Was kann ein Smart TV?

»Fern sehen« wird zum Teilbereich

Der Begriff Smart TV wäre sicherlich für die meisten zunächst nichtssagend, hätte man nicht schon ein wenig Erfahrungen mit dem Begriff Smartphone machen können. In der Tat, gehören Smart TVs zu den neueren Geräten, die jene eigentlich noch nicht in die Jahre gekommenen Flachbild TVs mit Höchstgeschwindigkeit vom Markt verdrängen dürften. »Smart« war früher ein Adjektiv mit dem man einen bestimmten Menschentypus beschrieb, heute bezeichnet es die (fast) Alleskönner unter den technischen Geräten. Wie schon das Smartphone wesentlich mehr kann, als nur Telefon zu sein, so stellt der Smart TV zahlreiche Funktionen zur Verfügung, die früher undenkbar gewesen wären. Man kann in Online Videotheken bzw. Mediatheken stöbern, über den TV chatten, Online Spiele spielen und sich Programme aus den App-Stores herunterladen. Es lassen sich mit dem Fernseher also zahlreiche Dinge machen, die man bisher vom PC her kennt und in gewisser Weise ist das der Kern des Smart TV – er ist Fernseher und PC in einem, mit den Schwerpunkten Medien und Onlinedienste.

Die besten Smart TVs

Subjektive Erfahrung zu den derzeit besten Modelle 2014

Mit dem Prädikat »beste« lehnt man sich naturgemäß etwas weit aus dem Fenster. Zwar ist vieles anhand technischer Spezifikationen nüchtern vergleichbar doch hängt gerade im Bereich Smart TV oder anderer Elektronik vieles auch von subjektiven Vorstellungen ab. So sorgt ein Ethernetanschluss beispielsweise für eine stabile Verbindung ins Internet, während WLan natürlich dort ideal ist, wo ein Kabel nicht so leicht zu verlegen ist. Die ausgewählten Smart TVs haben die meisten standardmäßig beides an Bord. Den erst diese Anschlussmöglichkeit macht einen Fernseher zu einem Smart TV. Ohne Internet oder Kommunikation mit anderen Geräten ist's einfach nicht wirklich »smart«. Eines muss allerdings gleich vorweg gesagt werden: In vollen Umfang auf das Internet zuzugreifen wie am PC ist bleibt voralufig auch bei den aktuellen Modellen ein reiner Wunschgedanke. Welche Inhalte wie und in welcher Form genutzt werden können, hängt ganz vom Gerätehersteller und seinem Angebot ab. Gleichwohl gibt es inzwischen einen Zusammenschluss, zwischen den großen Herstellen wie Toshiba, LG oder Panasonic, die an plattformübergreifenden Angeboten arbeiten – sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung.

Ein wesentlicher Punkt, der ein Smart TV »smart« macht, ist die Verwendung von Apps. Hierbei liegt der Schwerpunkt der Bandbreite momentan ganz klar auf dem Bereich Spiele und da wiederum, je nach Hersteller, auf eigene Besonderheiten. LG beispielsweise setzt auf eine Technik, bei der zwei Spieler gegeneinander antreten können. Mit einer Spezialbrille mit Polfilter, die es wahlweise auch von verschiedenen Herstellern gibt, sieht der Spieler seinen eigenen Teilbereich des Spieles als Vollbild. Einen anderen Weg schlägt hingegen Samsung ein. Dort setzt man auf die Steuerung der Apps durch Gesten und Augenbewegung, gewöhnungsbedürftig aber durchaus interessant.

Neben den zahlreichen Spiele-Apps, finden sich in den Angeboten auch viele nützliche und informative Miniprogramme, beispielsweise Apps für Nachrichten und Zeitungen oder – fast schon obligatorisch – unterschiedliche Wetter-Apps. Auch Apps mit denen man sich Film-Trailer aktueller Kinofilme ansehen kann findet man. Der Markt wächst derzeit zwar noch nicht in dem Umfang, wie man dies bei Android oder iOS kennt, dafür ist eine gewisse Übersichtlichkeit dadurch noch gegeben. Die schöne neue Welt ist aber, und das ist wie immer der Wermutstropfen, nicht jedes Angebot auch kostenlos. Gerade Angebote wie Online-Videotheken sind (eigentlich fast selbstverständlich) kostenpflichtig. Dafür laufen viele Apps für das Smart TV parallel zum Fernsehprogramm, so kann man etwa seine Lieblingsserie anschauen sich zugleich per Facebook mit seinen Freunden darüber austauschen oder Kommentare auf Twitter posten.

