Kommen Sie den Kostenfressern auf die Spur!

Wohlige Wärme hat ihren Preis. Und das liegt nicht nur daran, dass Öl und Gas teurer werden: Gut funktionierende Heizungen sind eher die Ausnahme als die Regel, sagen Experten. Fast 90 Prozent aller Anlagen sind in Teilen nicht auf dem aktuellen Stand und dadurch alles andere als effizient.

Dabei ließe sich gerade bei Heizkosten so viel sparen. Ein Beispiel: Das Mehrfamilienhaus mit 450 Quadratmetern Wohnfläche ist kaum gedämmt, die Ölheizung stammt aus dem Jahr 1990. Der Verbrauch ist hoch, er liegt bei 200 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Bei einem Ölpreis von sieben Cent pro Liter kommen im Jahr 6300 Euro an Energiekosten zusammen. Ein moderner Brennwertkessel würde die Energiekosten pro Jahr um 1000 Euro senken. Dazu müssten etwa 10.000 Euro in eine neue Anlage investiert werden. Doch wann lohnt die Heizungsmodernisierung wirklich? Es gibt einige Anhaltspunkte, um einzuschätzen, wie effizient eine Heizung arbeitet.

1. Den Energieverbrauchskennwert bestimmen

Mit einer Faustformel lässt sich der Energieverbrauchskennwert berechnen, der eine Orientierung gibt, wie effizient die Heizung ist. Dazu sind nur Angaben wie der Verbrauch an Öl oder Gas sowie die Wohnungsgröße nötig – also Dinge, die in der Nebenkosten-Abrechnung stehen. 

Schritt 1: Zunächst muss der Verbrauch an Erdöl und Erdgas in Kilowattstunden umgerechnet werden:

Heizölverbrauch (Liter/Jahr) x 10 = Kilowattstunden/Jahr (kWh/a)

Erdgas (m3/Jahr) x 10 =
Kilowattstunden/Jahr (kWh/a)

 

Schritt 2:  Wird mit der Heizung auch das Warmwasser erzeugt, müssen vom Verbrauch zunächst 1000 Kilowattstunden pro Person/Jahr abgezogen werden. 

 

Schritt 3: Energieverbrauchskennwert bestimmen:

Kilowattstunden/Jahr (kWh/a) durch die Wohnfläche (m2) teilen = Energieverbrauchskennwert kWh/(m2.a)

Stichwort: Kostenfalle Heizöl

83 Prozent der Energie wird laut TNS Infratest im Durchschnittshaushalt für Heizung und Warmwasser verbraucht. Das Sparpotenzial schätzt die Mehrheit der Deutschen jedoch anders ein. Die Hälfte ist der Meinung, dass sich beim Stromverbrauch viel einsparen lässt. Das ergab 2011 eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Marplan im Auftrag des Energiemanagers Techem.

Hinzu kommt, dass der Heizöl-Preis rasant steigt: 2013 war das zweitteuerste Jahr mit durchschnittlich 85 Euro pro 100 Liter. Nutzer einer Ölheizung zahlen heute mehr als doppelt so viel wie vor zehn Jahren. Für einen Vier-Personen-Haushalt in einem normalen Altbau bedeutet das fürs Heizen Mehrkosten von 1000 Euro pro Jahr im Vergleich zu 2003.

Energieverbrauchskennwert: Auswertung

Bleibt der errechnete Energieverbrauchskennwert unter 100 Kilowattstunden, gibt es kaum Einsparpotenziale. Liegt der Wert zwischen 100 und 200 lässt sich das Gebäude mit gezielten einzelnen Maßnahmen optimieren. Ab 200 Kilowattstunden besteht dagegen dringender Handlungsbedarf. Meist liegt das nämlich nicht nur an der Heizung, sondern an Faktoren wie mangelnde Dämmung oder zugige Fenster. In solchen Fällen dürfte sich eine Energieberatung bezahlt machen.

2. Der Gang in den Heizungskeller


Das Baujahr eines Heizkessels lässt sich am Typenschild ablesen.Ungedämmte Rohre: Aufschlussreich ist in jedem Fall ein Gang in den Heizungskeller: Wenn es dort wohlig warm ist, deutet das bereits auf Wärmeverluste durch schlecht gedämmte Rohrleitungen hin. Natürlich spielt auch das Alter der Anlage eine Rolle: Bei 15 bis 20 Jahre alten Kesseln lohnt es sich generell, über einen Austausch nachzudenken, sagen Experten. Denn neue Anlagen heizen viel sparsamer. Das Baujahr lässt sich ganz leicht am Typenschild ablesen, das immer direkt am Heizungskessel angebracht ist. 

