollten und diverse Tipps zur Körperpflege einhalten sollten.

Diese Regeln beinhalten beispielsweise auch, dass man während der Menstruation kein rohes Fleisch zubereiten oder bearbeiten sollte oder aber den direkten Körperkontakt beim Zubereiten von Speisen wenigstens durch Einmal-Handschuhe verhindert. 

Apropos Einmal-Handschuhe: Es ist völlig idiotisch, wenn diese Einmal-Handschuhe beim Bäcker, Fleischer und vom Zahnarzt getragen werden, dann damit aber auch das Geld entgegengenommen wird, die Körner auf der Arbeitsfläche weggewischt werden, der Arzt die Türklinke berührt oder Schränke damit öffnet (ohne die Handschuhe zu wechseln) etc. Neulich hat sich mein Zahnarzt zwar weggedreht, dann aber in die behandschuhte Hand geniest und wollte weitermachen. Ich musste ihn bitten, die Handschuhe zu wechseln. Manchmal fragt man sich wirklich... 

Dies kennt jede Frau

Doch zurück zu der Sache mit dem Fleisch... das ist euch bereits zu seltsam, zu streng?

Merkwürdig, denn ich wette, dass jede weibliche Leserin das Phänomen kennt, dass ihr Schmuck manchmal abfärbt und auf der Haut an Handgelenk, Finger oder Hals dunkelgraue Verfärbungen hinterlässt oder das Schmuckstück selbst dunkel anläuft. Diese Verfärbungen lassen sich nicht mit einem Taschentuch mal eben abwischen. Das Schmuckstück lässt sich nur mit einem Silberputztuch wieder blank bekommen. Woran liegt das?

Diese Abfärbungen treten am stärksten auf, wenn die Frau ins Schwitzen gerät. Dabei ist es egal, ob sie harte Gartenarbeit erledigt oder Sport treibt. Die Flecken auf der Haut lassen sich nur unter der Dusche bzw. durch gründliches Waschen entfernen. Was passiert da?

Kaum eine Frau ist sich bewusst, dass dies mit ihren Hormonen zusammenhängt. Der Hormonspiegel verändert sich vor und während der Menstruation. Die Haut ist ein Ausscheidungsorgan, wie wir alle wissen und so werden rund um die© paradisi.de Zeit der Menstruation andere Stoffe ausgeschieden als im restlichen Monat - durch das Schwitzen natürlich umso mehr. Die Kombination mit dem Metall verursacht jene Verfärbungen. Ohne die Anstrengung tauchen die Abfärbungen eher selten auf.

Darum gibt es Regeln für die Zeit der Regel

Das kennt ihr. Warum also ist es euch nicht logisch, dass sich dies auch auf die Dinge auswirkt, die ihr in dieser Zeit sonst berührt, insbesondere auf die Lebensmittel? Meine Mutter hat mich diese Regeln gelehrt. Außerdem war es Frauen, die in einer Fleischerei arbeiteten, früher (bis in 1980er Jahre) auch hier in Deutschland untersagt, während ihrer Menstruation direkt mit dem Produkt zu tun zu haben. Sie arbeiteten dann nicht in der Bedienung an der Fleischtheke, sondern erledigten andere, vielleicht administrative, Aufgaben. Heute wird das mit den o.g. Handschuhen umgangen oder nicht mehr praktiziert. 

Außerdem halten sich viele Frauen an die Regel, während der Regel keinen 'Kontakt zum Partner' zu haben. Das hat diverse Gründe, aber es ist eben auch 'koscher'. Bis heute reagieren viele Frauen schockiert darauf, dass manche Paare sich nicht daran halten - ich finde, dass dies eine sehr private und intime Entscheidung ist. Ganz besonders deutlich wurde mir dieses Entsetzen (das ich für vorgetäuscht halte) in den Reaktionen auf die entsprechende Szene in dem Buch 'Shades Of Grey'. Die koschere Verhaltensregel dient lediglich dem Schutz der Frau, die sich dann verstärkt dem Gefühlschaos und ihrem Körper widmen und sich erholen kann. Der Körperkontakt wird damit nicht verteufelt. Ganz im Gegenteil, denn die Vorfreude wächst dabei ja.

Ein anderes Beispiel: Es war bis in die 1980er Jahre üblich, dass Mädchen während ihrer Menstruation vom Sportunterricht befreit waren. Dazu wurde ein Heftchen geführt, in dem die Mutter nur das Datum mit ihrer Unterschrift bestätigte. Die Sportlehrer hatten dies zu respektieren. In gemischten Klassen war das peinlich. Wer besonders 'fortschrittliche' Sportlehrerinnen und Klassenkameradinnen hatte, wurde zudem manchem Spott ausgesetzt: 'Weißt du nicht was Tampons sind?' Diesen Spöttern hatte niemand erklärt, dass es nicht auf die Wahl der Hilfsmittel ankam, die alle benutzen. Das Aussetzen beim Sport bedeutet doch viel mehr, den eigenen Körper zu respektieren und ihm Zeit zu geben, sich im wahrsten Sinne des Wortes zu regenerieren. Nichts anderes findet nämlich in diesen Tagen im weiblichen Körper statt.

