Walnüsse Ernte im Herbst

Walnüsse Ernte im Herbst (Bild: https://pagewizz.com/walnus...)

Steckbrief Walnuss: Juglans regia

 Ein kleiner botanischer Ausflug kann nie schaden.

  • Walnuss: Juglans regia
    Familie: Walnussgewächse Juglandaceae
  • Höhe: bis 25 - 30 m
  • Alter: 60 bis 80 Jahren, sie kann ein Alter von 150 bis 160 erreichen.
  • Blätter: grün, 2-3 Paare und ein vergrößertes Endsegment
  • einhäusig getrenntgeschlechtlich: männliche Blüten bilden hängende Kätzchen, weibliche Blüten stehen am Triebende; Bestäuber ist der Wind.
  • ergrünt im Frühjahr als letzter Laubbaum
  • Frucht: 2 Embryonen (Nusshälften, die einem Gehirn ähneln), Schein-Steinfrucht gebildet aus fleischiger Außenhülle (umgebildete Tragblätter), Perikarp bildet die harte Nussschale.
  • Klima - warm, gemäßigt, steigt bis 1.000m
  • Weltweit zählt man circa 15 unterschiedliche Walnussbaumarten.
  • Asiatische Art wächst im Himalaja in Höhen bis 3.300m.

 

Ein königlicher Name für einen Baum

Juglans regia wie der schöne wissenschaftliche Name für den Walnussbaum lautet, setzt sich aus diesen Wortteilen und Bedeutungen zusammen:

  • Ju(glans) steht für Jupiter
  • (Ju)glans steht für die Frucht; (Buchecker, Eichel, Kastanie, Nuss) = Frucht des Jupiters
  • regius/regia steht für königlich; gemeint ist die wunderschöne Maserung des Holzes
  • Vor Linnaeus wurde er in den Schriften auch als "Nux Juglans" bezeichnet.

 

Juglans regia ist ein Europäer

Die echte Walnuss, Juglans regia, stammt nicht aus Asien, wie lange vermutet, sondern ist in Europa bereits heimisch gewesen. Und das vor langer, langer Zeit. Fossile Funde aus Venetien aus dem Quartär bestätigen dies.

Die Walnuss und der Ur-Apfel

Ausgerechnet im Tianshan-Gebirge finden sich neben dem Ur-Apfel noch uralte riesige Nussbaumwälder.

Warum heißt sie "Walnuss"?

Früher hieß die deutsche Bezeichnung "Wallnuss", das geht auf einen noch älteren Namen "Welschnuss, welsche Nuss" zurück (Die Welschen/Walschen ist die germanische Bezeichnung für Römer). Die alten Römer allerdings nannten sie wiederum "Nux gallica"; weil es in Frankreich große Nussbaumbestände gab.

Weitere volkstümliche Namen für den "Nussbaum" sind: königliche Walnuss, welscher Nussbaum.

Vom Stamm, dem Blatt bis zur Schale

Nussbaum (Bild: a.sansone)

Was kann man von einem Nussbaum alles verwenden?

  • unreife Früchte samt Schale: Nusslikör, Nussschnaps
  • ölhaltige Walnusskerne: Speiseöl
  • Aus dem papiernen Kern der Nuss, der Kammerwand: Tee
  • Blätter: Tee
  • grüne Nussschale: Tönungsmittel für Haare, Nussbeize, Färbemittel für Wolle und Textilien
  • Nussbaum selbst: Holz
  • Eine Walnussschalen-Spiritus-Tinktur hat sich bei der biologischen Bekämpfung der Varroamilbe (Schadinsekt bei Bienen) bewährt.

Walnüsse enthalten Fett und sind daher empfindlich in der Lagerung. Daher ist es wichtig, sie auch zu Hause richtig aufzubewahren – d. h. am besten kühl, dunkel und trocken lagern.

Was ist die Walnuss nun - eine Nuss, eine Steinfrucht oder eine Beere?

Ach, die Botanik ist schon was Schönes und Erhellendes. Heißt etwas im Volksmund und allgemeinen Sprachgebrauch "Beere", kann man sicher sein, dass die Botaniker die Nase rümpfen und das gute Ding z.B. als Sammelnussfrucht (Erdbeere) bezeichnen.

Ist also die Nuss - die Walnuss - nun eine Nuss, oder was?

Als Nuss bezeichnet man trockene Schließfrüchte, wo der Samen in einem harten dickwandigen Gehäuse eingeschlossen ist. Die Haselnuss ist eine eindeutige Nuss (harte Fruchthülle, weicher Samenkern).

Sie merken bereits, da kommt noch was. Denn die Walnuss ist ja, wenn sie zu Boden fällt, von einer weichen grünen Hülle umschlossen; die "Nuss" ist also innen. Grübel, grübel?

Eine weitere sonderbare Nuss ist die Muskatnuss. Mehr dazu ...

