Von wegen …

Deutschland bot zum Ende des zweiten Weltkrieges ein einziges Bild der Zerstörung. Das ist falsch.
Mehr als achtzig Prozent der Produktionskapazitäten waren intakt geblieben (1). Man staunt.
Die industriellen Anlagen boten im Jahr 1945 mehr Potenzial für Produktionsleistung als vor dem Krieg, im Jahr 1938.

Industrieanlagen und Arbeitsplätze (Bild: FraukeFeind/ pixabay.com)

Der Leser lehnt sich ungläubig zurück. Wie kann das sein?
Die Bilder der Zerstörung zeigten vor allem Wohnhäuser in den Ballungszentren und zerstörte Anlagen, die vorwiegend der Kriegsgüterindustrie dienten. Auch die Verkehrswege waren nur punktuell zerstört worden. Sie wurden in wenigen Jahren restauriert. Ebenso gelang es, die Schifffahrtswege durch Räumung der abgestürzten Brückenelemente innerhalb von vier Jahren sukzessiv wieder nutzbar zu machen.

Hinzu kamen, besonders für den westlichen Teil des ehemaligen deutschen Reiches, drei wichtige Entscheidungen auf politischer Ebene.

Demontage, Marshall-Plan und Währungsreform.

Im Osten wurde kräftig demontiert, Dies bedeutet, dass Produktionsanlagen in Deutschland abgebaut und in die russischen Landesteile transportiert wurden. Dem Osten Deutschlands fehlte dadurch auf Jahrzehnte die industrielle Infrastruktur.

In den Westzonen verzichteten die Besatzungsmächte auf weitreichende Demontagen. Das politische Zerwürfnis zwischen den ehemaligen Kriegsalliierten zerbrach. Es begann der kalte Krieg. Deutschland wurde als verlässlicher Bündnispartner, und als Pufferstaat, besonders wichtig für die Westmächte. Die Infrastruktur blieb also weitgehend erhalten. Ebenso wurden die Schienennetze zügig in Gang gesetzt.

Die Währungsreform

Geld regiert die Welt. Die frühere Reichsmark war wertlos geworden. Mit der Schaffung der deutschen Mark im Jahr 1948 wurde eine neue, allgemein gültige und anerkannte Währung als "Schmiermittel" des wirtschaftlichen Geschehens verfügbar gemacht. Schwarzmarkt und Tauschgeschäfte gehörten der Vergangenheit an. Außerdem erhielt jeder Bürger ein Handgeld, das er für seinen persönlichen Konsum oder für die Schaffung einer eigenständigen Existenz verwenden konnte.

Die Reichsmark (Bild: Chorospiegel/ pixabay.com)

eine gültige und anerkannte Währung (Bild: stevepb/ pixabay.com)

Internationale Unterstützung

Der Deutsche als Bauer oder als Ingenieur? Die Westmächte entschieden sich für die Industrialisierung und für den Marshallplan. Es ging um die Erholung der westeuropäischen Wirtschaft.
Kredite, aber auch Rohstoffe sowie Lebensmittel und Waren für den täglichen Gebrauch flossen in Milliardenhöhe nach Europa. Die USA und internationale Organisationen ließen in einem Zeitraum von vier Jahren (1948-1952) insgesamt über zwölf Milliarden US-Dollar in den alten Kontinent einfließen, Das Ergebnis war: ein Nachkriegsboom, der einen bisher ungekannten Wohlstand erzeugte. Und Deutschland profitierte hervorragend davon.

Wie ging es weiter?

Die wachsende Nachfrage schaffte weitere Produktion. Die Gewinne der Unternehmer stiegen beträchtlich. Diese Gewinne wurden zu weiten Teilen reinvestiert. Die Unternehmer der damaligen Zeit schafften ihre Rendite vorwiegen aus dem eigenen Betrieb. Die Investitionen verdoppelten sich in einem Zeitraum von knapp zehn Jahren.

Innovation als Motor der Wirtschaft (Bild: GREGOR/ pixabay.com)

In der Folgezeit stieg die Beschäftigung weiter an. Bereits im Jahr 1950 war das verfügbare Einkommen des durchschnittlichen deutschen Arbeiters höher als vor dem Krieg (1).
Forschung und Entwicklung führten zu neuen Technologien. Diese verbesserten wiederum die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe.
Wohlstand und Stabilität kennzeichneten die wirtschaftlichen Jahre im Nachkriegsdeutschland.

In der Zusammenfassung

Es blieben noch zahlreiche Blickpunkte in diesem Thema erwähnenswert, wie die Auswirkungen des Korea-Booms in den 1950er Jahren oder die Gründung der Montanunion und der EWG.

Nach Meinung vieler Ökonomen endete mit der Ölkrise im Jahr 1973 eine Entwicklung in Deutschland, die mit "Nachkriegsboom" bezeichnet wird. Andere nennen es: das "deutsche Wirtschaftswunder".

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180 Seiten
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