Was bedeutet der Name "Sissi"?

Sissi ist eine Kurzform von Elizabeth. Ihr vollständiger Name lautete Elizabeth Amalie Eugenie (*). Sie wurde nach ihrer Heirat mit dem Kaiser Joseph I. von Österreich zur Kaiserin von Österreich und zur Königin von Ungarn. Sissi lebte im 19. Jahrhundert, etwa zwischen 1840 und 1900.

Vor dem ersten Weltkrieg existierten in Europa zahlreiche König- und Kaiserreiche. Mit der Niederlage von 1918 wurden in Deutschland und in Österreich, und in einigen anderen Ländern, die Dynastien vertrieben, und es wurden Republiken bzw. ähnliche Staatsformen gegründet.

Die Kurzform ihres Namen hat die Kaiserin sich der Legende nach übrigens selbst ausgewählt. Sie nannte sich sowohl Sisi als auch Lisi. Die Sissi mit den zwei "s" wurde in den 1950er Jahren von den Filmproduzenten erschaffen, aus verlagsrechtlichen Gründen, so erfährt man (*).

Schicksal und persönliche Stärke

Warum sehen sich heute noch so viele Menschen Sissi-Filme an?
Ein tierliebes Mädchen wird erwachsen. Sie ist überaus hübsch - so möchte manche andere Frau ebenfalls aussehen. Sie ist sportlich, die Zofen kommen beim Joggen nicht mit. Sie heiratet einen Traumprinz. Es folgt eine Traumhochzeit und ein Leben in höfischem Saus und Braus.

(Bild: hans)

(Bild: rihaij)

Das strenge höfische Zeremoniell gießt ständig einige Wermutstropfen in diesen paradiesischen Lifestyle. Da versucht der Wildfang hin und wieder auszubrechen. Sympathisch.
In der Wirklichkeit war die ganze Geschichte wohl etwas komplizierter, aber dafür wurde die Traumfabrik halt gegründet: um Träume zu fabrizieren.

Pro und contra

Die Film-Kritiken aus jenen 1950er Jahre lassen den späteren Betrachter ggffs. mit einigen Fragezeichen zurück.

Anspruchsloser Heimatfilm, so wird eine Kritik zitiert(*). Allerdings wird den Sissi-Filmen gleichermaßen ein romantischer Unterhaltungswert, als ein Film mit Gefühl, attestiert. Mehr als 20 Millionen Zuschauer sollen die drei Sissi-Filme in den Jahren zwischen 1955-1957 gesehen haben. Nur der "Förster vom Silberwald" war demnach an den Kassen noch erfolgreicher, mit 28 Millionen Kinogängern.

Für einen Augenblick lehnt sich der Bürger von heute einen Moment zurück. 1955, das waren zehn Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges. Deutschland war schwer zerstört worden, und die Menschen hatten viel mitgemacht. Mitte der 50er Jahre war Nachkriegszeit, Wirtschaftswunder Zeit, und da haben die Menschen ihr Defizit an heiler Welt aufgefüllt. Das kann man ein Stück weit nachvollziehen, wenn man will.

Dann gibt es von den Kritikern noch einen Seitenhieb auf die Royalisten. Wer sind die Royalisten? Die Anhänger des Königstums (*) in England werden so genannt. Bei uns würde man sagen, dies sind Menschen, die ihren "Kaiser Wilhelm wieder haben" wollen.
Reflektieren die Wiederholungen der Sissi Filme im weihnachtlichen TV-Programm eine stille Sehnsucht nach dem König oder Kaiser, der alles wieder richtet? Das wäre schon seltsam, wo sich unsere Großeltern Anno 1949 doch so gefreut haben sollen, dass sie wieder wählen gehen durften.

Leibeigenschaft

Heute kann ein Bundesbürger, je nach Ausbildung und Kapitalkraft, eine Strandbar auf Mallorca eröffnen oder als Programmierer im Silicon Valley arbeiten.
Zu Sissis Zeiten standen die "Leute" unter der "persönlichen Verfügungsbefugnis eines Leibherren" (*). Für Menschen von heute kann diese Erkenntnis ein echtes Wow-Erlebnis hervorrufen. Leibeigenschaft bedeutet die Pflicht zu Frondiensten und die Wohnsitzpflicht auf dem Gutshof des Lehnherrn (*). Mit Malle war nichts, um es einmal flappsig auszudrücken.

Möglicherweise hat mancher Sissi-Filmfan diese Realität der Leibeigenschaft noch nicht genauer überlegt, aber sie erscheint wie eine historische Tatsache. Eine zeitgenössische "Sissi Reality Show" ist bisher nicht bekannt geworden.

Bei einem nachdenklichen Souverän, wohnhaft in der Staatsform Republik, bleibt ein seltsames Gefühl zurück. Sissi kann als eine Art von Lady Di in der Version der 1950er erscheinen. Die Figur und das Ambiente erfüllen den Zuschauer mit Bewunderung. Und sie vermitteln ihm eine traumhaft erscheinende Sicherheit in der Art, dass früher die adligen Herrschaften alles so richteten, wie es Gott gefiel. Ist das die Message der Sissi-Filme im Weihnachtsprogramm?
Das Alternativprogramm müsste dann sagen: mach dein Ding - nach den Weihnachtsferien geht es weiter.

Autor seit 2 Jahren
181 Seiten
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