Die Geschichte von Mann und Frau

Mann Frau Liebe. Diese Gedankenverbindung bietet sich spontan an.
Regisseure wie Claude Lelouch haben in Filmen wie "Ein Mann und eine Frau" dieses Thema auch für Filmfreunde unsterblich gemacht.

Mann Frau Sünde. Kann denn Liebe Sünde sein?
Diese Frage haben sich schon Generationen vor der jetzigen gestellt. Liebe ist Hinwendung und gegenseitiges Geben und Nehmen. Dieser Begriff ist relativ verständlich zu definieren.

Aber was ist Sünde?
Mit einer Begriffsbestimmung tut sich der Durchschnittsbürger schon schwerer. Gedanken an die Sünde treten im Alltag aus Arbeit, Familie, Haushalt und Freizeit nicht auffallend häufig in Erscheinung.

Was sagt das Lexikon zur – Sünde?

Was ist Sünde?

Sünde ist ein Zustand, laut Wikipedia. Die Definition erstaunt dann doch auf den ersten Blick. Sünde könnte der moderne westliche Mensch eher als eine Handlung verstehen. "Ich tue dies und das, und damit begehe ich eine Sünde" – in dieser Form zeigt sich der Begriff der Sünde verständlich.

Aber Wikipedia besteht auf der Begriffsbestimmung eines Zustandes. Und zwar befindet sich der Sünder im Zustand des Getrenntseins. Hier kommt schon ein leises Ahnen von der Vertreibung aus dem Paradies auf. Trennung – Vertreibung, die Gedankenverbindung liegt nahe.

Von wem ist der Sünder getrennt? Von Gott, und zwar durch eine falsche Lebensweise des Menschen. In diesem Artikel soll keine Betrachtung des Gottesbegriffes angestellt werden. In diesem Beitrag geht es um Eva und die Schlange.

Was also haben Eva und Adam falsch gemacht, dass sie wegen eines Apfels aus dem Paradies, aus der Nähe zu einem angenommenen Gott, vertrieben wurden?

Warum ein Apfel?

"An apple a day keeps the doctor away". Dies ist ein bekanntes amerikanisches Sprichwort. Es will sagen, dass der regelmäßige Verzehr dieser Frucht die Gesundheit fördert. Stimmt das?

Mehrere wissenschaftliche Untersuchungen der Neuzeit sollen tatsächlich nachgewiesen haben, dass die Frucht Wirkstoffe, sogenannte Antioxidantien, enthält, die den Alterungsprozess der Zellen aufhalten.

Diese Fitmacher für unsere Zellen fördern die Beweglichkeit und die Fettverbrennung, und - man staune - die Lebenserwartung soll um bis zu zehn Prozent ansteigen.

Äpfel sind also gesund. Gott sollte sich doch freuen, wenn seine Geschöpfe sich gesund ernähren.

Warum werden die beiden armen Menschen dann wegen eines gesunden Stückes Obst vom paradiesischen Hof gescheucht? Diese Message des Alten Testaments gibt weiter Rätsel auf.

Möglicherweise muss man die Rolle der Schlange zuerst betrachten.

Das Symbol der Schlange in den Kulturen

In der christlichen Religionslehre wird die Schlange als das Symbol der Sünde verwendet.

Schlangen begegnen uns, wie eingangs gesagt, im Alltag sehr selten. Aus eigener Anschauung hat die Schlange daher keinen direkten Erlebniswert. Und das biblisch-religiöse Wahrzeichen des Bösen oder der Sünde erschließt sich nicht unmittelbar.

Der Autor muss daher im Internet einen biologischen Hintergrund und nach dem Symbolgehalt der Schlange bei verschiedenen Kulturen nachschlagen.

Biologische Einordnung der Schlange

Was trägt der biologische Unterbau zu diesem Thema bei?

Schlangen sind Schuppenkriechtiere. Sie stammen, stark verkürzt erklärt, von den Echsen ab. Echsen – Saurier? Hat die Geschichte mit Adam, Eva und der Schlange einen mythologischen Bezug zu diesen spannenden Erzählungen?

Schlangen haben einen relativ geringen Sexualdimorphismus. Dies bedeutet, dass sie sich in ihren sekundären Geschlechtsmerkmalen kaum unterscheiden. Ein Gedanke an Adam und Eva kommt auf. Allerdings erschließt sich noch nicht unmittelbar ein Bezug.

Tritt die Schlange etwa als neidvolle Betrachterin von zwei verschiedenen Geschlechtern auf?

Oder waren Menschen in früher Zeit Hermaphroditen, also zweigeschlechtliche Lebewesen?

Was teilt uns die Biologie noch zu diesem Thema mit?
Schlangenzähne kauen nicht, sie halten die Beute fest. Giftschlangen injizieren zudem das Gift über die Zähne in die Beute. Affenmenschen, in deren Unterordnung der Mensch aus biologischer Sicht gehört, haben dagegen auch ausgewiesene Mahlzähne.

Die biologischen Betrachtungen des Dimorphismus und der Schlangenzähne lösen das Rätsel um Adam und Eva allerdings im Moment auch noch nicht.

Die Regenbogenschlange der Aborigines

Sehr viel deutlicher werden die australischen Aborigines. Die Regenbogenschlange in ihren Mythen kann zweigeschlechtlich sein. Sie repräsentiert einen Fruchtbarkeitskult.

Die Schlange der Aborigines hat zwei Geschlechter. Adam und Eva repräsentieren zwei Geschlechter. Steht die biblische Schlange auch als ein Symbol für die Fruchtbarkeit des Ur-Menschen?