Koschere Körperpflege dient der Gesundheit

Es gibt noch diverse andere Regeln, doch ich hoffe, ihr erkennt, dass 'koscher' euch überhaupt nicht fremd ist und ihr es einfach nur wieder etwas mehr leben, praktizieren oder ausprobieren müsst. Da ist nichts mystisch oder seltsam. Im Gegenteil es ist für alle Menschen 'geeignet', einwandfrei und rein ('koscher' eben) zu leben und einige Regeln oder Rituale einzuhalten. Einige dieser Rituale erklärt die Webseite der Destille in Görlitz, einem heutigen Restaurant, in dessen Gemäuer sich früher ein Jüdisches Bad, eine Mikwe oder Mikwa, befand. Auch der Zentralrat der Juden erklärt, wie wichtig die koschere Körperpflege ist.

Selbst wenn ihr die koscheren Regeln sonst nicht mögt, ein bisschen koscher geht eben doch - ihr müsst es aber nicht gleich betonen. Es ist doch eine private, intime, persönliche Entscheidung. Achtet einfach bewusster im Alltag auf euch und auf all die Dinge, die ich oben beschrieben habt. Ihr werdet eure Einstellung und euer Verhalten automatisch verändern und das ist gut so, denn es schärft das Bewusstsein für den eigenen Körper.

Ernährung - der Trend ist lieber koscher...

Wer sich komplett koscher ernähren möchte, der muss sich - nach den Regeln des Talmud - auch an die doppelte Küchenausrüstung halten. Eine einfache Beschreibung der Grundsatzregel dafür könnt ihr hier online nachlesen. 

Wenn, dann alles...

Es sind nicht nur Fleisch oder Milchprodukte koscher oder nicht koscher. Es betrifft alle Lebensmittel. Leider wird dies in den meisten Internetartikeln nicht ausgeführt. So muss dann auch das Brot koscher sein, die Zutaten dafür ebenso wie alle Getränke und Konserven, Obst und Gemüsesorten - eben alle Lebensmittel. Einige Speisevorschriften sind auf dieser Webseite erläutert.

Diese Produkte sind euch allen vertraut

Coca-Cola gilt als koscheres Getränk. Das Rezept für die perfekte Coke ist bis heute geheim, doch das Zertifikat 'koscher' zu sein, soll es erhalten haben. Kein Wunder, dass die arabische Welt die gute alte Coke für ein jüdisches Produkt hält - was natürlich Unsinn ist. John Stith Pemberton heißt der Apotheker, der die Coke erfunden hat. Er wurde 1831 in den U.S.A geboren und war der Überlieferung und seinem Namen nach zu urteilen nicht jüdisch.

Matzen oder Matze, ein jüdisches Fladenbrot, das ihr in jedem Supermarkt kaufen könnt, ist übrigens nicht automatisch koscher. Schon gar nicht ohne das Zertifikat. Matzen ist ein ungesäuertes Brot. Das bedeutet, es wurde ohne Hefe oder andere Backtriebmittel hergestellt. In der Regel aus Mehl und Wasser. Doch solange die Zutaten, also das Wasser und das Mehl, nicht koscher sind, ist das hiesige Matzen eben auch nicht koscher. Ein Rezept für Matzen mit Anleitung zum Backen gibt es unter diesem Link.

Was macht koschere Lebensmittel aus?

Challah - das Schabbatbrot © allrecipes.comKoscher bedeutet: Jegliche Lebensmittel werden in ihrer Herstellung vom Anbau bis zur Ernte und schließlich bis zur Verarbeitung von dafür zugelassenen Rabbinern kontrolliert. Das heißt, es wird kontrolliert, dass die Tiere nur koschere Pflanzen fressen und keine Zusatzstoffe erhalten. Selbst wie bei Krankheit/Verletzung (und ggf. notwendigen Medikamenten) mit den Tieren umzugehen ist, wird mit dem Rabbiner abgestimmt. Antibiotika retten leben, doch dann ist das Tier eben nicht ganz gesund und - jedenfalls mindestens für die Zeit der Einnahme bis zum Abbau der Giftstoffe in seinem Körper - nicht mehr koscher. Auch bei Landwirten, die Obst, Gemüse- und Getreideanbau betreiben, wird der Rabbiner dies von der Bodenbehandlung über die Aussaat und Düngung bis hin zur Ernte kontrollieren - und die Ernte dann erst als koscher freigeben bzw. das Zertifikat verleihen. Die Kontrollen sind strenger, häufiger und regelmäßiger als beim Zertifikat 'Bio'.

Somit gibt es eben nicht nur koscheres Fleisch, dessen Verarbeitung beim Fleischer übrigens auch unter Aufsicht und Kontrolle des Rabbiners erfolgen muss, sondern auch koschere Backwaren und andere Produkte.

Um z.B. in einer Bäckerei koschere Backwaren anbieten zu können, muss der Bäcker seinen gesamten Betrieb auf koschere Produktion umstellen und sämtliche Geräte und Utensilien nach den Kaschrut-Gesetzen reinigen. Ein bisschen koscher geht hier nicht. 

