Porta Nigra

Germany-5494 - Porta Nigra (Bild: archer10 (Dennis) REPOSTING / Flickr)

Spaziergang durch Trier

Tagestour durch Trier (Bild: Open Street Map)

Die Porta Nigra als Startpunkt

Unser Stadtspaziergang beginnt bei der Porta Nigra, dem Wahrzeichen von Trier.

Die unter den Trierern schlicht als Porta bezeichnete Porta Nigra ist das letzte noch aus der Römerzeit erhaltene Stadttor von Trier. Insgesamt gab es vier davon. Die Porta war ein Prestigeobjekt vom römischen Kaiser Mark Aurel und wurde im zweiten Jahrhundert erbaut. Aufgrund von finanziellen Engpässen wurde die Porta aber nie richtig fertig gestellt. Heute steht das Tor wahrscheinlich nur noch deshalb, weil sich der byzantinische Mönch Simeon in der Porta als Einsiedler einmauern ließ. Dafür wurde er heilig gesprochen und ihm zu Ehren, wurde die Porta als Kirche umgebaut. Als Kirche konnte das Sandsteingebäude das düstere Mittelalter überstehen. Für den heilig gesprochenen Simeon wurde mit dem Simeonstift außerdem ein Kloster direkt neben der Porta errichtet. Auf der Porta selbst kann man heute Aktionsführungen machen. Das ist toll wenn man Kinder dabei hat. Der als römischer Soldat verkleidete Stadtführer lässt das lautstarke Gefühl aufkommen, dass man mittendrin ist in der Römerzeit.

Wir gehen unter der Porta durch und schauen nach rechts. Dort geht es zum Brunnenhof und zum Stadtmuseum Simeonstift. Der Brunnenhof ist der ehemalige Hof des Klosters Simeonstift und das Stadtmuseum zeigt Kunst- und Kulturschätze von der frühen Neuzeit bis ins 20. Jahrhundert. Wer keine Lust auf Museum hat, kann im Brunnenhof in einem netten kleinen Café den ersten Wein des Tages probieren. Wir beginnen mit etwas Süßem, dem Maximin Grünhäuser Bruderberg Riesling aus Mertesdorf unweit von Trier. Prost, sehr lecker.

Durch die Fußgängerzone zum Dom

Trier hat eine wunderschöne Fußgängerzone. Im Vergleich zu vielen anderen Städten, findet sich hier und dort noch ein Geschäft, welches nicht zu einer der großen Ketten gehört. Zum Shoppen, werden Sie allerdings noch genügend Zeit haben, wenn wir mit unserem Spaziergang fertig sind.

Wenn wir aus dem Brunnenhof rausgehen, sehen sie schräg gegenüber einen "Euro-Shop". In diesem Haus wohnte einst Karl-Marx als Student. Das seine Studentenbude jetzt ein "Ein-Euro-Shop" ist, wird den Antikapitalisten sicher im Grabe rotieren lassen.

Wenn wir die Fußgängerzone etwa 80 Meter Richtung Hauptmarkt gegangen sind, folgt auf der linken Seite die vermeintlich nächste Sehenswürdigkeit. Das Dreikönigenhaus ist allerdings nicht viel mehr als ein mittelalterlicher Wohnturm aus dem 13. Jahrhundert. Sehr schön restauriert, wie ich finde.

Fast gegenüber liegt der Karstatt. Im Gewölbekeller aus dem 12. Jahrhundert befindet sich ein Restaurant, in dem wir eine kleine Stärkung zu uns nehmen: Trierer Flieten. Das sind frittierte Hähnchenflügel und typisch für Trier. Dazu gibt es einen Viez. Das ist der regionale Apfelwein. Der Name stammt von den Römern, bei denen Viez Wein zweiter Wahl war, da er etwas säuerlich schmeckt. Daher Vize Vinum = Viez. Beim Essen und trinken, können wir uns in der historischen Umgebung umschauen. Auf dem Dach des Karstatt finden wir die Trierer Skylounge, wo man im Sommer bei gutem Wetter noch einen Cocktail nachlegen kann und einen guten Blick über die Stadt hat.

