Queen Victoria

Diese Frau hat fast ein Jahrhundert lang die damalige Welt politisch geprägt. Die Historiker nennen diese Periode das "Viktorianische Zeitalter".
Sie herrschte über das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Irland von 1837 bis 1901 und hat dieses Land zu ihrer Zeit zu einer mächtigen, globalen Ausdehnung geführt.

In diesem Sinne erwartet der Chronist eine ganze Reihe von Städten rund um den Globus, die sich an den Namen dieser Monarchin anlehnen sollten. Doch diese Suche verläuft wenig spektakulär.

Hongkong wurde, inoffiziell, bis zum Jahre 1900 als Victoria-City bezeichnet. Eine amtliche Benennung erfuhr die Stadt in dieser Form jedoch nie.
Dann ist die Suche auch schon beinahe am Ende angelangt.

Der Autor findet noch die Victoria-Fälle in Afrika und den Bundesstaat Victoria in Australien, aber bei Städtenamen ist das Ergebnis durchweg mangelhaft.

In Rumänien und auf der maltesischen Nebeninsel Gozo gibt es kleinere Orte mit diesem Namen.

Elisabeth

Vom frühen Mittelalter bis zur Neuzeit wurden in Europa etwa dreißig Kaiserinnen und Königinnen auf diesen Namen getauft.
Diese Zeitspanne bot damit ausreichend Gelegenheit Städte mit diesem Frauennamen zu ehren.

Von den bekannteren Städten auf dem Globus bleibt Port Elizabeth in Süd-Afrika die Ausnahme.

Mehrere Mittel- und Kleinstädte in den USA tragen noch diesen Namen in verschiedenen Schreibweisen. Keine der Groß- oder Weltstädte finden sich, die an eine gleichnamige Monarchin erinnern könnten.

Elizabeth City - ist ein Ort mit etwa 20.000 Einwohnern im US-Bundesstatt North Carolina.

Katharina

Die legendäre Zarin von Russland regierte im 18. Jahrhundert.

Die Stadt Jekaterinburg im Ural leitet tatsächlich ihren Namen gleich von zwei berühmten Frauen ab, nämlich von einer vorhergehenden Kaiserin mit gleichem Namen und von der Hl. Katharina, der Schutzpatronin der Bergarbeiter.

Katharinenberg ist seinerseits der Ortsteil der Gemeinde Südeichsfeld in Thüringen.

Die Antike

In der neueren Geschichtsschreibung wird der Autor in Bezug auf weibliche Städtenamen also nicht recht fündig. Er sucht nach Quellen in vorgeschichtlicher Zeit.

Olympia ist ein auch heute noch existierender Ort in Griechenland mit einer langen und bekannten Tradition.

Der Name bedeutet zwar "die Himmlische", er übersetzt sich laut Wikipedia jedoch schlicht als Hügel oder Berg. Es wurde dort in vorgeschichtlicher Zeit eine Göttin Ge verehrt, aber eine Überleitung zum Begriff der Olympia ist nicht ersichtlich.

Dann findet man den Namen Olympia noch für die Hauptstadt des Bundesstaates Washington.

Die Amerikaner ehren die Frauen mehr

Überhaupt sind die US-Amerikaner scheinbar großzügiger in der Namensvergabe mit PatronInnen als der Rest der Welt.

Wir finden Frauennamen noch in Atlanta/ Georgia, Augusta/ Maine und Helena/ Montana sowie vereinzelte Städte und Orte mit der Schreibweise Elisabeth oder Elizabeth.
Großstädte wie New York, Los Angeles und Chicago haben sich bei der Namenstaufe allerdings anders entschieden.

Weitere Versuche

Ist Johanna von Orleans die Namensgeberin für Orleans und New Orleans?
Weit gefehlt. Der Name führt zu einem römischen Kaiser Aurelius, von dem über Aurelium dann nach Orleans übergeleitet wurde.

Alexandria – wurde nach Alexander dem Großen benannt.

Europa. Ein Kontinent wurde nach einer mythischen Frauengestalt benannt, immerhin.

Kontinente und ferne Sterne

Es kommt Hoffnung auf.
Sind vielleicht die Namen der Kontinente mit berühmten Frauen verbunden?

Afrika? Nein, der Wortstamm soll sonnig oder nicht-kalt bedeuten.
Asia? Der Wortgrund hat einen ähnlichen Hintergrund, nämlich Sonnenaufgang.
Australia? Die Bezeichnung leitet sich vom lateinischen terra australis her. Dies bedeutet "südliches Land".
Amerika? Der Doppelkontinent bezieht seinen Namen nach Amerigo Vespucci, dem Entdecker der Amazonas-Mündung.

Astronomen bezeichnen allerdings ferne Sterne und Asteroiden gern mit Frauennamen.

 

Man merkt es schon: It's a man's, man's world – besonders, wenn es um Städtenamen geht.

Kampf um Anerkennung

Die gleichberechtigte Position der Frau hat, gemessen an der Ehrung über Städtenamen, in den letzten 2500 Jahren unübersehbar an Boden verloren.

Nicht alle Frauen geben sich damit zufrieden.
In der Münchener Ruhmeshalle sind die Büsten von etwa einhundert Persönlichkeiten aus der Geschichte Bayern aufgestellt, in der überwiegenden Mehrzahl von Männern.
Wikipedia gibt die Geschichte einer Münchener Studentin wieder, die im Jahr 2006 heimlich ihre eigene Büste dazugestellt hat. Der Spaß wurde entdeckt, und die Büste wurde entfernt. Später soll die Studentin dann ihr Kunstwerk zurückerhalten haben.