Wie kann man in Deutschland koscher leben?

Wie kommt man in Deutschland an koschere Lebensmittel? Ganz einfach: Es gibt nicht nur koschere Geschäfte, sondern diese sind meistens auch online Händler. Sie sitzen hauptsächlich in Berlin, Frankfurt/Main, Köln und in München, denn dort sind die größten jüdischen Gemeinden in Deutschland. Wenn ihr euch also nicht in die Geschäfte traut, dann bestellt einfach online. Selbst Amazon bietet koschere Produkte an - natürlich über die Händler.

Warum ist koscher besser als bio?

Warum ist koscher gut? Weil die Kontrollen der Lebensmittel sehr streng sind und seit Jahrtausenden bestehen. Sie wurden und werden nicht geändert. Koschere Regeln sind viel strenger, aber eindeutiger und klarer als die EU-Auflagen, die inzwischen oft widersprüchlich erscheinen (ich bin vorsichtig in meiner Ausdruckswahl, weil ich die einzelnen Gesetze und Verordnungen nicht ausreichend kenne). Selbst die Vorschriften für Lebensmittel in den U.S.A. sollen in einigen Fällen strenger sein als die europäischen (dafür finden einige europäischen Kriterien dort gar keine Berücksichtigung). Ich erwähne dies, weil es in Deutschland - und wohl auch in Frankreich - einen Trend zu beobachten gibt: Landwirte, Fleischer, Bäcker Restaurant- und Kaffeehausbesitzer entscheiden sich plötzlich gegen 'bio' und für 'koscher'. 

Der Grund ist ganz einfach. Koscher ist strenger als 'Bio' und keinen permanenten Gesetzesänderungen und neuen Vorschriften unterworfen. Kein Mensch kann die Kaschrut-Gesetze ändern. Sie sind von Gott vorgegeben und bestehen seitdem. Ein bisschen koscher gibt es nicht und koscher kann auch - hier im doppelten Sinne - nicht gesteigert werden, indem beispielsweise die EU sich zusätzliche Auflagen ausdenkt. Die Regeln bestehen seit über 5,000 Jahren. Das bedeutet, wer sich einmal für die koschere Produktion entschieden hat, wird von Rabbinern geprüft, regelmäßig beobachtet und darf seine Produkte dann mit Zertifikat als koscher anbieten, wird aber auch (ich glaube täglich) kontrolliert. Ein Rabbiner wird euch dies viel besser erklären können. Fragt einfach in einer jüdischen Gemeinde in eurer Nähe nach, falls ihr Lebensmittel herstellt und Interesse habt.

Alle Bio-Produktionen hingegen haben, wie wir alle wissen, jede Menge Schlupflöcher und es gibt - trotz 'Bio' Zertifikat regelmäßige Horrormeldungen von Seuchen, Pest und Bakterien oder Salmonellen etc. Auch die Massentierhaltung und ähnliche Grausamkeiten sind - ich verweise auf den obigen Link zu den Speisevorschriften der Kaschrut-Gesetze - bei koscheren Fleischproduktionen ausgeschlossen. 

Einige Beispiele, die den Trend zu 'koscher' belegen

Ihr glaubt diesen Trend gibt es nicht? Eine koschere Bäckerei eröffnete in 2005 neu in Berlin-Charlottenburg und berichtete in einer Berliner Zeitung, dass ihre Kunden sowohl jüdisch als auch christlich seien und der Besucherstrom anhält. Auch in Hannover bestätigt sich der Trend. Koschere Milch kommt in Deutschland aus Rellingen. Im nächsten Link steht, dass auch Hotel- und Gastronomiebetriebe den Trend nutzen. Wer nun denkt, die koscheren Geschäfte, Bäcker, Fleischer, Landwirte seien alle neu, der irrt. Auch einige, natürlich wenige, Geschäfte mit alter Tradition existieren nach dem Kriegsende wieder. Ich hoffe, ich darf diesen Berliner Bäcker hier erwähnen, in anderen Städten kenne ich mich nicht so aus. Doch ist es nicht wundervoll, dass Deutschland ohne Juden und jüdische Traditionen nicht sein kann? Es hat lange gedauert, bis sich die ersten wieder getraut haben, jüdische Geschäfte zu eröffnen. Interessant finde ich aber, dass selbst die christlichen Deutschen (und jene ohne Konfession) in irgendeiner Weise jüdische Angewohnheiten übernommen haben - ohne sich dessen bewusst zu sein. 'Ein bisschen koscher' sind sie also alle. Es kann gern ein bisschen mehr werden - es täte uns allen gut!

Lili, am 12.01.2015
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Bildquelle:
Filmszene aus 'The Odd Couple' (Das letzte Bild ist wirklich wichtig - im Film)
© wegedesleben.info (Chanukka oder Hanukkah - das jüdische Lichterfest)
Der Davidstern - Petra Bork via pixelio (Deutsch-jüdische Fragen)

Autor seit 3 Jahren
30 Seiten
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