Das Lektorat eines Manuskripts à 400 Seiten ist recht teuer und kostet weit mehr als 400 € bzw. meist auch mehr als 800 €. Zudem liegt der Fokus beim Lektorat meist mehr auf dem Stil und den inhaltlichen Details statt auf dem Handlungsgerüst. Es gibt allerdings günstigere Alternativen zum Lektorat, etwa die zusammenfassende Manuskript-Beurteilung bzw. ein Gutachten fürs Manuskript. Häufig ist Autoren damit schon sehr geholfen.

Wie eine Manuskript-Beurteilung abläuft

Bei einer Manuskript-Beurteilung für Autoren liest der Lektor das Manuskript einmal vom Anfang bis zum Ende durch und schreibt anschließend ein Gutachten über das Buch. Länge und Inhalt des Manuskript-Gutachtens können sich je nach Lektor bzw. Anbieter unterscheiden. Im Rahmen einer solchen Leistung macht der Lektor in der Regel Aussagen zur Handlung (Spannung, Logik) sowie zum Sprachstil. Auch das Grundkonzept, die Erzählweise und die Kapitelstruktur können auf den Prüfstand gestellt werden, ebenso die Figuren und das Setting. Über Formalia wie die Rechtschreibung und die Zeichensetzung lassen sich ebenfalls Aussagen treffen. Manchmal erhält man vom Gutachter sogar eine Einschätzung zur Markttauglichkeit des Manuskripts oder für welche Verlage es infrage kommt.

Wie lang sollte eine gute Manuskript-Beurteilung sein?

Ein Rat an Autoren, die ihr Manuskript beurteilen lassen möchten: Bevor Sie einen Auftrag vergeben, erkundigen Sie sich nach dem Umfang eines solchen Gutachtens – am besten nach der Wortzahl des Gutachtens, denn der Begriff "Seite" ist durch geschickte Formatierung beliebig dehnbar. Seien Sie auch skeptisch, wenn Sie nur abstrakte Auskünfte bekommen wie "Das kann man gar nicht sagen, das ist je nach Manuskript verschieden."

Ein guter Gutachter fürs Manuskript hat nämlich nicht nur seine Honorarperspektive, sondern kennt auch die Kundenperspektive. Und der Kunde hat nichts von jenen Stunden, in denen der Lektor das Manuskript nur liest (was ihn je nach Umfang z. B. 2 bis 5 Stunden kosten kann). Natürlich muss der Autor dem Lektor auch die Lesezeit bezahlen. Im Endeffekt nutzen dem Autor aber nur die Gedanken des Lektors, die er in Form eines Gutachtens als Text festhält. Nur diese schriftliche Beurteilung sieht der Autor letzten Endes.

Wer über 100 € für eine solche Manuskript-Beurteilung ausgibt (oder sogar über 200 oder über 300 €), der möchte verständlicherweise mehr als zwei kleine Absätze mit abstrakten Allgemeinaussagen vom Lektor erhalten. Ein gutes Manuskript-Gutachten sollte mindestens eine Länge wie dieser Artikel haben und auch nicht versuchen, die Seiten- oder Wortzahl durch viele überflüssige Sätze künstlich in die Länge zu ziehen. Solche Füllsätze sind allenfalls akzeptabel, wenn das Manuskript-Gutachten insgesamt lang ist, also mehr als eine Wordseite im Standard-Wordformat umfasst ( = ca. 450 Wörter).

Wenn Sie ein Gutachten erhalten, das mindestens so lang ist wie dieser Artikel, dann haben Sie zumindest aus quantitativer Perspektive eine gute Manuskript-Beurteilung bekommen.

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