Worum geht es?

Es ist ein Konzept, eine Idee. Diese Idee wurde von staatlicher Stelle geboren, um eine industrielle Hightech Strategie in Deutschland anzuschieben.
Die offizielle Definition des Begriffes "Industrie 4.0" erstreckt sich im Lexikon über mehrere Zeilen (*). So viel will der Nicht-Fachmann nicht unbedingt lesen. In der kondensierten Form kann man aus dem Begriff folgende Schwerpunkte herausschälen:

  • digitale Vernetzung
  • autonome Systeme
  • Fertigungstechnik und Logistik.

Bei diesem Entwurf geht es also um die Herstellungsverfahren der Zukunft in Deutschland. Und um die Logistik, denn was produziert wurde soll auch rasch und richtig den Verbraucher erreichen.

Ist die Idee so neu? Nein, die Amerikaner, so liest man, haben den Gedanken schon vor Jahren umgesetzt. Bei uns, so heißt es, ist man noch zögerlich oder vorsichtig mit einer umfassenden Einführung ( *).

Das macht stutzig. Warum geben wir nicht Gas und fahren den Konkurrenten im globalen Wettbewerb einfach davon? Schließlich genießt Deutschland den Ruf als primäre Heimat der Dichter und Denker. Warum das Zögern?
Man liest allerlei von IT-Sicherheitsbedenken, und auch zahlreiche andere Überlegungen sollen eine Rolle spielen. Andererseits gibt es wieder sehr starke Aktivitäten wie auf der CeBIT.
Das Thema erweist sich, nicht nur in diesem Punkt, als sehr umfangreich. Dieser Text soll als eine erste Orientierung dienen.

Was war Industrie 3.0?

Die 1. Industrielle Revolution begann um 1750 und wird gern mit der Erfindung der Spinnmaschine und der Dampfmaschine verbunden. Man nennt diese Epoche auch das "Maschinenzeitalter".

 

Das Fließband, und allgemein die Massenproduktion, kennzeichnen die zweite industrielle Revolution. Ihr Beginn wird um 1870 angesetzt.

Der Computer, sprich die Digitalisierung, brachte der Menschheit schließlich die dritte Phase der industriellen Entwicklung.

Nun hat man auch das "missing link" in den Release Ständen gefunden. Manchmal nimmt ein interessierter Bildungsbürger die zweite Phase nicht als eigenständige revolutionäre Epoche wahr.

Industrie 4.0. Was bringt es?

Viel digitale Technik. Vernetzung von computergesteuerten Maschinen, die direkt miteinander kommunizieren. Dies nennt sich "Maschine-zu-Maschine-Kommunikation". Der unbedarfte Verbraucher kann sich dieses Konzept an einem Beispiel vielleicht so vorstellen.

Der Käufer eines Neuwagens sucht sich im Autohaus einen Wagen mit Goldlackierung und schwarzer Stoßstange aus. Natürlich gibt es dieses Exemplar nicht in Großserie auf dem Fabrikhof. Der Auftrag geht über das Internet (oder ähnliche VPNs, virtuelle private Netze) an die Fabrik. Dort wird das Produkt, automatisch und autonom, also ohne wesentliche menschliche Einwirkung, zusammengesetzt und ausgeliefert. Man nennt diesen Vorgang eine Optimierung der Wertschöpfungskette bis hinunter zur Losgröße Eins (ein Stück) (*).

Schöne neue Welt. Beim Auto ist der Vorgang für einen Außenstehenden noch leicht verständlich. Bei individuell konstruierten Apparaten wird die Komplexität des Konzeptes schnell ersichtlich. Die Einzelteile, der Fertigungsvorgang und die zeitnahe Auslieferung müssen optimal aufeinander abgestimmt sein. Und dies oft über mehrere Länder oder Kontinente hinweg. Globalisierung im Fertigung- und Logistikbereich at its best.

Natürlich gibt es solche Abläufe schon heute. Neu an der Industrie 4.0 könnte, neben dem Grad der Vernetzung, die Zahl der autonomen Systeme sein. Man liest immer häufiger, dass Roboter und Automaten in weitaus höheren Zahlen als bisher in den Fabriken "beschäftigt" sei sollen.

Ich (nix) Robot

Überall sieht man jetzt die Bilder von freundlich aussehenden Maschinenmenschen, die alles besser und schneller können sollen als unsereins – inklusive Go spielen.
Ist das jetzt schon ein Vorgeschmack auf "Industrie 4.0" – oder hat die Zukunft noch mehr im Gefolge?

Bedeuten "autonome Systeme" gleich menschenleere Fabriken? Wenn ja, wohin mit den Menschen, die bisher, vor der Zeit von "Industrie 4.0", in den Werkhallen arbeiteten? Wo bleiben die Industrie-Arbeitsplätze der Zukunft? Dies ist die Frage, die sich mancher besorgte Bürger stellt.

Man stellt durch die Beschäftigung mit diesem Thema fest, dass diese autonomen Systeme nicht allein auf den Fabrik- und Logistikbereich beschränkt sind. Aber in dem Konzept der Industrie 4.0, so wie man dieses verstehen kann, wird die Zukunft der Arbeit überdeutlich dargestellt. 

Ein kluger Ansatz wäre eine forcierte Förderung der Bildungsansätze für die Generationen der Zukunft. Dann verbindet sich die industrielle Revolution der Phase 4.0 mit einer Bildungsrevolution.

Man darf gespannt sein.

Industrie 4.0 - Fühlen Sie sich von dem Thema angesprochen?
Autor seit 2 Jahren
181 Seiten
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