Zur Vorgehensweise.

Wie lautet der erste Satz, den Du über Kunst in einem Kunstbuch liest?
Dass viele kluge Menschen schon versucht haben, den Begriff zu erklären und so weiter. Diese Sorte von Kunstfuzzys entschuldigt sich schon mit ihrem ersten Satz für ihr Tun.
Was soll einer jetzt noch mit diesem Ein-Euro+ Schmöker anfangen? Solche Folianten sind schwer. Kaufen, nach Hause schleppen und vorteilhaft ins Regal stellen, das wäre eine Maßnahme. Oder anlesen.

Anlesen. Es werden zwei Gedankengänge untersucht.

1 Kann der Mensch zum Beispiel aus den Bildern alter Meister etwas lernen?
2 Comics und ihre Message.

Kunst als Dokumentation vergangener Zeiten

Damals war es. Damals, also zum Beispiel im Mittelalter, da ging es den meisten Menschen sehr schlecht. Man kennt das, es gab keinen Strom, keine Heizung, keine Autos und so weiter. Hier ist so ein Bild aus alten Zeiten.

(Bild: Prawny)

Ein Gefühl wie Dankbarkeit könnte aufkommen. Dankbarkeit wofür?

Ein Betrachter könnte beim Anblick dieses alten Bildes seine moderne Komfortzone neu schätzen lernen. Den zahllosen Erfindern sei Dank. Allerdings braucht man für diese Art der Betrachtung erst einmal einen Zugang, einen geübten Blick.
Dieser Gedankengang unterstützt den Wert des Faches "Kunst" auf den Schulen. Nur so kann der geschulte Betrachter später erst einmal auf die Idee kommen, im Ein-Euro Laden ein Kunstbuch zu entdecken. Dafür zu Beispiel ist Bildung gut. 

(Bild: kjhmicro)

Boiiing! Booom! Splaaash!

Comics – das Bilder-Buch. Comics sind einfach, denn jeder versteht die Handlung. Cartoons sind dann die Ausführungen in bewegter Form, sprich Trickfilme. Allerdings wird kein Mensch ernsthaft behaupten, dass Comics oder Cartoons das Verhalten seiner Leser oder der TV-Zuschauer im Alltag nachhaltig verändern wird. Man "platzt" eher heraus, wenn die Strichfiguren sich gegenseitig ihre Streiche spielen.

Kunst und Popkultur. Comics und Cartoons werden ernsthaft zur "bildenden Kunst" (*) gerechnet. Du findest dann auch tatsächlich Werke aus diesem Bereich in Büchern über Kunst aufgeführt. Sie werden dann in der Rubrik "Popkultur" gelistet. Selbst Friedrich Schiller soll ein Bilderbuch herausgebracht haben (*). Das versöhnt den Comic-Fan, denn Schiller ist wichtig.

Bilderhefte werden zurzeit anders eingeordnet als in der Vergangenheit. Das Ganze nennt sich heute "Grafisches Erzählen", und dieser Ausdruck erhebt das Genre auf ein diskussionsfähiges Level.

Bilderbücher erfüllen auch eine Lösungsfunktion. Aufgestaute und nicht ausgelebte Emotionen finden ein Ventil, wenn Kater Tom der Maus Jerry eine Bratpfanne auf den Kopf schlägt. Umgekehrt ist es noch besser. Dann kommt der Underdog endlich einmal zum Zuge in einer Situation, in der er sich im wirklichen Leben nicht so recht aus sich heraus traut.
Comics erlauben also auch ein gefahrloses Ausleben von Sehnsüchten und Konfliktsituationen. Comics sind nicht komisch.

Ein Zwischenstatus.

1 Alte Meister können uns an das gute Leben in der Gegenwart erinnern.
2 Comics sind auch eine Art von Kunst.

Man könnte jetzt noch die Darstellung der Alexanderschlacht von Albrecht Altdorfer in eine gedankliche Verbindung mit dem KI-gesteuerten Drohnenschwarm des US-Militärs setzen, von dem kürzlich berichtet wurde. Aber man muss es auch nicht übertreiben mit dem Kunstbuch aus dem Ein-Euro Laden.

Kunst verhunzt (?)

Diese alten Kalauer können nerven. Dennoch ein Blick in Wikipedia. Was heißt eigentlich verhunzt? Den Begriff gibt es dort nicht, aber Google weiß alles. Vermurksen, kaputt machen, verschandulieren.
Jetzt muss man tatsächlich noch einmal nachdenken, damit man die Kurve wieder kriegt.
Da will also ein Künstler mit seinem Werk (Bild, Comic) etwas aussagen, aber es hat nicht geklappt. Die Zuschauer haben die Botschaft nicht verstanden. Kunst verhunzt.

Wie war es bei diesem Buch? Also, wenn Du Dir einen alten Meister ansiehst, danach einen Comic und schließlich noch die Alexanderschlacht, dann können schon einige Gedanken hängenbleiben. Das Lesen war dann nicht ganz "umsonst".

Was haben die paar Euro also gebracht?

  1. Gedanken über die warme Wohnung.
  2. Die Idee, wieder einmal einen Tom und Jerry Clip anzusehen.
  3. Ein Buch vorteilhaft im Regal platziert.

(Bild: Unsplash)

Autor seit 2 Jahren
124 Seiten
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