Ein Haken: Die Fernbedienung

Unterschiedliche Konzepte doch keines überzeugt wirklich

Ein zugegeben sehr nerviges Problem schon bei den herkömmlichen Flachbildfernsehern war die umständliche Bedienung und vor allem die Texteingabe per Fernsteuerung. Schon da war es für mich überhaupt nicht nachvollziehbar, weshalb die Entwickler nichts Sinnvolles zustande gebracht haben. Leider hat sich da auch bei den Smart TVs nicht wirklich etwas Bahnbrechendes getan. Noch immer ist es ausgesprochen umständlich über die Fernbedienung zu navigieren und Texte einzugeben. Die Beigabe von zwei unterschiedlichen Fernbedienungen für verschiedene Funktionen wie etwa bei LG, kann nicht wirklich die Lösung sein.

Smart Control macht Smartphone zur Universalfernbedienung
Logitech Harmony Smart Control

Auch das Herangehen von Philips überzeugt nicht unbedingt. Philips setzt auf eine Fernbedienung, deren eine Seite die bekannten Knöpfe aufweist, während auf der anderen Seite eine kleine Tastatur integriert ist. Doch zum Glück gibt es bei den aktuellen Smart TVs die Möglichkeit der Vernetzung und so erscheint die bequemste Lösung die Steuerung per Smartphone oder Tablet zu sein. Benötigt wird dabei jedoch eine passende App, die vom Hersteller zur Verfügung gestellt werden muss, wobei nicht jede App für jedes Model funktioniert und auch hier sehr unterschiedlcih auf Komfort Wert gelegt wird.

Hier nun die derzeit besten Smart TVs 2014

Ausgesucht nach den genannten Kriterien und subjektiven Eindrücken im Fachhandel getestet Die Reihenfolge der Nennung in diesem Artikel stellt keine Rangfolge dar, sondern ist willkürlich.

Philips 65PFL9708S Test

Für die kleine 45 Quadratmeter Einzimmerwohnung, ist der beeindruckende Riese zugegebenermaßen nicht gedacht. Dieser 65 Zoll Smart TV ist etwas für diejenigen, bei denen auch Platz genug ist, um nicht mit der Nase an den Pixeln zu hängen. Beim Stichwort Pixel sind wir aber bereits im Thema. Dieser LCD Smart TV zeigt selbstverständlich hochauflösende Bilder, was in diesem Bereich Standard ist, doch auch Filme oder Fernsehprogramme mit einer geringeren Auflösung werden ausgesprochen gut dargestellt. Sehr angenehm erscheint das integrierte Ambilight, das sich an die Farbstimmung des Fernsehbildes angleicht und das Bild somit nach außen hin auf die Wand absoftet. Philips ist es auch gelungen, ein ohnehin schon gutes HDTV-Bild über zahlreiche Bildverbesserungs-Engines und »Helferchen« noch schärfer und brillanter wirken zu lassen.

Was die Farben angeht (ein Thema, das sehr subjektiv diskutiert wird und bei dem jeder andere Vorlieben hat) so wartet der Philips Smart TV mit sehr natürlich wirkenden Farben auf, was manch einem möglicherweise zu neutral erscheinen mag, wie ich finde aber genau richtig ist. Selbst schnelle Schwenks oder Sportübertragungen erscheinen noch gestochen scharf und jede Einzelheit lässt sich dabei erkennen. Ausgestattet ist der Philips mit ausreichend Anschlüssen bzw. Schnittstellen. So besitzt er ganze fünf HDMI Schnittstellen, von den obligatorischen USB Anschlüssen gibt es drei inklusive USB-Recording und die »gewöhnlichen« Audio- und Videoeingänge. Internet- und netzwerkfähig ist der Smart TV durch WLan und Ethernet.

Ein wichtiger Vorteil was die Bedienung betrifft, ist die einfache und sichere Verbindungsmöglichkeit zu Tablet oder Smartphone.