Die Vorlauftemperatur liegt bei einem Standardkessel zwischen 70 und 90 Grad Celsius.Vorlauftemperatur richtig einstellen: Außerdem sollte der Blick auf die Anzeige der Vorlauftemperatur fallen. Je nach Jahreszeit liegt sie bei einem Standardkessel zwischen 70 und 90 Grad Celsius, bei einem Niedertemperatur- oder einem Brennwertkessel sollten es dagegen nicht mehr als 40 bis 70 Grad sein. Ist die Vorlauftemperatur nämlich zu hoch eingestellt, verbraucht die Heizung unnötig viel Öl oder Gas.

3. Heizkörper regelmäßig entlüften

Wenn's gluck

In der Wohnung selbst sind ungleichmäßig warme oder gluckernde Heizkörper ein Signal, dass Luft im System ist, das das warme Wasser im Heizkörper verdrängt. Mit einem Entlüftungs­schlüssel lässt sich da innerhalb von Sekunden Abhilfe schaffen. Einfach aufdrehen und die Luft so lange entweichen lassen, bis Wasser nachkommt. Vorsicht, es kann tropfen!

Wasserdruck kontrollieren: Werden Heizkörper im oberen Stockwerk nicht ganz bis oben warm, kann das darauf hindeuten, dass der Wasserdruck zu niedrig ist. Deswegen kommt das warme Wasser nicht ganz oben an. Am Heizkessel findet sich eine Anzeige, wie hoch der Druck ist. Er kann ganz leicht erhöht werden, indem man zusätzlich Wasser ins Rohrsystem leitet. Der Heizungsmonteur zeigt gerne, welcher Wasserhahn dazu geöffnet werden muss. 

Tipp: Genial, um die Wärme des Heizkörpers im Raum zu halten und nicht gleich wieder über die Mauer nach draußen abzugeben, sind sogenannte Reflexionsfolien, die hinter dem Heizkörper angebracht werden. Sie strahlen die Wärme in den Raum zurück. Besonders sinnvoll sind sie bei Heizkörpern an Außenwänden. Denn sonst verschwindet ein Teil der Wärme durch die Wand direkt nach draußen.

Die silbernen Folien müssen nicht unbedingt festgeklebt werden: Mit Reiß­zwecken lassen sie sich auch gut befestigen. Der Vorteil: Dann lassen sich die Reflexions­folien während des Sommers problemlos abnehmen. 

4. Hydraulischer Abgleich: Wenn Heizkörper verschieden warm werden

Komplizierter wird es, wenn einzelne Heizkörper auf einer Etage verschieden warm werden: Einer wird nur lauwarm, der andere bei gleicher Einstellung heiß. Gerade bei Wohnungen auf mehreren Etagen kommt es vor, dass Heizkörper in den unteren Stockwerken – also in der Nähe der Heizungspumpe – heißer werden als in oberen. Das hat damit zu tun, dass das warme Wasser nicht gleichmäßig verteilt wird. Mit einer leistungsstarken Heizungspumpe lässt sich zwar der Druck erhöhen, so dass auch die oberen Stockwerke etwas abkriegen – energetisch günstig ist das aber nicht: Denn eine stärker belastete Pumpe verbraucht auch mehr Strom. Experten raten deswegen in solchen Fällen eher zu einem hydraulischen Abgleich. Bei pumpnahen Heizkörpern werden über Thermostate und Ventile höhere Widerstände erzeugt, so dass das ganze Gebäude bis ganz oben gleichmäßig mit warmem Wasser durchströmt wird. Der hydraulische Abgleich ist eine Sache für Fachfirmen. Sie sollten nach speziellen Qualifikationen und Erfahrungen in diesem Bereich fragen. Nicht alle Betriebe können das.

5. Heizspiegel: Wie viel Energie im Durchschnitt verbraucht wird

Der Heizspiegel ist eine weitere Möglichkeit, um abzuschätzen, inwieweit Ihr Energieverbrauch gering, durchschnittlich oder überhöht ist. Er enthält Vergleichstabellen zum Heizenergieverbrauch und zu den Heizkosten. Das gibt eine grobe Orientierung, wie wirtschaftlich eine Heizungsanlage arbeitet.

Eine Beispielsrechnung: Der Energiedienstleister Techem hat für das Jahr 2012 anhand von konkreten Abrechnungsdaten ausgerechnet, wie viel Energie die Deutschen zur Erwärmung ihres Trinkwassers benötigten: Demnach verbrauchen die Deutsche pro Kopf 98,3 Liter Warm- und Kaltwasser pro Tag, davon 30,5 Liter als Warmwasser. Der durchschnittliche Energieverbrauch zur Erwärmung lag bei 28 kWh/m2 Wohnfläche (Heizöl), 33 kWh/m2 (Erdgas) und 27 bei kWh/m2 (Fernwärme). Die Durchschnittskosten pro m2 Wohnfläche lagen bei rund 2,32 € für Heizöl, bei 2,08 € für Erdgas und bei rund 2,80 € für Fernwärme.