 

Walnuss mit Hülle (Bild: a.sansone)

Schon ist es geschehen, denn das Fleischige vorher, ist wichtiger. Fleischige Hülle (Exocarp), harte Schale (Endokarp) spricht für Steinfrucht; der essbare Samen ist darunter verborgen.

Also ist die Walnuss eine Steinfrucht, wie etwa die Zwetschke/Pflaume. Nur wird bei der Walnuss der Kern gegessen und nicht die Hülle, denn die ist lederig-fasrig und ungenießbar. Damit es noch ein bisschen komplizierter sein kann, wird die Walnuss also als Schein-Steinfrucht bezeichnet.
Na bitte. Sie können sich bereits beim nächsten Wissensquiz anmelden.

Wichtiger allerdings ist, dass Sie wissen, wie Sie an das leckere Innere dieser Frucht herankommen. Von Stein (wie die alten Germanen) über Hammer wurde Vieles ausprobiert. Allerdings ist ein cleverer Nussknacker der Neuzeit sicher die bessere Lösung.

Walnuss mit Hülle (Bild: a.sansone)

Brainfood: Ist die Walnuss wirklich so gut für das Gehirn?

Glaubt man den derzeitigen Ernährungs-Gurus, so muss man Walnüsse einfach essen, denn sie gelten als Brainfood. Gehirnfutter also. Das liegt nicht an der Form der beiden Walnusshälften, die einem Gehirn gleichen. Auch wenn die alten Gelehrten aus diesen organischen Ähnlichkeiten (Signaturlehre, wonach gewisse Pflanzen aufgrund der Ähnlichkeit mit bestimmten Körperteilen gezielt als Heilmittel eingesetzt werden können) oft die richtigen Schlüsse zogen.

Warum die Walnuss wirklich so gut für unser Denken ist liegt an ihrer geballten Ladung an B-Vitaminen, Vitamin E, Lecithin und Magnesium, das hilft bei Konzentrationsschwäche und Müdigkeit. Die Kombination der Vitalstoffe soll Schwung in die grauen Zellen bringen.

In trockenen Fakten: Walnüsse enthalten 60 Prozent Fett (Omega-3-Fettsäuren), 20 Prozent Eiweiß, viel Vitamin B1 und C, zudem auch Spuren von Vitamin B2, A und E sowie vielerlei Mineralstoffe wie Kalium, Calcium, Eisen, Magnesium und Phosphor. Ein hoher Gehalt an Antioxidantien ist ihnen ebenfalls eigen.

Wieviele Nüsse pro Tag sind gesund?

25 - 30g; das entspricht der Menge von 5 bis 8 frischen Walnüssen. Am besten frischgeknackt.

Machen Nüsse dick?

Es kommt auf die verzehrte Menge an. Nüsse als Snack, als kleine Zwischenmahlzeiten sind keine Dickmacher. Wer nur die empfohlene Tagesmenge an frischen unbehandelten Nüssen verzehrt, nimmt gesunde Fettsäuren zu sich, die außerdem Heißhunger dämpfen. Wer allerdings als Nachspeise nach normalen Mahlzeiten auch noch ein Säckchen von Salzmandeln oder Salznüssen zu sich nimmt, der darf sich nicht wundern, wenn das zu Buche schlägt.

 

 

 

 

Eine besonders schmackhafte Verwertung von Walnüssen

Hier finden Sie die Anleitung für Walnusskrokant süß-feurig

Warum kommen unsere Walnüsse aus Kalifornien?

Walnussbäume tragen erst relativ spät Früchte. Zehn Jahre und mehr muss man darauf warten. Spätfröste sind wahre Erntekiller. Walnüsse gedeihen besonders gut in Weinbaugebieten. Spricht alles für das Klima im fein warmen Kalifornien.

Spanische Missionare brachten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Walnüsse (und sicher auch Jungpflanzen) von der alten in die neue Welt mit. 1867 wurde im Santa Barbara County von Joseph Sexon die erste Walnuss-Plantage in Kalifornien angelegt. 

Seither wird in Kalifornien der Walnussanbau in Großformat betrieben. Die Walnuss wird inzwischen in über 5.000 Plantagen auf zusammen 82.000 Hektar angebaut. Heute stammen zwei Drittel der Weltproduktion von hier.

Wer nun glaubt, dass es in Amerika keine einheimischen Nussbäume gäbe, der irrt.

  • Die schwarze Walnuss Juglans nigra,
  • die graue Walnuss Juglans cinerea, auch Butternuss genannt, haben ihre Urheimat in Nordamerika.
  • Juglans microcarpa nennt sich die texanische Walnuss, die dritte amerikanische Nussart.

Allerdings sind deren Nüsse nicht so delikat, wie eben die königliche jupitersche Nuss. Die amerikanischen Nussbäume haben allerdings als Zierbäume auch in Europa in Parks und botanischen Gärten Fuß gefasst. Auch ihr Holz wird gerne verwendet.

Warum wächst unter einem Nussbaum so gut wie nichts?