LG 47LM960V Test

Mit 47 Zoll gehört der LG Smart-TV zu den Fernsehern, die in diesem Bereich mit einer angemessenen Größe aufwarten und in durchschnittlich große Räume passen. Mehr als durchschnittlich ist jedoch die Bildqualität. Gerade HD Material wie es etwa die öffentlich rechtlichen Sender liefern, werden von diesem Smart TV mit einer sehr hohen Detailtreue widergegeben und zeigen eine beeindruckende Tiefenwirkung. Was die Farbe angeht ist es wieder eine Frage der Vorliebe. Für meinen Geschmack geht der Farbton gerne etwas zu sehr in Richtung Rot, was für manchen aber auch mehr Wärme darstellen kann.

Im Übrigen lassen sich bei allen Smart-TVs natürlich die Farben über das Menü anpassen, so dass die jeweilige Grundtendenz zu kompensieren ist. Ebenfalls überzeugen kann der LG bei der 3D-Wiedergabe, wobei die Bilder nicht nur sehr plastisch wirken sondern zudem ausgesprochen Detailreich. Mit 4 HDMI Eingängen stellt der LG Smart-TV für die meisten Anwendungen ausreichend Anschlüsse zur Verfügung. Per Ethernet geht's ins Internet zu den bereitgestellten Anwendungen, wie etwa Youtube, Twitter oder Facebook. Für den 3D-Genuss mit der Familie oder den Freunden sind sieben Polarisationsbrillen dabei.

Sony KDL-55HX955 Test

Mit seinem 55 Zoll Panel und Hintergrundbeleuchtung macht der Sony KDL-55HX955 von Anfang an einen guten Eindruck. Einzig, wer auf etwas filigranere Optik Wert legt, wird am Sony eher vorbeigehen, weist das Gehäuse mit immerhin 4 Zentimetern doch einen recht breiten Rand auf. Ebenso ein Punkt, den man durchaus kritisieren kann, sofern man den Smart TV nicht an der Wand befestigt, ist die etwas sparsam dimensionierte Verbindung zwischen Fernseher und Standfuß. Im direkten Vergleich zu anderen muss er sich aber keinesfalls bezüglich der Bildqualität verstecken, sowohl im 2D Betrieb als auch in 3D darf man ihn mit gutem Recht als überdurchschnittlich gut bewerten. Der hohe Kontrast macht das Bild ausgesprochen lebendig und die Farbwiedergabe wirkt in keine Richtung übertrieben sondern sehr natürlich. Es gibt zwar Modelle, die noch mehr Bildschärfe vorweisen können, doch ist es dort ebenso wie bei der Farbe: Zuviel ist einfach nicht mehr natürlich und verfremdet das Bild.

Der Sony hat auch in diesem Bereich noch überdurchschnittliche Werte aber in einem Rahmen der die Sehgewohnheit nicht stört, sondern einen überzeugt und eine Bildtiefe erzeugt, die Filme erlebbar macht.

Ausgestattet ist der Sony KDL-55HX955 sowohl mit WLan als auch mit Ethernet und besitzt 4 HDMI Schnittstellen. Für analoge Signale stellt er ebenso verschiedene Eingänge und Ausgänge zur Verfügung, etwa für einen analogen Rekorder. Zum Anschluss externer Speichermedien gibt es zwei USB Anschlüsse.

Samsung UE46F6470 Test

Etwas eleganter im Sinne von schlichter als der Sony, zeigt sich der Samsung UE46F6470. Der schmale Rand des Gehäuses gibt ihm zudem ein zeitloseres Aussehen. Im Vorbeilaufen im Fachhandel mag der eine oder andere, der einen großen Bildschirm sucht, den Samsung möglicherweise links liegen lassen, da er kleiner wirkt, als er tatsächlich ist. Der schmale Rand kommt der Bildschirmdiagonale zugute. Die Bildqualität ist recht gut, wenngleich nicht unbedingt Top. Zu bedenken ist dabei natürlich immer, dass dieser Eindruck in direktem Vergleich entsteht, man Zuhause auf dem Sofa eben diesen Vergleich nicht hat und somit mit keinerlei »gefühlten Einbußen« zu rechnen hat. Immerhin handelt es sich bei den hier vorgestellten Modellen allesamt um empfehlenswerte Smart TVs.