Jetzt geht es weiter zum Hauptmarkt. Das sind nur etwa 250 Meter die Fußgängerzone entlang. Dort angekommen fallen die zahlreichen Häuser verschiedenster Stilepochen auf. Im Hintergrund ist der Turm von St.Gangolf zu sehen, der übrigens bis 2015 schief war. Der Gerüstbau, der bei den Begradigungen gemacht werden musste, gehörte zu einem der schwierigsten in ganz Rheinland-Pfalz, da die Kirche komplett umbaut ist. Der Turm war schief, weil einst der Teufel dagegen getreten hat. Mehr dazu in dem Kapitel zum Trierer Dom. Die wunderschöne Steipe auf der rechten Seite und den Petrusbrunnen in der Mitte sollten wir keinesfalls mit trockener Kehle betrachten. Gerade im Sommer und Herbst ist auf dem Hauptmarkt eigentlich immer irgendwo ein Weinstand aufgebaut. Da wir in einer Riesling Region sind, wählen wir auch wieder einen entsprechenden Wein aus. Ich empfehle einen trockenen Avelsbacher Hammerstein, direkt von der staatlichen Weinbaudomäne in Trier. Einfach köstlich.

Trierer Dom bei Nacht
Dom zu Trier

Dom zu Trier (Bild: dusi_bbg / Flickr)

Dom und Liebfrauenkirche

Wenn wir auf dem Hauptmarkt beim H&M nach links gehen kommen wir auf den beeindruckenden Trierer Dom zu. Ich persönlich finde ihn sogar sehenswerter als den Kölner Dom. Im Dom wird der Heilige Rock aufbewahrt, ein Gewand welches Fragmente von Jesus Tunika enthalten soll. Zu den unregelmäßig stattfinden Wallfahrten kommen hunderttausende Pilger nach Trier. Der Rock wird in einem Anbau des Doms aufbewahrt. Sehenswert ist auch der Kreuzgang und die direkt neben dem Dom stehende Liebfrauenkirche.

Auffallend ist die große Säule, die direkt vor dem Eingang des Doms liegt. Dies ist der sogenannte Domstein. Ein Gebäude wie den Trierer Dom zu bauen war seinerzeit unglaublich schwierig. Deshalb holte man sich den Teufel zur Hilfe. Der hatte aber keine Lust eine Kirche zu bauen und man erzählte ihm, dass es das größte Bordell der Welt werden sollte. Als dem Luzifer dann irgendwann der Schwindel aufging, schleuderte er die Säule gegen den Dom, ging über den Hauptmarkt und trat wütend gegen den Turm von St.Gangolf (der Grund wieso er schief war). Er war seitdem niemals mehr in Trier gesehen worden.

Übrigens kommt angeblich an der Orgel im Dom eine Teufelsfratze zum Vorschein, wenn der Organist eine bestimme Tastenkombination drückt.

Die Liebfrauenkirche lässt sich auch wunderbar von außen betrachten. Bei schönem Wetter ist es jetzt an der Zeit sich im wunderschönen Palais Kesselstatt nieder zu lassen. Eine wunderschöne Weinstube und empfehlenswert. Ich würde hier gleich zwei Gläser Wein trinken, bei einer Auswahl von über 70 verschiedenen Weinen, sollte dies sozusagen Pflichtlektüre sein. Der Wein ist regional, versteht sich von selbst. Für mich bitte den feinherben Graacher Domprobst. Dann noch ein leckeres, trockenes Piesporter Goldtröpfchen.

Zur Basilika, Palais, Landesmuseum und Palastgarten

Die Konstantinbasilika ist die nächste Station auf unserem Stadtrundgang. Dieser größte erhaltene freistehende Raum aus der Antike ist heute eine evangelische Kirche. Das Gebäude wurde bei den Römern als Audienzsaal benutzt. Von innen ist die Basilika heute recht schlicht gestaltet. Ein Blick hinein lohnt sich trotzdem.