Gedanken über die Gleichstellung und eine Umsetzung

Auf einen modernen Menschen wirkt die Praxis der Namensvergabe für Städte in der bisher geübten Form, nach einigem Nachdenken, doch sehr anakronistisch. Durch Schule, Studium und Beruf sind viele Zeitgenossenen in einem Bewusstsein von gleichberechtigten Geschlechtern aufgewachsen.
Daraus entsteht der Gedanke, dieses Bewusstsein in dem angesprochenen Lebensbereich ernsthaft und sinnvoll umzusetzen. Wie geht man nun vor?

Bestehende Städte umzutaufen dürfte auf erhebliche organisatorische Schwierigkeiten stoßen.
Bei der Neugründung von Städten auf dem Globus, zu Land oder als "Aqua Cities", ergeben sich Möglichkeiten, verdiente Frauen anteilig zu ehren.

Symbolische Darstellung einer "Aqua ...

Symbolische Darstellung einer "Aqua City" (Bild: tpsdave / pixabay.com)

Freidenker im All

Wir sind auf dem Sprung in die Kolonisierung des Weltraumes.
In absehbarer Zeit werden möglicherweise auf dem Mond, der Frau Luna, und ganz sicher auf dem Mars erste Kolonien entstehen. "Die" Galaxis bietet unendliche Möglichkeiten, die Ungleichheit bei der terranischen Namensvergabe mehr als wettzumachen.

Kreative Männer und Frauen können sich für die Emanzipation bei der Vergabe von Städtenamen bei der zukünftigen Kolonisierung sehr viel einfallen lassen.

Die Tafel auf der Sonde Pioneer zeigt bereits Mann und Frau gleichberechtigt nebeneinander.

Ein erster "universaler" Ansatz im Nach-denken ist also bereits getan.

Nicht nur eine Frage der Ehre

Die Untersuchung von Städtenamen bedeutet anfangs nicht mehr, als den interessanter Stoff für einen kurzweiligen Artikel zusammenzutragen. Und das Verhältnis von männlichen zu weiblichen Städtenamen ist an sich kein Thema, das aktuell die Welt bewegt.
Die Feststellung, dass Städtenamen eindeutig ein männlichem Übergewicht vorweisen, kann einen aufmerksamen Zeitgenossen dennoch nachdenklich machen. Warum?

Aus zwei Gründen: Ethik und Ratio.

Ethik: Fähigkeiten blockieren oder fördern

Die weitgehende Nichtberücksichtigung dieser Art von Ehrung für fünfzig Prozent der Mitglieder unserer Gesellschaft geschieht, letztlich, aufgrund von unterschiedlichen Chromosomenpaaren. Unterdrückung benachteiligt und hemmt den Menschen darin, seine Fähigkeiten und Talente vollständig auszuleben und in die Gemeinschaft einzubringen.

Im Umkehrschluss fördert eine ausgewogene, gelebte Sozialethik den Menschen und verbessert die optimale Funktion einer Gesellschaft.

Ratio: Wettbewerbsvorteile

Ohne eine Frau Curie verständen wir heute sehr viel weniger, oder zeitlich verzögert, von radioaktiven Substanzen und deren technischer Anwendung in Medizin, Geophysik und chemischer Analytik.

Und ohne Radionuklidbatterien, so liest man auf Wikipedia, käme die Menschheit noch nicht einmal in den Raum jenseits des Jupiter-Gürtels hinaus, weil dort die Strahlung unserer Sonne nicht mehr für den Betrieb von Solarbatterien in den Raumschiffantrieben ausreicht.

Ethik und Ratio. Kulturen, in denen Frauen sich anerkannt entwickeln dürfen, haben einen messbaren Wettbewerbsvorsprung.

Step-by-step

Bei zukünftigen Städtegründungen werden die Frauen über ihre Namen zunehmend geehrt werden - so lautet die provokante These dieses Beitrages.

Natürlich bewirken Namens-Taufen für Städte noch keine Gleichstellung der Geschlechter in der Gesellschaft. Allerdings sind wir damit auf einem richtigen Weg.

Bei der Benennung von tropischen Wirbelstürmen durch den "National Weather Service" sind die Namen seit 1953, männlich-weiblich alternierend, angeglichen worden.
Diese Entscheidung taugt auf den ersten Blick leicht zu einem Stammtisch-Thema.

Bei weiterem Nachdenken zeigt sich auch darin eine Veränderung in der männlichen Denkart - wenn man es dann so verstehen will.
Es gibt zahlreiche weitere gesellschaftliche Themen, die in diese Richtung gehen. Dieser Beitrag konzentriert sich auf das Thema der öffentlichen Ehrung durch Namensgebung.

Namen besitzen seit alters her eine innewohnende Kraft.
Mit der dargestellten Verwendung von Frauennamen baut die Gesellschaft einen weiteren Mosaikstein auf dem Weg zur Wieder-Anerkennung der weiblichen Wertigkeit, zum Nutzen aller Beteiligten - auch der Männer.

Email für dich

Mit der Umsetzung einer entsprechenden Geisteshaltung werden unsere Enkel (m/w) eines Tages ihre interstellaren eDates als gleichberechtigte Partner wahlweise in Adamville oder in Gaia City vereinbaren können. Ein schönes Bild.

Autor seit 2 Jahren
181 Seiten
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