Beim subjektiven Farbempfinden geht das Bild beim Samsung etwas zu stark ins Rötliche und wirkt (für meinen Geschmack) nicht so sehr natürlich, wie bei anderen Modellen. Die Widergabe von Filmen in 3D ist sehr plastisch und so wie man es sich wünscht. Lediglich die Schärfe ist zwar nicht schlecht, aber dürfte, je nach Sehgewohnheit, noch etwas besser sein.

Sowohl WLan als auch Ethernet sind vorhanden, ebenso vier HDMI Schnittstellen. 3 USB Schnittstellen sorgen für weitere Anschlussmöglichkeiten u.a. für USB-Recording.

Smart TV und Datenschutz

Das Thema Datenschutz wird immer wichtiger, die Datenübertragung dabei jedoch immer selbstverständlicher und das Verhalten vieler Nutzer immer sorgloser

Welchen Aufstand gab es Anfang der 1980er Jahre, als es zur Volkszählung kommen sollte. Heute gibt jeder ohne nachzudenken mit einem Klick im Internet mehr von sich Preis als damals auf mehreren Bögen Papier. Und doch, keiner beschwert sich. Sicher, die Zeiten ändern sich und so auch die Bedürfnisse. Dennoch ist dies eine sehr bedenklich Entwicklung. Die schöne bunte Welt der Apps trägt dabei in gigantischem Maße dazu bei, dass Daten vom Smartphone an die Betreiber gesendet werden und zwar in großen Maße solche, die für die Nutzung der App nicht im Geringsten notwendig wären. Oder weshalb benötigt eine Fitness-App meine Kontaktdaten, mein Ernährungsberater-App meine Kamera oder mein Photoalbum mein Telefon? Mit Apps wie dem »Permission Manager« kann man zwar dem Datenhunger wirkungsvoll etwas Einhalt gebieten, doch alleine die Tatsache, dass man selbst etwas dagegen unternehmen muss, ist eigentlich nicht hinnehmbar.

Nun gibt es nicht nur Smartphones sondern auch Smart TVs und auch diese haben teilweise einen ganz ordentlichen Datenhunger sobald sie mit dem Internet verbunden sind. Wenn es der Hersteller oder der Fernsehsender möchte, kann er erfassen, welche Sendung zu welchem Zeitpunkt angesehen wird. Wie das geht? Das Zauberwort ist hier HbbTV. Hinter dieser Abkürzung steckt »Hybrid broadband broadcast TV« ein europäischen Standard der für die Kombination Internet und Fernsehen steht. Hierdurch kann der Fernsehzuschauer über sein Smart TV Zusatzangebote des jeweiligen Senders nutzen, etwa eine elektronische Programmzeitschrift (EPG-Funktion), Videotext oder anderes. Dies setzt voraus, dass Daten ausgetauscht werden, allerdings kann man das auf unterschiedliche Art und Weise machen. Einerseits können diese Daten völlig anonymisiert getauscht werden, lediglich um die Funktionen bereitzustellen, andererseits eben auch überverhältnismäßig und zur Auswertung bestimmter Verhaltensweisen. Auffällig besonders dann, wenn gezielt Werbung eingeblendet wird, wofür insbesondere Privatsender in der Kritik stehen. Google Analytics, bekannt auch bei Anbietern im Internet, leistet hier seine »guten« Dienste. Es empfiehlt sich unbedingt, sich auf den Seiten der jeweiligen Sender kundig machen und nachzulesen wie sie es mit dem Datenschutz halten, wobei die Formulierungen erfahrungsgemäß wohlklingend und offenbar gutüberlegt ausgearbeitet wurden. Die ARD beispielsweise setzt ihrer Angabe zufolge kein Google Analytics ein. Auch lässt sich das Setzen von Cookies unterbinden, denn, und das ist wichtig zu wissen, HbbTV-Angeboten lassen sich auch ohne Cookies nutzen!

Wer allso die vollen Vorteile eines Smart TVs nutzen möchte, muss gewisse Kompromissen beim Datenschutz eingehen, doch ein vorheriges Informieren und ein umsichtiger Umgang macht auch den Fernsehgenuss mit einem Smart TV sicher.

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