Heimat - Wer hat das Wort "erfunden"?

Etymologen sind Wortforscher. Heimat stammt aus alten europäischen Sprachen und bedeutete ursprünglich "Schlafstelle".
Später, im 19. Jahrhundert, wurde ein "Heimatschein" zur grundlegenden Bedeutung für das Leben des Einzelnen. Nur wer einen Besitz hatte, der bekam ein Heimatrecht. Und ohne dieses Recht durfte der Mensch nicht Hochzeit machen, und er bekam im Alter keine Fürsorge. Die Heimat war eine juristische Definition von Aufenthalts- und Bleiberecht (*).
Von Freddys musikalischen Gefühlsausdrücken gab es keine Spur. Ohne "Heimat" war einer richtig arm daran. Er war arm wie ein Hund.

Worte haben in ihrer ursprünglichen Form ihre eigene Bedeutung. Die Menschen, die solche Begriffe geschaffen hatten, sie hatten eine Idee oder ein Gefühl mit dem Ausdruck verbunden. Allerdings verschoben sich die Begriffsinhalte vom schieren Überlebensnachweis aus den 19. Jahrhundert zu einem emotionalen und kulturellem Verständnis der Gegenwart.

Was denkt sich der Mensch heute bei dem Wort "Heimat", oder was fühlt er dabei?

Heimat in den News

Gibt es überhaupt aktuelle Nachrichten zu dem Thema? Ja, einige. Eine spontane Suchaktion auf den Google News zeigt Überraschendes. Literaten sollen die Heimat als Thema wiederentdeckt haben. Wieder entdeckt – das seltsame Gefühl, dass das Wort verschüttet war, scheint sich zu bestätigen.
Deutsche Auswanderer berichten von ihren Gefühlen während ihres Aufenthaltes im Ausland. Es sind viele Deutsche im Laufe der Zeit ausgewandert. Sie haben ihre Heimat aus verschiedenen Gründen verlassen. 

Ausgewandert

Vor etwa 200 Jahren haben zahlreiche Deutsche, offenbar aus Armut, ihre Heimat verlassen. Kanada, die USA und Südamerika waren die unfreiwilligen Destinationen. 

(Bild: Comfreak)

Vor und nach dem letzten Weltkrieg sind wieder sehr viele Deutsche ausgewandert. Bücher, Schlager, Filme - sie alle haben ihre Gefühle beschrieben.
Was denken die Auswanderer aus anderen Ländern, wenn sie in den Nachrichten die Reportagen über ihr Heimatland sehen? Alle Menschen haben die gleichen Gefühle, unabhängig vom Geburtsort. Zerbombtes Deutschland 1945, zerbombtes Syrien 2015, das Empfinden bleibt gleich.

Heimat als Suchwort im Internet

Der Begriff selbst ist bei Google mit über 35 Millionen Sucheinträgen aufgeführt. Darauf geht der Text im Anschluss ein. Aber zuvor interessieren die Bilder zum Thema. Was sieht der Betrachter? 

Nach diesen Bildern auf Google zu urteilen bedeutet Heimat:

  • weite Wiesen und grüne Landschaften
  • Sonnenuntergänge
  • Gebündelte Heuballen
  • Holzhäuser im Schwarzwald Stil und
  • Kühe 

(Bild: Didgeman)

Der Betrachter könnte meinen, dass sich das Stereotyp des Begriffes seit den 1950er Jahren und den Förster-Filmen kaum geändert hat. Wir leben weitgehend, wie schon unsere Altvorderen, auf dem Lande, auf der deutschen Scholle. Heimat in aktuellen Bildern – ist retrospektiv. Heimat war gestern?

Der Begriff "Heimat"

Zurück zur Google Text-Suche und dem Suchbegriff "heimat". Wikipedia steht oben. Was sagt das Lexikon?
Heimat als Begriff. Es kommt auf den Ort an, an dem man geboren wurde. Denn dort hatte der junge Mensch seine ersten Sozialisations-Erlebnisse (*). Die frühe Umgebung hat uns für ein Leben lang geprägt.
Die Lachse schwimmen zum Laichen zum Ort ihrer Geburt. Der Mensch will immer wieder zurück nach Heidelberg oder nach Lüneburg, je nachdem, wo er geboren wurde. Heimat ist "der Geburt Statt".

1. Die Heimat stellt inhaltlich eine Beziehung dar zwischen dem Individuum und dem – Raum. Heimat, Siedlung, Wohnsitz, Region – so läuft bei den Kulturwissenschaftlern das ideelle Programm im Menschen ab.

2. Heimat ist ein Bedürfnis, ein Bedürfnis nach Raumorientierung (*).
Bedürfnisse sind starke Wünsche, ein grundlegendes menschliches Verlangen. Ein Bedürfnis drückt sich in einem Mangel-Gefühl aus. Daraus entsteht der Wunsch, diesen Mangel zu beseitigen (*). Wer seine Bedürfnisse auf Dauer nicht auslebt, der wird krank. Heimweh macht krank. Heimatlose sind demnach kranke Menschen.
Umgekehrt darf eine politische Idee dann die Aufhebung der Heimat nicht zum Ziel haben. Sonst werden die Bürger im Staatsgebilde krank und schaffen weniger. Dann sinkt das Sozialprodukt. Das ist ein Problem.

Irgendwie muss also auch in einem geeinten Europa eines Tages noch die Beziehung der Bürger zu ihren ersten Sozialisations-Erlebnissen bewahrt bleiben. Ein interessanter Gedankengang.

Fazit.

Der Begriff ist schwer zu "packen". Wenn jemand in der Heimat lebt, dann denkt er oder sie naturgemäß nicht daran. Wenn ein Mensch auswandert, dann hat er oder sie wahrscheinlich Heimweh.
Und wie geht es weiter? Wenn die EU Bestand haben wird, als ein Europa der Vaterländer, wie wird der Gedanke an "seine" Heimat dem Einzelnen weiterhelfen? Etwa so? Ich bin Deutscher, zum Beispiel Stuttgarter, und Europäer – und schließlich Weltbürger. Meine Heimat ist die ganze Welt?

(Bild: iamnotpablo)

Und was sagen eines Tages die Nachkommen der Pioniere auf der Mars-Station?
Meine Heimat ist das ganze Weltall. Damit schließt sich der Kreis. Die Beziehung zwischen dem Menschen und dem (Welt)Raum (s.o.) ist, allegorisch, wiederhergestellt.

Was bleibt? Die Geschichten mit dem Heimatschein aus dem 19. Jahrhundert können schon nachdenklich machen. Irgendwo muss man hingehören.

 

(*) Textquellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Heimat
https://de.wikipedia.org/wiki/Bed%C3%BCrfnis

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