Sind wir ehrlich: auch um Spenden zu aquirieren greift man zu den psychologischen Mitteln der Werbung. Deshalb den Blick darauf gerichtet: "Wie und womit erhalte ich Aufmerksamkeit und Spendengeld?"

Werbung - mit den richtigen Mitteln

"Nehmen! Sie! Mich!"

Müssen Spendenwerber für sich selbst Reklame machen wie für einen neuen Joghurt? "Aufdringliche Selbstvermarktung aktiviert den Fremdschäm-Reflex bei Personalchefs. Vertrauen gewinnt man so nicht", warnte Gerhard Winkler bei Spiegel Online in einem Artikel über Bewerbungen und Karriere.

  • Was für einen Bewerber auf einen freien Job zutrifft, trifft auch genauso zu, wenn es sich um Aufrufe von Organisationen zu Spenden für karitative Zwecke handelt. Wem ist es noch nicht negativ aufgefallen, wenn er zum wiederholten Mal minderwertige Werbegeschenke in Aufrufen zu Spenden ungefragt erhält? Fundraising mal unter der Lupe.

Die Notwendigkeit von privaten Spenden für karitative Vereine

Karitative Organisationen oder Non-Profit-Organisationen, die sich für humanitäre Hillfe oder Tier-, Umwelt-, oder Artenschutz einsetzen, sie alle haben etwas gemeinsam: Sie benötigen Spendengelder, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Als Non-Profit-Organisation (NPO) oder gemeinnützige Organisation bezeichnet man Organisationen, die ergänzend zu Staat und Markt bestimmte Zwecke (Förderung, Hilfe) wahrnehmen. Sie verfolgen keine wirtschaftlichen Gewinnziele, sondern dienen gemeinnützigen sozialen, kulturellen oder wissenschaftlichen Zielen.

Spenden! 160/365 (Bild: Skley / Flickr)

Informationen, Anreize oder Lockmittel: das passende Mittel für den Spender

Informationen, besonders in magazinähnlicher Form, mittels illustrierten Newslettern etwa, sind nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig, um den Spender zu informieren. Um ihm auch durch seine Hilfe ermöglichte Verbesserungen zu zeigen. Natürlich muss der Druck, wie auch das Porto dafür, aus den einfließenden Spenden finanziert werden. Niemand wird diesen Usus anprangern. "Erfolgreich Vertrauen einwerben. Bewerber kommen gut an, wenn sie ihre Erfolge, ihre Leistungen, ihre Erfahrung, ihr Können und ihren Leistungsanspruch ohne jegliches schmückende Beiwerk vermitteln. Bauen Sie in Ihrer Argumentation ganz auf das bislang schon Erreichte und Geleistete." Rät auch Gerhard Winkler in seinem Artikel zu Recht. Was für einen Arbeitnehmer gilt, gilt erst recht für einen karitativen Verein. Er muss dem möglichen Spender Vertrauen einflößen, den richtigen Weg zu wissen, wie man Not beseitigen kann.

(Bild: 777546 / Pixabay)

Test in Sache Spendenaufrufe:

Eine Zusammenfassung an Werbegeschenken aus einem einzigen Monat beinhaltet:

  • eine mit Werbedruck versehene billige Tasche,
  • einen Rosenkranz aus Plastik,
  • wiederholt Billets, Billets und wieder Billets,
  • diverse Kugelschreiber, die kaum eine Woche halten
  • Bleistifte, Holzmalstifte von billigster Qualität
  • Notizblöcke,
  • ein im Karton versendeter Medikamentenspender,
  • ein Kettchen mit Aufdruck,
  • ein im Karton versendeter Teddybär und so weiter.

Was soll das dem potentiellen Spender vermitteln?

Vertrauen in das Know-how der Organisation? Vertrauen in das sinnvolle Verwenden der Spendengelder? Mir vermittelt es eher die Unverhältnismäßigkeit der aufgezwungenen Werbegeschenke.

 

 

Billig-Kugelschreiber, plüschige Billigware - Wen soll das anwerben?

Menschen, die gern und aus freien Stücken, weil sie ein Thema als sinnvoll erachten, in ihre Brieftasche greifen, wollen auch ihr gespendetes Geld sinnvoll eingesetzt wissen.

  • Sie kann man mit eindringlicher Information ins Boot holen.
  • Sie spenden, weil sie es als Investition in eine bessere Zukunft erachten, einem Kind in Afrika zu besserer Schulbildung zu verhelfen.

Sie spenden aber nicht, weil ein schlecht schreibender Kugelschreiber dem Spendenaufruf beiliegt. Wer spendet für kranke Kinder, weil ein eindeutig billigster Plüschbär einem kartonierten Brief beiliegt?

Viele Menschen werden durch diese Machenschaften eher abgestoßen, weil sie ihr Geld in den falschen Topf fließen sehen.

Sinnvolles Verwalten der eingegangenen Spendengelder

Viele dieser Organisationen werden auch kontrolliert und mit einem speziellen Gütesiegel (Spendengütesiegel, DZI Spendensiegel) versehen, damit der Spender sicher sein kann, dass sein Geld sinnvoll und maßvoll verwendet wird. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen DZI und der Deutsche Spendenrat befassen sich in Deutschland mit dieser Überprüfung. Ob die Art an Werbung ebenfalls dabei untersucht wird oder nur das betreffende eingesetzte Budget ist nicht klar ersichtlich.

Auf diverse Nachfragen bei einigen dieser Organisationen wurde leider eher schwammig, wenn überhaupt dazu Stellung genommen.

Fazit

Es ist anzuprangern und dringend abzustellen, Werbegeschenke, ob minderwertig oder nicht, zu versenden.

Ihr Sinn, nämlich den Spender anzulocken, steht in keinem Verhältnis zu dem Wert, den es kostet, sie zu erzeugen und zu versenden. Fremdschämen oder Verärgerung sind vielmehr die Reaktionen darauf. Stellen, die Spendengelder so offensichtlich falsch einsetzen sind zum raschen Umdenken aufgerufen.

Denn der Umkehrschluss: "Wenn die so achtlos mit meinem Spendengeld umgehen, wird es auch nie bei den echten Hilfsbedürftigen einlangen", drängt sich wirklich oft genug auf.

Vielleicht kann man den beratenden Werbefirmen, die solche Werbekampagnen für karitative Vereine ersinnen, endlich einmal die Augen öffnen:

"Alles was nach Reklame riecht, wird überlesen. Alles, was kein Argument ist, verklingt ungehört." Spiegel Online, Zitat Gerhard Winkler.

Aber alles, was den Empfänger von der Ernsthaftigkeit und der Sachkompetenz überzeugt, bringt Erfolg und Spendengelder.

Ein Umdenken bei den Werbemaßnahmen (Fundraising) von Non-Profit Organisationen wäre dringend nötig.

Quellen: eigene Recherche

Adele_Sansone, am 07.12.2015
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