Die Regenbogenschlange kann sich auch selbst in den Schwanz beißen und somit einen Kreis bilden. Der Kreis steht als Symbol für die Wiedergeburt.

verschlungene Kreise a la Moebius (Bild: DasWortgewand / pixabay.com)

In Zusammenhang mit dem Symbol des Kreises kann die Schlange als Botschaft der Aborigines für ein angstfreies Leben gedeutet werden.

Da der Mensch immer wieder geboren wird, kann er sich ganz und ohne Sorge der Erfüllung der ihm zugeteilten Aufgaben in "dieser Runde" widmen. Wenn er seinen Job gut macht, dann kommt er in den nächsten Level. Das Computerspiel stellt sich unter diesem Gesichtspunkt dar als Parallele zum philosophischen Lebenszweck.

Die Regenbogenschlange macht in dieser Symbolik Mut – und sie macht die Aborigines sympathisch.

Jetzt fehlen allerdings noch die Rolle des Apfels in der Geschichte – und der Grund für die Vertreibung. Die Germanen haben eine Story dazu.

Nordländer, Kelten und Germanen

Schlangen spielen in allen Märchen, Legenden und Mythen aller Völker eine große Rolle.

Mythen haben immer ihren Ursprung in dem Wunsch des Menschen, die Entstehung der Welt zu begreifen und daraus den Sinn des eigenen Daseins zu ergründen.

Die Wissenschaft der Weltentstehung nennt sich Kosmogonie. Philosophen und Naturwissenschaftler, z.B. die Astronomen, erschaffen wissenschaftliche Erklärungsmodelle zur Entstehung der Welt.

Die nordischen Völker, Kelten und Germanen und andere, haben die Midgardschlange erdacht. Sie umspannt die Welt und wird als eine der drei Weltfeinde bezeichnet.
Weltfeinde sind Dämonen, "das Böse".

In einem finalen Weltenbrand kommt die Schlange an Land und versprüht Gift und Feuer. Die Luft und das Meer entzünden sich.

Thor erschlägt die Schlange mit einem Hammer, kommt aber bei diesem Kampf selbst ums Leben.

Thor
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Der Weltuntergang wird mitunter als Reinigungsvorgang nach einem vorhergehenden Ungleichgewicht gedeutet.

Menschen können gute und schlechte Gedanken haben. Schlechte Gedanken erschaffen die Dämonen. Wenn "das Böse" überwiegt, dann geraten die gesellschaftlichen Ordnungen in ein Ungleichgewicht. Die Menschen verhalten sich widernatürlich und stören die komplexen Ausgleichsprozesse. Es kommt zum großen Ausbruch, der schließlich wieder ein neues Gleichgewicht herstellt.

Die Schlange in der indischen Mythologie

Die hinduistische Weltanschauung wird in diesem Punkt – die Auswirkungen von guten und schlechten Gedanken der Menschen – noch deutlicher.

Der Schöpfergott Vishnu verwendet eine Schlange als Riemen, um mit dem Berg Meru den Milchozean zu verquirlen und daraus die Welt zu schaffen.

Der Ur-Ozean stellt den Urgrund der Welt dar – die unendliche Grundgesamtheit aller Möglichkeiten.
Hier tritt die Schlange als kosmische Energie auf, die die sichtbare Welt erschafft.
Das "Quirlen de Weltozeans" kann in seiner Bildersprache an die moderne Version der Balkenspiralen-Galaxie erinnern.

Die kosmische Kraft ruht nach indisch-vedischem Verständnis ebenfalls im menschlichen Körper.

Sie entwickelt sich bei sachgemäßer Behandlung (Yoga, Kobrahaltung u.a.) als Kundalini (Schlangen-Kraft) und versorgt den Menschen mit einer nahezu kosmischen Energie. Damit kann der Übende alles erschaffen, was er will. Er wird zum Gestalter seiner Welt.

Dazu entstehen im Menschen Gefühle immerwährender Freude und Seligkeit – Götterfunken. Flow.

Was bedeutet also die Geschichte von Eva, der Schlange und dem Sündenfall?

Die Schlange steht einmal für die Fruchtbarkeit des Menschen und die damit verbunden Möglichkeit, sich über seine Nachkommen genetisch "unsterblich" zu machen. Die Regenbogenschlange erzeugt sich immer wieder neu.

Gleichzeitig repräsentiert die Schlangenkraft eine "göttliche" Kraft, die im Menschen potenziell ruht und die ihn umgebende Welt kraftvoll gestalten lässt.

Diese biblische Geschichte kann somit als Freudenbotschaft und als Warnung aufgefasst werden.

Die Erde ist ein Paradies voller nahrhafter Früchte - materieller und ideeller. Der Mensch ist durch Selbst-Replikation in einer besonderen Art unsterblich (Regenbogenschlange). Dazu besitzt er kosmische Kräfte, mit denen er seine Welt gestalten kann (Kundalini-Schlange).

Allerdings können diese Kräfte ihn auch zum Missbrauch verführen.
Bei irrationalem Verhalten (Midgardschlange) schafft der Mensch auf die Dauer ein Ungleichgewicht. Er wird aus dem Paradies vertrieben, weil er durch die fortwährende Überbetonung des Intellekts irreparable Schäden am Paradiesgarten verursacht.

Dies ist aber auch nicht allzu schlimm. Dann kommt Shiva und quirlt den Milchozean wieder auf. Ein neues Paradies entsteht.

Es geht immer weiter.

 

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