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Update Januar 2017

Gehört Island zu Skandinavien? Den Text finden Sie weiter unten.

Zur Vorgehensweise

Der folgende Artikel untersucht die geografischen und staatlichen Strukturen in Skandinavien unter den Gesichtspunkten Geografie, Landesgröße, Bevölkerungsstruktur und wirtschaftlicher Bedeutung. Anschließend wird eine Übersicht zu touristischen Zielen und Sehenswürdigkeiten der Region gegeben.
Als Quelle wurden in erster Linie die jeweiligen Übersichtsartikel des Wikipedia Lexikons verwendet. Diese berufen sich auf verschiedene internationale Statistiken.

Eine interessante Geografie

Für Geologen bedeutet Skandinavien mehr als nur der "springenden Hund" auf dem Globus. Sie sprechen von Fennoskandinavien. Diese Zuordnung umfasst die skandinavische Halbinsel, sowie Finnland, Karelien und die Halbinsel Kola.

 

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Die vereinfachte Schulbuchweisheit muss also revidiert werden. Demnach gehören zwar Finnland, Norwegen und Schweden (in alphabetischer Reihenfolge) zu dem geografischen und politischen Bereich, den wir mit Skandinavien bezeichnen. Geologisch gehört Dänemark nicht zur skandinavischen Halbinsel. Dafür rücken nun die eher wenig bekannten Regionen Kola und Karelien in den erweiterten Blickwinkel.

Land unter Eis

Skandinavien war Millionen von Jahren lang vom Eis bedeckt. Die Eismassen hatten das darunterliegende Land unter das ursprüngliche voreiszeitliche Niveau gedrückt.
Vor 10.000 Jahren entstand auf der Erde eine Zwischenwarmzeit, die zur Abschmelzung der Eises führte. Skandinavien tauchte wieder auf. Selbst heute erhebt sich die Halbinsel jährlich um mehrere Millimeter (1). Die Fischerhütte der Großeltern kann für manchen Schweden heute schon einige Meter landeinwärts liegen.

Ein einig Volk

Die "Nordmänner" hatten mehr als fünf Jahrhunderte lang in der Frühzeit der europäischen Geschichte zueinander gestanden.
Im Zeitraum von 500 – 1000 n.Chr. waren die verschiedenen Stämme sich einig - zum Beispiel in den Raubzügen der Wikinger und auch in der wesentlichen Beibehaltung der eigenen Religionen. Um das Jahr 1000 n. Chr. waren Dänemark, Norwegen und Schweden, sogar Teile von England, für eine kurze Zeit in einem "Nordsee Reich" vereint (1).
Die Einigkeit wurde im Laufe der Geschichte in verschiedenen politischen Konstellationen immer wieder hergestellt. Über fast 400 Jahre, von etwa 1400 bis 1800, existierten im Norden unterschiedliche Zusammenschlüsse zwischen den drei großen Staaten Dänemark, Norwegen und Schweden. Das heutige Finnland war über mehrere Jahrhunderte ein Teil von Schweden.

Das moderne Skandinavien

Die heutigen Länder haben ihre nationale Souveränität auf verschiedene Weise erlangt.

Dänemark. Die Dänen wurden um das Jahr 1000 n.Chr. als "Wikinger" bezeichnet. Schwedische Wikinger heißen dagegen "Waräger". Das dänische Reich wurde bereits im Jahr 980 gegründet. Es hat eine entsprechend bewegte Geschichte hinter sich.
Das Kernland ist über mehr als 1000 Jahre dänisch geblieben. Zum heutigen Staatsgebiet gehören die Färöer Inseln und Grönland, die größte Insel der Welt.

 

Gehört Dänemark zu den skandinavischen Ländern?
Es herrschen unterschiedliche Auffassungen. Wikipedia bezeichnet Dänemark als "ein Land im nördlichen Europa" (1). Unter geologischen Gesichtspunkten zählt Dänemark nicht zum "fennoskandinavischen Schild".
Der vorliegende Beitrag zieht Dänemark aufgrund seine geschichtlichen und kulturellen Beziehungen in die Betrachtung als Teil Skandinaviens mit ein.

