Update März 2017. Glück und "Flow"

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Version 1. Das kleine Glück

Froh zu sein bedarf es wenig.
Minimalismus bedeutet, dass der Mensch sich nur wenig in der Welt verstrickt. Während andere tausende von Aktivitäten lostreten, lässt der Minimalist es ruhig angehen. Eine passende Wohnung, überschaubare Aktivitäten, ein kleiner aber feiner Freundeskreis.

(Bild: louda2455)

Wer hat das kleine Glück erfunden?

Die Ansicht stammt unter anderem von Epikur, einem griechischen Denker (*). Das Seelenheil war sein zentrales Thema. Richtig glücklich wird einer demnach nur, wenn er sich vollständig auslebt. Lustmaximierung passt als Schlagwort zu dieser Einstellung.
Ist das moralisch vertretbar? Nach Epikurs Auffassung sehr wohl. Die Seele stirbt nach seiner Lehre mit dem Körper. Einen zweiten Versuch gibt es nicht. Also strebt der Mensch nach einer vollen Ladung Leben.

YOLO mit Köpfchen

Hoppla, richtig ausleben? Ist das ernst gemeint von einem griechischen Weisen? Wie reagieren die anderen, wenn jeder sich voll auslebt?
Epikur hat dafür eine Antwort parat. Kinder dürfen sich noch nach Herzenslust austoben. Später hilft die wachsende Einsicht dem Erwachsenen, mit seiner Lebenslust umzugehen. Der kluge YOLO-Meister entwickelt nämlich ein Lust-Unlust-Kalkül (*).

(Bild: maxmann)

Wie gehen die Jünger des Epikur mit den Gelüsten und Begierden um?
Der Weise warnt vor Übertreibung. Die Befriedigung der Grundbedürfnisse bringt den höchsten Seelenfrieden. Dazu gehören Nahrung, Kleidung und Wohnung.
Was ist mit Sex? In Ordnung, aber in Maßen.
Luxus lehnt der alte Glücksforscher ab, weil dieser zu Abhängigkeit von äußeren Dingen führt.
Von Freundschaft hielt der alte Grieche viel.
Die Ehe empfand er als störend, ebenso die Übernahme politischer Ämter. Alle diese Verbindungen würden seiner Meinung nach nur den Seelenfrieden stören (*). 

Alles in Maßen, das ist sein Credo. Dann ist der Mensch glücklich und zufrieden.

Epikurs Ansichten zur Lustmaximierung in relativer Bescheidenheit, zu Sex, Freundschaft, Ehe und den politische Ämtern haben es in sich. Was soll man dazu sagen?
Was man will. Epikur hatte sich zahlreiche Freunde und Feinde geschaffen, die sich im Laufe der Jahrhunderte als Interpreten seiner Lehre abwechselten. Ein paar Schlaue haben sich dann die Rosinen aus dem Glückskuchen herausgepickt, wie zum Beispiel das Lustprinzip bei Fromm und Marcuse (*).

Version 2. Sei, der du bist

Jeder Mensch hat eigene, unverwechselbare Talente. Wir sind alle auf einem speziellen Gebiet begabter als viele unserer Zeitgenossen. Das muss man voll ausleben – dann wird man glücklich im Leben. So sprach Aristoteles. 
Leider wird für den von ihm geprägten Ausdruck das schwierige Wort "Eudaimonie" verwendet (*). Im Alltag würden man dazu sagen: "Der Mensch ist rundum glücklich und zufrieden". Ein solcher Mensch wird auch mitunter als selig bezeichnet. Der Begriff vom Seelenheil passt wieder dazu.

Wie kommt der Suchende mit Hilfe des Aristoteles zu diesem Zustand?
Genügsamkeit ist der Schlüssel. Wie ist man "genügsam"? Nicht zu viel wollen. Sich weitgehend selbst versorgen können. Frei sein, wenn man es so sehen will.
Wie geht das? Indem man seine Begabung auslebt. Jeder soll doch das tun, was er am besten kann. Persönliche Autarkie - dann klappt es auch mit dem Glücklichsein.

(Bild: ahkeemhopkins)

Das Glück des Einzelnen ist aber noch nicht alles. Wenn der Einzelne zufrieden in sich ruht, dann geht es dem Staat gut. Zufriedenheit ist laut Aristoteles ansteckend. Es liegt also an jedem Einzelne, wo sein Leben und das der Gemeinschaft hinläuft.

