Wie erfolgreich war die Goldene Bulle?

Sein größtes Ziel konnte Karl IV. mit der Goldenen Bulle erreichen. Er hatte das erste "Grundgesetz" des Heiligen Römischen Reiches eingeführt. Tatsächlich behielt die Bulle von 1356 bis 1806, also bis zum Zusammenbruch des Reiches, ihre Gültigkeit und bei der Königswahl kam es zu keinerlei Kriegen oder Fehden mehr. Doch er konnte nur verhindern, dass es zu Kriegen auf Grund der Wahl kam. Sein Ziel, einen dauerhaften Frieden im Reich sicherzustellen, hatte er aber klar verfehlt. Die einzelnen Fürstentümer verfolgten nach wie vor ihre eigenen Interessen und schreckten dabei auch nicht vor kriegerischen Auseinandersetzungen zurück. Ein Preis, den Karl IV. in Kauf nahm, als er den Kurfürsten weitreichende Rechte einräumte. Was er wohl nicht vorhergesehen hat, ist dass genau diese weitreichenden Rechte das Amt und die Befugnisse des Königs aushöhlten und einen schleichenden Machtverlust zur Folge haben sollten.

Dennoch bleibt festzuhalten, dass die Ausarbeitung der "Goldenen Bulle" angesichts der Tatsache, wie zersplittert das Heilige Römische Reich war, eine große Leistung darstellte. Wann hat es schon mal ein ähnlich bedeutendes Gesetz gegeben, dass fast ein halbes Jahrtausend seine Gültigkeit behalten hat?

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Wie entstand die Goldene Bulle?

Wie beschrieben, waren die Zustände bei der Königswahl Karl IV. ein Dorn im Auge. Er erkannte, was die Machtkämpfe bei den Wahlen anrichteten und er wollte zukünftige Kriege verhindern. Deshalb beschloss er im Jahre 1355 die Wahl des Königs klar zu reglementieren. Insbesondere wollte er die Thronfolge und das Wahlverfahren klaren Regelungen unterwerfen. Hierzu bestellte er seine Kurfürsten, weitere Landsherren sowie einige Abgesandte der größeren Städte zu einem Hoftag nach Nürnberg. Im November 1355 begannen die wochenlangen Verhandlungen, die nicht wirklich zielgerichtet verliefen. Vor allem das viele Feiern der Fürsten - es ist von zahlreichen verspeisten Ochsen, Ferkeln, Kälbern und Rebhühnern die Rede - verhinderte, dass der Hoftag zu einem wirklichen Erfolg wurde. Trotz allem wurden in Nürnberg schon einige Kapitel des Gesetztes ausgearbeitet. Die restliche Arbeit verschob man auf einen neuen Hoftag, der diesmal in Metz stattfinden sollte. In Metz konnten alle offenen Punkte bearbeitet werden und so konnten am 10. Januar 1356 die Ergebnisse der Besprechungen feierlich verkündet werden. Die Goldene Bulle, die wegen ihrer beiden Tagungsorte auch Nürnberger- bzw. Metzer-Gesetzbuch genannt wird, war entstanden.

Welche Bestimmungen beinhaltete die Goldene Bulle?

Es war das Hauptziel der Goldenen Bulle, klare Regeln für die Wahl des Königs festzuschreiben.  Dieses Ziel erreichte Karl IV. So bestand die bedeutendste Vorschrift des "kaiserliche Rechtsbuchs" darin, dass der König zur Wahl nur noch vier von sieben Stimmen der Kurfürsten benötigte, ihm also eine einfache Mehrheit genügte. Wenn vier Kurfürsten sich auf einen Anwärter einigen konnten, war ein neuer König gewählt.

Die 7 Kurfürsten bei der Wahl von Heinrich VII.

