Fehlinterpretationen

Den Ausspruch vom "Amerikanischen Traum" gibt es nicht erst seit den 1950er Jahren. Bereits im 18. Jahrhundert haben die Menschen dort so gedacht (*). Der Leser kann sich jetzt schon auf eine Reihe weiterer Überraschungen einstellen.

Was wird geträumt? Von harter Arbeit. Wer ordentlich zupackt, der kann es zu etwas bringen, nämlich zu mehr Wohlstand als vor der Anstrengung. Soweit liest sich der amerikanische Traum als ein Hohelied auf die Leistung.

Dabei ist interessanterweise nicht nur der vielzitierte Millionär gemeint. Es geht bei diesem Begriff schlechthin um "ein gutes Leben" (*).

Wie ist diese Lebenssituation definiert?

Gut ist nicht gleich gut

Das gute Leben. Was bedeutet dies gesellschaftlich und für den Einzelnen?

Die Sozialethik untersucht die Bestimmungsgründe, die ein Individuum glücklich machen können. Dies öffnet ein weites Feld. Im Kernpunkt geht es um gesellschaftliche Vorgaben (Was ist ein guter Bürger) bis hin zu den eigenen Wertvorstellungen (Was will ich im Leben erreichen).

Mister Success? (Bild: Peggy_Marco/ pixabay.com)

Ein gutes Leben kann man auch definieren als einen Zustand, in dem ein Mensch die in ihm angelegten Begabungen erfolgreich umsetzen konnte (*).

Das liest sich schon besser, denn nicht jeder Wunsch nach dem Millionärs Status wird die Realitätsstufe erreichen. Dann hätte dieser Traum zahlreiche Alpträume geschaffen.
Wichtig erscheint in diesem Zusammenhang, dass die Definition vom amerikanischen Traum auch das gute Leben unterhalb des Millionenkontos beinhaltet.

Glück

Dann stößt man in diesem Zusammenhang auf den Begriff vom "Glück".
Nicht jeder interessierte Leser wird spontan darauf kommen, dass es bereits eine wissenschaftlich fundierte Glücksforschung gibt (*). Die lange Reihe möglicher Definitionen des Begriffes vom Glück kann man abkürzen auf "die Abwesenheit von Leid" (*). Die Idee ist nicht schlecht, weil sie die unendlichen Möglichkeiten der Glückssuche sinnvoll einschränken kann.

Und diese Begriffsbestimmung führt den Leser wieder zurück zum Begriff des "guten Lebens". Und dies bedeutet demnach die Erfüllung seines persönlichen Potenzials.

Als Zwischenergebnis kann man an dieser Stelle festhalten, dass der amerikanische Traum nicht unbedingt in einer Zahl des Kontostandes gefasst werden muss. Die Wortpaarung Tellerwäscher/ Millionär wird nach einigem Nachdenken also relativiert.

Wer hat sich den Traum erfüllt?

Celebrities werden in den USA erfolgreiche Persönlichkeiten genannt. Diese Personen erweisen sich immer als Magnete für die "Traumfabrik", sprich Hollywood. Wenn man also eine Reihe erfolgreicher Filme beobachtet, dann hat man ein gutes Selbstverständnis der Amerikaner zu ihren eigenen Traumvorstellungen.

Man findet also:

  • Der große Gatsby – Geld, Vermögen, Einfluss
  • Easy Rider – Freiheit der Landstraße
  • American Dream (Film) – Streiks der Arbeiter um einen angemessenen Anteil am Sozialprodukt
  • Forrest Gump – Erfolg durch Redlichkeit, Gradlinigkeit

Es gibt Tausende von Filmen, Büchern und anderen kulturellen Erzeugnissen, die sich an dieser Stelle auflisten lassen. Letztlich sucht sich der Einzelne das ihm gemäße Beispiel selbst.

Gibt es auch einen "Deutschen Traum"?

Eine Suchanfrage bei Google mit den Wörtern "grundgesetz traum" liefert circa 300.00 Einträge.

Die Forderung "Wohlstand für alle" könnte einem Leser in diesem Zusammenhang einfallen. Dann finden sich noch Hinweise zum "Solidarpakt" und zur "Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse". 

Im Artikel 2 GG ist dem Einzelnen die "freie Entfaltung seiner Persönlichkeit" (mit Zusätzen) verbrieft. Diesen Ausdruck kann man durchaus mit der Ausschöpfung des persönlichen Potenzials, wie oben dargestellt, verbinden.

Wovon also träumt der Deutsche? Wir träumen nicht. Wir entfalten uns.

Autor seit 2 Jahren
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