Funktioniert das? Nach dieser Lehre, ja. Der Mensch hat demnach die einzige Verfügungsgewalt über sein Seelenheil. Kein blindes Schicksal und keine bösen Dämonen fressen ihn an.

Aristoteles sagt: It's up to you. Du bist einzigartig. Du hast bestimmte Talente. Das Schicksal liegt in deiner Hand. Mach was draus.

Version 3. Wissen macht cool macht happy

Ananda ist das Zauberwort der hinduistischen Heilslehre (*). Diese Gurus sind raffiniert. Sie drehen den Spieß um. Glück ist die Abwesenheit von Unglück.

Jetzt muss man also fragen: Was bringt Unglück?
Die Antwort lautet: Verlangen, (zu viel) wollen (*). Wer zu viel an Reichtum, an Lust und an der Macht hängt – der hängt eben daran. Er ist nicht frei. Der goldene Käfig.

(Bild: Alexas_Fotos)

Wie kommt der Gefangene wieder frei? Durch Wissen – das ist der Schlüssel zum Käfig. Nur Unwissende verlangen zu viel; sie verstehen die Auswirkungen ihres falschen Handelns nicht.
Glücklich ist, wer die Dinge des Lebens verstanden hat. Was muss er tun? Lernen und nachdenken. Dadurch wird er zu einem vernünftigen Menschen, der nicht in die Fallen hinein läuft, die Unglück bringen.

Was bekommt der Adept dafür? Grenzenloses Glück. Wer frei ist von Un-Glück, der ist ständig gleich gut gelaunt, oder er kann die äußeren Einflüsse "modulieren". Er weiß, wie er mit der Welt in einer Art umgehen muss, damit negative Einflüsse ihm nichts anhaben können. Wissen macht cool, und cool zu sein bedeutet glücklich sein.

Eine Zwischenbilanz. Was macht also glücklich?

Lustmaximierung – aber mit Vernunft (Epikur)
Gib Power – und lass dich nicht einfangen (Aristoteles)
Wissen macht schlau – dumme Fehler vermeiden (Hinduismus)

Alle drei empfehlen die Bescheidenheit als grundlegendes Glücksprinzip.

Wo bleibt der Spaß-Effekt?

Heute hauen wir auf die Pauke. Das kann auch glücklich machen – eine Zeit lang zumindest. Dauerhafte Verschwendung wird als Luxus bezeichnet (*). Die Philosophen und die Weisheitslehrer schlagen drei Kreuze über den Verschwender. Im christlichen Kanon gehört sie zu den 7 Todsünden.

Machen Reichtum und Luxus jetzt glücklich oder nicht? Da muss man noch einmal nachdenken (s.o).

Update März 2017: Glück und "Flow"

  • Dieser Tag soll nie zu Ende gehen – weil er so schön ist.
  • Das Kind ist ganz versunken in sein Spiel.

Für "Glücksmomente" gibt es zahlreiche Beispiele. Im Zustand des "Flow" ist der Mensch eins mit der Welt – und überglücklich. Der Ausdruck des Flow wurde in den 1970er Jahren von einem amerikanischen Glücksforscher geprägt (*).

Wer also die Welt rund um sich vergisst, der kann glücklich genannt werden. Wie passt der Flow zu den drei Ansätzen der alten Weisheitslehrer?

  • Es ist die Rede von persönlicher Autonomie (*). Diese gilt als eine Voraussetzung, damit sich der Flow einstellt. Dies passt auf den Ansatz von Aristoteles, wenn man so will. Sei, der du bist.
  • Die Motivationslage wird ebenfalls von Forschern als eine wichtige Voraussetzung für das Empfinden von bezeichnet. Hat Epikur nicht die Lustmaximierung zu seiner zentralen These erhoben?
  • Wo bleibt der Wissensdurst der hinduistischen Lehre? Explorative Lebewesen suchen ständig nach neuen Lebensfeldern. Sie wollen immer mehr erfahren, mehr wissen. Sobald sie ihren Flow-Pegel erreicht haben, machen sie sich auf die Suche nach neuem "Glücks-gefühlen".

Natürlich kann man sich alles zusammenreimen. Andererseits findet die neugierige Seele auch immer wieder zusammenhänge, die "passen"

(*) Textquelle. https://de.wikipedia.org/wiki/Flow_(Psychologie)

Autor seit 3 Jahren
121 Seiten
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