Am Anfang …

 

… war das Telefon.
Thomas Edison sprach ein deutliches "hello" in seinen "Klangschreiber". Und der Laut wurde auf die Folie des Phonographen aufgetragen. Graham Bell, der später gleichzeitig mit Edison das Telefon erfunden hatte, versuchte es mit "Ahoy". Edisons "hello" macht das Rennen.

Ahoy setzte sich nicht durch. Diesem Ausruf fehlte der Wow-Effekt. 

Interjektion nennt sich der Ausdruck in den Sprachwissenschaften. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen. Inter heißt zwischen und jacere steht für einwerfen. Eine Interjektion ist also ein sprachlicher Einwurf in einem Satz. Sie bezeichnet unter anderem einen Eindruck oder eine Empfindung; wie "hello" oder "wow".

(Bild: pruzi/ pixabay.com)

Very British

Edison ist also der Sprachschöpfer des hallo.
Beim Wow sieht es anders aus. Engländer oder Schotten sollen das Wow erfunden haben. Die letzten Spuren verlaufen sich im Dunkel der Sprachgeschichte.
In Deutschland wurde dieser Ausdruck eine Zeit lang bei meist jugendlichen Anwendern häufig gebraucht.

große Augen machen (Bild: ClkerfreeVectorImages/ pixabay.com)

Überraschung und Erstaunen werden mit den Wow ausgedrückt. Ah und Oh sind nicht mehr aktuell. Auch das Aha hat seinen Platz in dieser Kategorie verloren.
Wow ist von anderem Kaliber. Jugendliche haben schon immer ihren eigenen Sprachstil kreiert. Sie wollen sich damit von der Elterngeneration abheben und ihre Eigenständigkeit demonstrieren.

Allerdings ist der Ausdruck inzwischen in der Wirklichkeit der Erwachsenenwelt angekommen. Das Wort wird bereits im Duden aufgeführt. Die drei Buchstaben WOW stehen aktuell in den jugendlichen Gruppen für die Abkürzung des Titels eines sehr bekannten Computerspiels.
Jugendliche sind von abgenutzten Füllwörtern auch schnell "genervt". Sie wenden sich ab und erfinden neue Ausdrücke.

In der Presse wird allerdings der Ausdruck Wow-Effekt weiterhin benutzt, zum Beispiel bei der Bekanntgabe von Produktneuheiten. .

Deutsche Sprache …

Herausragende Leistungen können uns verblüffen. Wir quittieren solche Situationen mit Worten wie: "Also, das hätte ich nicht erwartet. Da schau einer an. Ja, das ist vielleicht eine Überraschung".

Neu. Andersartig. Genial. Etwas Besonderes. Die deutsche Sprache ist in der Beschreibung von Situationen der Überraschung nicht seht ausdrucksstark. Es verschlägt dem Deutschen dabei die Sprache - sie lautmalt nicht sehr kräftig.

Das britische Wow hat diese sprachliche Lücke ausgenutzt, oder die klobigen deutschen Ausdrücke überholt.

Auch vom Ausdruck her sind Worte wie "herrlich" oder "super" nicht sehr gut geeignet, um die Luft aus einem überraschten Körper herauszudrücken Die vorstehenden Worte sind zwei- oder mehrsilbig.
Presslaute wie das Wow, die aus einer einzigen Silbe bestehen, eignen sich mehr zur kraftvollen Artikulation.

Sell sell sell

Die derzeitige Welt wird gern als schnelllebig bezeichnet. Rascher Wandel drückt sich in Inhalten und Konventionen aus. Die Gewinner müssen ihre neuen Produkte und Services nicht nur korrekt am Markt platzieren – es muss auch schnell gehen.
Gerade im Hightech Sektor schmücken sich Unternehmen gern mit Attributen einer "leap-frog technology". Apps, Spiele, Filme, Smartphone Technologien – alles hat eine Halbwertzeit von nicht einmal einem Jahr.
Um am Markt schnell zu punkten muss der Anbieter den Käufer erstaunen – der Wow-Effekt ist geboren. Bildhaft gesprochen muss der Konsument mit offenem Mund vor dem Schaufenster stehen und mit den Lippen ein lautloses W-O-W formen. Neu ist gar nichts mehr. Mega muss der Artikel sein, Giga ist besser.

 

In der Regel ist die typische Oligopol-Landschaft der führenden Anbieter mehr oder weniger gleichmäßig über die Marktanteile verteilt. Also muss der Neueindringling den Umsatz "boosten", einen Nachbrenner zünden.

Und ein aufmerksamer Marktbeobachter nimmt dann auch zahlreiche Plakatfiguren mit offenen Mündern wahr. Hier soll das Bild eines überraschten Erst-Käufers die anderen Konsumenten animieren gleich zu ziehen. Der Letzte muss, wiederum mit offenem Mund, die Smartphone Neuheiten der anderen im Büro oder im Bistro bestaunen.


Bildquelle: Nemo/ pixabay.com

http://pixabay.com/de/smiley-gr%C3%BCn-wow-au%C3%9Ferirdischer-41627/

 

 

 

Mit dem vollzogenen Kauf gehört Käufer-2 dann auch zum inneren Kreis. Er ist anerkannt, Follower. Das Staunen schlägt in Überraschung um. "Oh, du hast jetzt auch das XY Produkt."
Wow bedeutet in seiner zweiten Bedeutung: Anerkennung.

Das WOW!-Signal

Ernsthafte Wissenschaftler haben oft eine eigene Art von Humor. Ein amerikanischer Astrophysiker empfing in den 1980er Jahren ein ungewöhnliches Radiosignal. Der Mann war sehr verblüfft und notierte das Wort "WOW" auf dem Druckstreifen der Messung. Dies stellt eine interessante, weil autonome sofortige Reaktion aus der Umgangssprache innerhalb einer wissenschaftlichen Auswertungsarbeit dar.
Es zeigt, wie sehr der Bürger bestimmte Ausdrücke aus dem Alltag sozusagen automatisch übernimmt.

What next?

Wow ist also ein Ausdruck dafür, dass den Betreffenden etwas beeindruckt hat. Wir lassen uns gern beeindrucken und in immer kürzeren Abständen. Die Industrie muss uns immer häufiger überraschen, weil die Neuheiten sich im gegenwärtigen Rhythmus der Innovationen schnell abschleifen.

Soziologen, Kulturkritiker und Wirtschaftswissenschaftler schlagen eine Umkehr im Denken vor.
Was kommt nach dem Wow-Effekt auf uns zu? Freiwilliger Verzicht und Einschränkung?
Oder die gute alte Zeit mit Muße und Langsamkeit?
Welche Interjektion wird diesen Lebensstil wohl kennzeichnen?

Textquellen: http://de.wikipedia.org/wiki/Wow

Bilderquelle: pixabay.com

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