Der Nussbaum ist ein cleverer Vertreter. Der produziert sich sein Unkrautvernichtungsmittel selber. Der Walnussbaum scheidet über die Wurzeln ein Glykosid aus, das sich in die Substanz Juglon verwandelt. Juglon bewirkt die Schwarzfärbung der absterbenden Pflanzenorgane, es hat eine phytotoxische Wirkung auf umstehende Pflanzen und ist auch für Fische und Pilze giftig. Dieses Juglon verhindert das Pflanzenwachstum in unmittelbarer Umgebung des Walnussbaums. So können sich keine Konkurrenzbäume in seiner Nähe breit machen. 

Deshalb sollte man auch im Herbst die Walnussblätter tunlichst nicht auf den Kompost geben.

Außerdem vertreibt der Duft der Blätter aber auch Mücken und andere unliebsame Zeitgenossen. Nicht umsonst haben unsere Väter unter einem Nussbaum eine Bank hingepflanzt.

Für heiße Sommertage - soferne es sie mal gibt.

Stationen eines Nussbaums

volle Krone September (Bild: https://pagewizz.com/walnus...)

Kurioses rund um die Walnuss

Polterabend: Die Nuss galt als Fruchtbarkeitssymbol. In ländlichen Gebieten war es Brauch, der Braut am Abend vor ihrer Hochzeit einen Korb voll Nüsse ins Schlafzimmer poltern zu lassen. Daher dürfte wohl auch der Begriff "Polterabend" herstammen.

Blitzschlag: Früher nahmen die Menschen an, dass ein am Haus angebrachter Walnusszweig vor Blitzschlag schütze.

Nussorakel: Junge Frauen warfen hölzerne Stäbe in den Baum, um nach der Zukunft zu fragen: Blieb der Stab hängen, so stand die Hochzeit bevor, noch im selben Jahre.

In Schottland und Nordengland heißt die Halloween-Nacht auch Nut-Crack-Night. Denn in dieser Nacht wird das Orakel der Nüsse befragt. Hierzu wird das frisch geerntete Schalen-Obst ins Feuer geworfen. Ein junger Mann kann mehrere Nüsse mit den Namen seiner zahlreichen in Frage kommenden Liebsten beschriften. Anschließend wirft er die Nüsse ins Feuer, um zu sehen, welche am Hellsten brennt.

Eins auf die Nuss kriegen - Woher stammt der Spruch?

Die Hälfe einer Walnuss sieht aus wie ein Gehirn, darüber liegt die hölzerne Schale. Früher hat man Walnüsse auch mit einem kräftigen Hammerschlag geknackt. Der Vergleich zwischen Nussschale/Nuss und Schädel/Gehirn lag nahe. Bei einem Schlag auf den Schädel, bekommt man "eine auf die Nuss".

Spitznamen für Nüsse

Große Nüsse werden im Volksmund auch als "Pferde-, Faust-, oder Pfaffennüsse bezeichnet.

Besonders harte Nüsse heißen Stein- oder Grübelnüsse, dünnschalige wiederum Papier-, Vogel- oder Meisennüsse.

Der älteste, dickste, höchste Nussbaum Europas?

Hier http://www.monumentaltrees.com/en/europe/ werden sie fündig, wenn Sie Rekordbäume suchen!

 

Querschnitt Nussbaumast mit Markrille (Bild: https://pagewizz.com/walnus...)

"Wer auf einen Walnussbaum klettert, kann leicht samt Ast wieder herunterkommen", so hieß es in meiner Kinderzeit. Walnusszweige und Äste brechen ohne Vorwarnung. Da kugelt man dann sehr unverhofft samt einem mächtigen Ast vom Baum.

 

 

 

Wer Äste an einem Walnussbaum schneiden will oder muss, sollte dies im August tun. Da ist die Gefahr eines übermäßigen Saftflusses am geringsten. Auch kann die Schnittfläche noch vor dem Winter gut abheilen.

Quellen

  • Bäume, Banfi/Consolino; Kaiser Verlag, 2006 Klagenfurt
  • Bäume Mitteleuropas, Roloff/Weisgerber/Lang/Stimm; Wiley-VCH, 2010 Weinheim

Das goldende Buch der Walnuss

Hier wird die Walnuss wahrlich in den Mittelpunkt gerückt: "Das golden Buch der Walnuss" Lesenswertes über Historie, Mythen, Warenkunde und außerdem köstliche Rezepte für jede Gelegenheit.

 

Statt Nüssen blaue Früchte vom Baum

Auch sie sind bereits reif und in Überfülle warten sie auf ihre Zubereitung:

Pflaumen, Zwetschken und was man aus ihnen machen kann

 

Adele_Sansone, am 27.08.2014
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Bildquelle:
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Die Geschichte vom Ur-Apfel; nun liegt der Garten Eden in Kasachstan)
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (7 Fakten zur Weißtanne - unserem liebsten Weihnachtsbaum)

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