6. Weitere Infos und Beratung

Qualifizierte Energieberater finden: Mit das wichtigste Qualitätsmerkmal für einen guten Energieberater ist der Eintrag in die Expertenliste der Deutschen Energie-Agentur (dena). Um dort einen Eintrag zu erhalten, muss der Energieberater eine Weiterbildung von 120 bis 200 Stunden absolvieren, eine Ausbildung als Architekt, Ingenieur oder Handwerker haben und sich zu seiner strikten Neutralität gegenüber Firmenprodukten bekennen.

Kostenfreies Beratungstelefon: Eine erste Auskunft gibt es auch beim kostenfreien Beratungstelefon von Zukunft Altbau, einem Programm des baden-württembergischen Umweltministeriums, unter Tel. 08000/12 33 33. Dort beantworten Experten neutral und unabhängig Fragen zu der energetischen Gebäudemodernisierung, den aktuellen Fördermitteln und senden auf Anfrage Informationsmaterial zu.

Online-Heizcheck der Deutschen Energieagentur: Mit dem Heizcheck der Deutschen Energieagentur (dena) können Sie die mögliche Energieeinsparung für einzelne Modernisierungsmaßnahmen errechnen.

Im Winter richtig heizen und lüften: So geht's

1. Warum soll man morgens und abends immer lüften?

Das Hauptproblem beim Heizen im Winter ist die Luftfeuchtigkeit. Wird zu wenig gelüftet, drohen Schimmel und Kondensatfeuchte. Außerdem erwärmt sich feuchte Luft nicht so gut. Deswegen: Morgens kurz die Heizung abdrehen und für ein paar Minuten das Fenster ganz aufreißen, damit die feuchte Luft ausgetauscht wird. Ideal ist es, mit zwei offenen Fenstern für Durchzug zu sorgen. Denn dann geht es schneller, die Wände kühlen nicht aus. Anschließend den Heizkörper wieder anstellen. Auch im Schlafzimmer! Sonst bleibt die Feuchte im Raum.
 

2. Wie warm sollten Räume im Winter gehalten werden?

Am besten für die Bausubstanz sind 20 Grad – rund um die Uhr. Eine Nachtabsenkung um drei Grad spart so gut wie keine Energie. Denn das schlägt sich in massiven Gebäuden kaum in der Raumtemperatur nieder. Aber das Hochfahren der Heizung am nächsten Morgen kostet zusätzlich Energie. Deswegen spart die Nachtabsenkung bei normal isolierten Häusern weder Energie, noch Kosten.
 

3. Warum sollten Fenster im Winter nie gekippt sein?

Bei gekippten Fenstern ist der Luftaustausch nur gering. Dafür kühlen die Wände unverhältnismäßig stark aus. Und besonders freut sich der Schimmel an den ausgekühlten Fensterleibungen. Denn dort schlägt sich bevorzugt die Feuchtigkeit nieder.
 

4. Warum ist Feuchtigkeit besonders im Winter ein Problem?

Je kühler die Raumluft, desto weniger Feuchtigkeit kann sie aufnehmen. Doch Feuchtigkeit wird in Wohnung ständig produziert: Der Mensch verdunstet Wasser, selbst wenn er schläft. Hinzu kommt das Duschen und Kochen. Pro Tag gibt der Mensch im Schnitt drei Liter Wasser an die Raumluft ab. Wäschetrocknen und Pflanzen noch gar nicht mitgerechnet. Da jeder Kubikmeter Luft im Raum bei 20 Grad nur 17 Gramm Wasser binden kann, ist das Limit schnell erreicht. Die Feuchtigkeit schlägt sich nieder. Es kann zu Schimmel kommen.
 

5. Wohin geht die Feuchte, die die Luft nicht aufnehmen kann?

Die Restfeuchte geht zunächst in die Bettwäsche, in Gardinen, in Kleider, die zum Lüften am Haken hängen. Jeder kennt dieses klamme Gefühl, den muffigen Geruch. Zum Teil nehmen auch Böden und Wände Feuchtigkeit auf, wenn sie offenporig sind. Außerdem: Relativ feuchte Luft heizt sich nur schwer auf und macht ein unangenehmes Raumklima. Um das zu verhindern, hilft nur: Lüften. Gründlich. Mindestens zwei Mal am Tag. Womit wir wieder bei Punkt eins wären...

Fotos: Mondstein

Mondstein, am 08.08.2012
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