Wenn man um die Basilika herum geht, kommt man zum kurfürstlichen Palais. Dies war im 17. und 18. Jahrhundert der Sitz der Trierer Erzbischöfe, die gleichzeitig Kurfürsten waren. Standesgemäß hat sich die rheinlandpfälzische Verwaltung hier niedergelassen und hat in dem Gebäude ihre Büros. Ganz nett für ein Bürohaus, wie ich finde.

Jetzt ist es nicht mehr weit zum rheinischen Landesmuseum. Interessierte sollten sich hier den römischen Goldmünzenschatz angucken, der 1993 bei Bauarbeiten zu einer Tiefgarage gefunden wurde. Überhaupt bietet das Landesmuseum für den archäologisch Interessierten sehr viel. Es ist eines der bedeutendsten Museen auf seinem Gebiet in ganz Deutschland. Neben dem Goldschatz, sind zahlreiche Exponate aus Bronze- und Römerzeit zu sehen. Auch das weltbekannte "Neumagener Weinschiff" ist hier ausgestellt.

Im Café Zeitsprung direkt am Landesmuseum sollte man sich jetzt mit einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen entspannen.

Im Palastgarten, dem angrenzenden großen Park, sind bei schönem Wetter immer viele junge Leute unterwegs, dort wird gegrillt oder Frisbee gespielt. Wir gehen an der alten Stadtmauer entlang, am Palastgarten vorbei zu den Kaiserthermen. Dies sind die wahrscheinlich größten römischen Badeanstalten nördlich der Alpen gewesen. Wenn noch Zeit ist, lohnt sich eine Führung. Ansonsten müssen ein paar Schnappschüsse über den Zaun und das Lesen der Informationstafeln reichen (Schande über mein Haupt).

Rüber zum Karl-Marx-Haus

Wir nähern uns der letzten Station unseres Spaziergangs durch Trier. Dazu gehen wir von den Kaiserthermen weg Richtung TUFA. Die TUFA, eine ehemalige Tuchfabrik, ist ein kulturelles Zentrum in Trier. Neben zahlreichen Theateraufführungen, gibt es meist auch eine Kunstausstellung mit jungen regionalen Künstlern zu begutachten. Abends finden manchmal Konzerte oder Tanzveranstaltungen im Saal der TUFA statt. Wer möchte kann im Biergarten seinen Durst stillen, alle anderen gehen weiter Richtung Viehmarkt.

Auf dem Viehmarkt fällt der große Glaskasten sofort auf. Als man 1987 eine Tiefgarage bauen wollte, stieß man auf die Ruinen einer römischen Thermenanlage. Die Tiefgarage musste einige Meter versetzt gebaut werden, die Thermenanlage hat man überdacht und für die Nachwelt erhalten. Auf dem Viehmarkt gibt es wieder viele kleine Kneipen und Cafés. Der Platz ist ein beliebter Treffpunkt bei jungen Leuten, die hier gerne die Sonne genießen. Auf dem Viehmarkt ist oft auch eine Kirmes aufgebaut und es ist ein zentraler Treffpunkt, wenn im August die Rallye Weltmeisterschaft Station in Trier macht. Suchen wir uns eine nette Kneipe aus und trinken diesmal ein Bier zusammen.

Wenn sie jetzt noch nüchtern sind haben sie etwas falsch gemacht, allerdings werden sie dann keine Probleme haben ins Karl-Marx-Haus zu kommen, welches nun nicht mehr weit entfernt ist. Der Denker und Philosoph Marx wurde hier geboren. Heute ist sein Elternhaus ein Museum und zieht in erster Linie chinesische Touristen an. Wer hier noch reingelassen wird, kann sich die Ausstellung gerne anschauen. Ich verabschiede mich schon mal.

Ich hoffe, dass Ihnen meine kleine Stadtführung gefallen hat - wir sehen uns bald wieder. Auf Wiedersehen.

 

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