Norwegen. Das heutige Norwegen wurde im Jahr 1905 von Schweden unabhängig. Zuvor bildete Norwegen mit Schweden und Dänemark über fast vier Jahrhunderte die sogenannte "Kalmarer Union" mit wechselnder Beteiligung der jeweiligen Partner. Von etwa 1800 bis 1900 war Norwegen mit Schweden in einer Personalunion verbunden. In einer Volksabstimmung entschieden sich die Bürger des Landes im Jahr 1905 für die Loslösung von Schweden und schufen das heutige Königreich Norwegen.

Schweden. Das Land hat eine sehr alte Geschichte. Nach dem Ende der letzten Eiszeit wurde das Land bereits um das Jahr 11.000 v. Chr. besiedelt. Das Königreich Schweden wurde zwischen den Jahren 1000 und 1350 n. Chr. gegründet. Die Historiker haben zum Zeitpunkt der ersten Reichsgründung unterschiedliche Theorien entwickelt.
Im 18. Jahrhundert war Schweden eine europäische Großmacht. Der Einfluss des Landes wurde allerdings nach verschiedenen Kriegen zurückgedrängt. Die heutige Landesgröße entstand nach der Abtretung Finnlands an Russland um das Jahr 1800 und der Loslösung Norwegens im Jahr 1905.

Finnland. Das Land war 600 Jahre lang, von etwa 1200 bis um das Jahr 1800, ein Teil Schwedens. Um 1800 wurde es von Schweden an Russland abgetreten. Es folgte eine Zeit gewisser Autonomie Finnlands innerhalb des russischen Staatsgebildes. Im Jahr 1917 erklärte Finnland seine Unabhängigkeit.

Landgröße, Bevölkerungszahl und wirtschaftliche Leistung im Vergleich

Das durchschnittliche Einkommend der Bürger in Skandinavien beträgt teilweise weit über 30.000 Euro pro Jahr nach Kaufkraft (KKP). Norwegen hat aufgrund des Ölbooms die höchste Kaufkraft in Nordeuropa.
Alle skandinavischen Länder haben einen sehr hohen Wohlstandindikator (Human Development Index) (3). Darin werden neben dem Bruttonationaleinkommen pro Kopf auch die Lebenserwartung und die Bildungsdauer berücksichtigt.
Aus vorgenannten Gründen stehen zahlreiche skandinavische Städte in der Beliebtheitsskala der bevorzugten Wohnorte weltweit mit an den Spitzenpositionen.

(Bild: eigen)

Landesgröße pro Kopf

Nach allgemeiner Auffassung ist Skandinavien recht dünn besiedelt. Und diese Vermutung trifft zu. In den vier Ländern Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden leben insgesamt weniger als 30 Millionen Menschen. Die absolute Zahl allein sagt jedoch wenig aus. Aussagekräftiger ist die Betrachtung pro Einwohner pro Quadratkilometer (qkm). Dabei ergibt sich folgendes Bild:

Einwohner pro qkm

Einwohner pro qkm (Bild: eigen)

Natur und Sehenswürdigkeiten

Fjord bedeutet Meeresarm. Diese sind durch zurückweichende Gletscher entstanden. Im Deutschen sagt man Förde dazu. Fjorde werden von Reisegesellschaften gern als typische skandinavische Naturwunder angepriesen.

Neben der Meerjungfrau in Kopenhagen und dem Stockholmer Schloss gibt es eine Reihe von sehr interessanten und oft weniger bekannten Attraktionen in dieser Region.

Die Stadt Bergen in Norwegen ist ein beliebtes Reiseziel. Das Hafenbild mit den bekannten bunten Häusern wurde nach Vorbildern aus dem 12. Jahrhundert originalgetreu wiederhergestellt. Es zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Ursprünglich bedeutete der Städtenamen "die Wiese zwischen den Bergen".

 

Bergen und seine bunten Häuser (Bild: fotofan1/ pixabay.com)

Fjorde sind beliebte Ausflugsziele für Kreuzfahrten (Bild: Unsplash/ pixabay.com)

Helsinki hat eine Stadtfläche von circa 700 qkm, von denen allerdings nur knapp 200 qkm aus Land bestehen. Die finnische Hauptstadt erstreckt sich über das Festland und etwa 300 vorgelagerte Schären.

Suomi - Briefmarkensammler kennen diesen Ausdruck. Die Begriffe "Suomi Finland" sind auf vielen Marken aufgedruckt. Der Begriff kennzeichnet sowohl das Land als auch die finnische Sprache. Die Ursprünge der Sprachfamilie sollen im Ural liegen.

