Unser inneres Kind ist oft trotzig und fühlt sich missverstanden

Als Kinder hatten wir alle eine wunderbare Begabung, die Welt mit eigenen Augen zu sehen, unbefangen und einfach. Wir malten sie uns schöner, wenn sie dunkel war und erschufen Fantasiegebilde, die die Realität ersetzten. Dadurch kamen sehr wunder- aber auch manchmal sonderbare Dinge zum Vorschein. Auf imaginären Pferden reiten, mit unsichtbaren Freunden spielen, Tee aus Tassen trinken, die eigentlich leer waren, Kuchen aus Sand backen und viele andere Dinge mehr.

Es war eine bunte, lebensfrohe Welt, die uns regelrecht dazu aufforderte, sie zu entdecken und auszukundschaften mit kindlicher Neugier und Unvoreingenommenheit.

Dieser kindliche Teil in uns existiert noch heute, dessen bin ich mir sicher. Keine Angst, es geht nicht um eine andere Person in uns selbst, sondern um unsere kindlichen Erinnerungen und Träume, die das Unterbewusstsein brav für uns abgespeichert hat.

Doch irgendwann wurden wir dazu angehalten, erwachsen und vernünftig zu werden. Fantasie hat oft keinen Platz in der Erwachsenenwelt – und mit dem Fehlen von Fantasie fehlt auch die Verbindung zu unserem inneren Kind. Es fühlt sich vernachlässigt und schmollt.

 

Nie durfte ich tun, was ich wollte

Wer vielleicht schon sehr früh in seiner Kindheit Verbote aufgedrückt bekam, die unverhältnismäßig streng waren, konnte nie seiner kindlichen Kreativität nachkommen. Die sogenannte Entfaltung kam zu kurz und wurde im Laufe der Jahre immer mehr verschüttet. Und doch rumort es in einem.

Das Kind in uns nervt immer wieder und es wird immer lauter werden, je mehr wir es zum Schweigen bringen wollen.

Deshalb sollten wir uns vielleicht mit dem Gedanken anfreunden, vorerst einmal im Monat, später dann mit etwas mehr Übung auch öfter, Kind sein zu dürfen. Ob mit 20, 40 oder 60 Jahren ist dabei vollkommen egal! Sonst haben wir mitunter auf ewig das Gefühl, nicht tun zu dürfen, was wir wollen und brauchen, um uns zu entfalten und glücklich und zufrieden mit uns selbst zu sein!

Große Augen machen und viele Fragen stellen

Noch immer herrscht in unserer engstirnigen Erwachsenenwelt das Dogma, nur dumme Menschen würden viele Fragen stellen, weil sie nicht verstanden haben, worum es geht. Aber hier wird uns unser inneres Kind sicher schon öfter schmerzhaft getreten haben, so dass wir Kopf- oder Bauchschmerzen davon bekamen oder einfach nur schlechte Laune.

Denn wer viele Fragen stellt, ist interessiert am Geschehen und will vor allem eines: die Welt begreifen lernen, manches aus einem anderen Blickwinkel sehen lernen und diskutieren dürfen, wenn etwas unklar ist. Wir Erwachsenen sind ja so furchtbar erhaben über die ganzen Geschehnisse um uns herum, dass wir vor lauter Angst oft keine Fragen stellen, denn es könnte ja peinlich werden. Es wäre nicht das erste Mal, das alle über einen Witz lachen, den keiner verstanden hat, nur um nicht aufzufallen.

Das kindliche Staunen über die verschiedenen Zusammenhänge im Leben ist uns auch schon längst abhanden gekommen. Wozu noch staunen, wenn wir doch schon allwissend sind? ;o)

Ich muss gestehen, ich staune noch recht häufig, aber ich bin auch so eine, die ständig Fragen stellt. Mein inneres Kind ist allgegenwärtig – Gott sei Dank – denn es macht mich um so viele Erfahrungen im Leben reicher, vor allem auf der Gefühlsebene. Aber nicht nur!

Lebe deinen Traum! -Versus- Das ist doch total unvernünftig!

Die große Frage ist nun, wenn es unser inneres Kind, unsere innere Stimme aus dem Bauch heraus ist, die uns so gern einmal etwas ganz Verrücktes tun lassen würde, etwas Riskantes, aber auch Spannendes; etwas, was das Leben erst richtig lebenswert macht und in uns eine Abenteuerlust auf alle Herausforderungen des Schicksals weckt, woher kommt dann diese andere Stimme, welche ständig zur Vorsicht, Einsicht, Nachsicht und manchmal "Ohne-Sicht" mahnt? Wer sagt ständig in uns, wir sollen schön an der Hand laufen und ja keinen Meter vom Weg abweichen? Wir sollen ja die Klappe halten, und nichts aussprechen, was wir später bereuen könnten? Schliesslich hat jedes Handeln auch immer eine Konsequenz?

 

Ich verrate es nicht, aber befragt doch selbst einmal euer eigenes inneres Kind – es antwortet ganz sicher!

Sport, Spiel und Spaß – und ganz viel Fantasie

Es wäre nicht das erste Mal, dass auf einem Spielplatz die Eltern mit ihren kleinen Sprösslingen im Sandkasten sitzen und dabei die schönsten Sandburgen bauen. Manch einer war schon so vertieft in sein Kunstwerk, dass er gar nicht merkte, wie sein Nachwuchs bereits etwas ganz anderes spielte.

Wir brauchen unsere Kinder, um selber wieder Kind sein zu können – natürlich unter dem Deckmantel, "nur" für und mit seinem Kind zu spielen.

Dabei kaufen wir so oft Spielzeug, dass wir zu gerne damals selbst gehabt hätten und drängen unsere Kinder in Richtungen, die mit ihnen selber sehr wenig zu tun haben.

Es wäre um so vieles einfacher, uns selbst wiederzufinden, herzlich lachen zu können, unbefangen und unvoreingenommen dem Umfeld gegenüber zu sein, wenn wir unser inneres Kind akzeptieren und pflegen – ja sogar dankbar sind, dass es uns zu unüberlegten Taten drängt, zu etwas mehr Risikofreude und nicht zuletzt zu viel mehr Fantasie und Kreativität.

Wer Spaß am Leben hat, über sich selber lachen kann, einem ausgeprägten Hobby nachgeht, die Seele baumeln lassen kann, ausgelassen und fröhlich ist – der hat sich selber gefunden.

Und alle anderen, die Dinge tun, welche so gar nicht glücklich machen und sich die Frage stellen, warum sie eigentlich jeden Tag wieder in diesem Endloskreislauf mitlaufen – denen rate ich ganz dringend zu einer Therapie der besonderen Art: Hin und wieder mal Kind sein zu dürfen!

 

Das befreit wirklich – ich habe es selbst ausprobiert und meine Tochter dankt es mir jeden Tag, wenn wir zusammen Schnecken beobachten, in Pfützen springen, Blumen, die nicht da sind, mit einer leeren Giesskanne gießen, Sandkuchen backen, Faxen machen, uns durchkitzeln und Verstecken spielen.

Autor seit 4 Jahren
3 Seiten
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