Die 7 Kurfürsten bei der Wahl von Heinrich VII,

Die Wahl durch die Kurfürsten an sich war jedoch keine Neuerung. Schon vor Einführung der Goldenen Bulle war entschieden worden, dass nur die sieben Fürsten der größten Länder des Heiligen Römischen Reiches die Befugnis zur Wahl des Königs bekommen sollten. Diese sieben waren die so genannten Kurfürsten. Der Zusatz "Kur" bedeutet nichts anderes als "küren" und ist damit nur ein anderer Ausdruck für "wählen".

Neu war nur das überaus wichtige Prinzip der einfachen Mehrheit, welches das Prinzip der Einstimmigkeit ablöste und eben die Niederschrift des Gesetzes. Die Goldene Bulle schrieb weiterhin fest, in welcher Reihenfolge die Kurfürsten zu wählen haben. Es beginnt der Erzbischof von Mainz, der dann sozusagen als Leiter der Wahl die restlichen Kurfürsten nach ihrer Meinung fragt. Nach ihm wählen dann die Erzbischöfe aus Trier und Köln. Es folgt der König von Böhmen und nach ihm der Pfalzgraf vom Rhein. Zuletzt kamen der Herzog von Sachsen sowie der Markgraf von Brandenburg an die Reihe. Es gab also endlich einen detaillierten Ablauf des Wahlverfahrens. Daneben nahm die Goldene Bulle dem Papst die Möglichkeit, auf die Königswahl  einzuwirken. Seine Zustimmung zur Wahl, war von nun an nicht mehr von Nöten. Ein bedeutender Schritt zur Loslösung von der Kirche. Darüber hinaus wurde beschlossen, dass die Wahl des Königs von nun an immer in Mainz und seine Krönung immer in Aachen stattfinden soll.

Weitere Bestimmungen

Rechte und Pflichten der Kurfürsten:

Neben den Vorschriften zur Wahl des Königs, enthielt die Goldene Bulle Regelungen bezüglich der Rechten und Pflichten der Kurfürsten. Da Karl IV. sich die Zustimmung seiner Kurfürsten zu dem Gesetzbuch sichern wollte, musste er auf diesem Gebiet den Fürsten einige Zugeständnisse machen. Es war jetzt nicht mehr möglich, die Gebiete der Kurfürsten zu teilen. Sie wurden zu so genannten unteilbaren Territorien. Die Herrschaft über diese Gebiete sollte im Rahmen einer Erbfolgeregelung in den Familien der regierenden Kurfürsten verbleiben und nach ihrem Tod an den erst geborenen Sohn übergehen. Außerdem erhielten die Regenten ein umfassendes Zollrecht sowie die Befugnis, allein über die Rechtsprechung zu entscheiden. Eine der wenigen Pflichten, die die Kurfürsten zu tragen haben sollten, war das "Judenregal". Hierbei verpflichteten sich die Kurfürsten, die Juden in ihren Territorien gegen Zahlung einer Gebühr vor Übergriffen zu schützen.

Dauerhafter Frieden:

Schließlich führte Karl IV. noch ein paar Gesetze ein, die den Frieden im Reich sichern sollte. Diese Gesetze blieben jedoch völlig bedeutungslos.

Das Siegel der Goldenen Bulle

Das Siegel der Goldenen Bulle (Bild: © German Wikipedia)

Wie kam die Goldene Bulle zu ihem Namen?

Der Grund, warum die Goldene Bulle so heißt, wie sie eben heißt, ist ziemlich banal. Karl IV. ließ den Text seines Gesetzesentwurfs auf dem edelsten verfügbaren Papier schreiben und dann mit einem Siegel versehen. Anschließend wurde sie in eine goldene Hülle gesteckt. All dies zusammen, also das edle Papier, das goldene Siegel und die goldene Hülle brachten Historiker auf den Namen goldene Bulle. Karl IV. benutze diesen Namen also noch nicht. Er sagte schlicht "kaiserliches Rechtsbuch" zu seinen Gesetzen.

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