Smörrebröd sind Butterbrote auf Dänisch. Schwarzbrotscheiben werden hauchdünn mit Butter bestrichen und mit deftigen Zutaten belegt.

Die Halbinsel Kola gehört geologisch und geografisch zum fennoskandinavischen oder auch baltischen Schild. Aus dieser geologischen Formation wurde im Zeitalter des Präkambriums vor etwa 500 Millionen Jahren der europäische Urkontinent geformt (2). Die interessante geografische Lage der Halbinsel Kola wird aus dieser Karte deutlich. Sie gehört politisch zu Russland und grenzt an das Weiße Meer nahe der Polarregion. Zusammen mit der Region Karelien bildet die Halbinsel den Abschluss Skandinaviens nach Osten hin.

Gehört Island zu Skandinavien?

In zweierlei Hinsicht schon, und zwar geografisch und sprachlich. Man muss das erklären.

Zuerst einige Fakten zu diesem Inselstaat (*).

  • Die Hauptinsel Islands ist als Vulkaninsel entstanden.
  • Die Landfläche beträgt etwa 100.000 Quadratkilometer (qkm). Dies entspricht einem Drittel der Landfläche von Deutschland.
  • Auf Island leben circa 300.000 Menschen. Etwa 60 Prozent davon in der Hauptstadt Reykjavik.

Island ist nicht Mitglied der EU. Die wirtschaftlichen Beziehungen werden über die Freihandelszone EWR abgewickelt.

Wo liegt die Insel?

Island und der Begriff "Skandinavien"

Geografisch ist die Insel ein Teil von Nordeuropa (*): Was bedeutet das? 

Zu Nordeuropa zählen Geologen die in diesem Artikel bereits angesprochenen skandinavischen Länder (Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark). Dazu werden ebenfalls die baltischen Länder gezählt (Estland, Lettland und Litauen). Selbst der Norden Russlands (im europäischen Teil) und der Norden Großbritanniens werden geologisch als Nordeuropa bezeichnet. Island wird geologisch ebenfalls zu Skandinavien gezählt, allerdings seltener.

Die Geopolitik beschreibt das außenpolitische Handeln von Staaten in bestimmten Regionen (*). Die geopolitische Sichtweise unterscheidet sich wesentlich von den geografischen Ansätzen.
Zu den sogenannten "Nordischen Länder" werden Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden gerechnet (*). Island gehört demnach zu dieser Region, die aber nicht als "Skandinavien" bezeichnet wird. Ein Leser könnte an dieser Stelle etwas ungeduldig werden. Aber – die Politik macht ihre eigenen Gesetze.

Sprachlich gehört das Isländische zu den nordgermanischen Sprachen (*). Diese bilden wiederum eine andere Gruppe als in den vorigen Betrachtungsweisen. Zu dieser Sprachenfamilie gehört Isländisch, Faröisch, Norwegisch, Dänisch und Schwedisch.
Im Hinblick auf die Frage, ob Island zu Skandinavien gehört, kann man dies bejahen – in sprachlicher Hinsicht.

Schließlich gibt es noch einen kulturellen Aspekt. Was ist Kultur? Das Ergebnis menschlichen Handelns. Technik, Kunst, Sprache, Gesetzgebung – diese Aspekte gelten als Kulturleistungen (*).
In dieser Hinsicht wird Island der Region Nordwest-Europa zugerechnet (*). Diese Region ist weitaus größer als der Bereich, den wir unter Skandinavien verstehen.
Zu der Region Nordwest-Europa werden ebenfalls Deutschland, England und Frankreich gezählt. Die kulturelle Einordnung ist daher für die gestellte Frage eher unscharf. Sie ergibt keine klare Antwort.

Fazit. Die Fragestellung ist vielschichtig. Als Ergebnis der hier verwendeten Informationen lässt sich feststellen: Island ist ein nordeuropäisches Land. Geografisch wird es eher selten zu Skandinavien gezählt. Sprachlich gehört es eindeutig zur Skandinavien.

Fazit

Was bleibt?
Möglicherweise neue Informationen, die interessant erscheinen. Vielleicht das Interesse an einem neuen Reiseziel bei den Nachbarn im Norden Europas.

(Bild: schreibspass bei Pagewizz.com)

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