Fragen, die gar keine Fragen sind - Wenn die Antwort plötzlich die Falsche ist

Gibt es wirklich noch ein ehrliches Interesse an den Sorgen und Problemen anderer Menschen? Oder ist das ganze Geplänkel einfach nur oberflächlich, damit man genügend Zeit für sich selbst hat? Ich möchte hier keine exakt recherchierten Analysen breittreten, oder irgendwelche Fachreferate halten, ich möchte mit diesem Artikel lediglich einige meiner Gedanken preisgeben, die mir schon lange durch den Kopf gehen, und mich oft zum grübeln bringen.

 

Bestimmt kennt jeder von uns das tägliche Geplauder mit der Nachbarin, man trifft sich im Geschäft, wechselt ein paar belanglose Worte, und meistens stellt einer die Frage:"Na, wie geht's?" Jetzt mal ganz ehrlich. Wenn Sie diese Frage stellen, erwarten Sie nicht eigentlich etwas wie "Alles in Ordnung. Mir geht's gut", als Antwort?

 

Aber was passiert, wenn nun eine ganz andere Antwort kommt. Wenn Sie plötzlich erfahren, dass die Nachbarin große Probleme hat, dass deren Tochter schwer krank ist, oder etwas Ähnliches. Haben Sie dann wirklich Lust, sich diesem Problem anzunehmen? Hat man Zeit, oder will man die eigene Zeit investieren, um einem anderen Menschen zu helfen? Ich jedenfalls habe oft den Eindruck, dass viele Fragen sehr oberflächlich sind, und eine wahre Antwort eigentlich niemanden interessiert.

 

Schade, denn vielleicht ist gerade das ein Grund, warum so viele Menschen einfach weg gucken, wenn irgendwo ein Unrecht oder ein Verbrechen passieren. Getreu dem Motto, "das geht mich nichts an", schaut man weg und tut, als wäre nichts gewesen. Was aber, wenn man selbst irgendwann in eine Situation gerät, in der man auf die Hilfe fremder Menschen angewiesen ist. Und was passiert, wenn dann alle wegschauen?

 

Offen und ehrlich – das fällt auf - Die Gesellschaft hat sich geändert

Sagt man heute offen und ehrlich seine Meinung, egal ob es im Gespräch mit dem Nachbarn, oder in der Arztpraxis ist, wird man meist ungläubig angeschaut. Wie kann man denn nur einem Arzt widersprechen? Naja, warum denn nicht. Ich wurde damals von dem Arzt persönlich aus der Praxis geworfen, nur weil ich mich nicht damit einverstanden erklärt habe, meinem Sohn prophylaktisch die Mandeln herausnehmen zu lassen.

 

Warum muss man der Kindergärtnerin immer Recht geben, wenn man doch zuhause vieles ganz anders macht? Muss man als gute Mutter den Mund halten, wenn das eigene Kind im Kindergarten unfair behandelt wird, nur weil alle Mütter den Mund halten? Wie soll sich jemals etwas an diesen Dingen, die uns eigentlich nicht gefallen ändern, wenn sich keiner traut etwas zu sagen?

 

Beispiel:

 

In dem Kindergarten, den mein Sohn damals besuchte wurde für die Feier zu St. Martin gesammelt. Es wurde ein Martin mit Pferd versprochen, die Kinder sollten an das Martinsfeuer geführt werden, wo St. Martin dann seine Geschichte erzählen sollte. Dann kam der große Tag und alle Kinder standen zusammen mit den Eltern vor dem Kindergarten, hatten die Laternen an und warteten gespannt auf den St.Martin und natürlich auf das Pferd. Fast eine Stunde zu spät kam dann ein ziemlich angetrunkener Mann mit rotem Kittel unter dem Arm an, und hat sich diesen vor den Kindern übergeworfen. Von dem Pferd war weit und breit keine Spur zu sehen, dafür wurde der Zug nun von einem nach Schnaps stinkenden und wankenden pferdelosen Martin angeführt. Von allen Müttern und Vätern war ich die Einzige, die die Kindergartenleitung gefragt hat, ob Sie uns eigentlich ver*****schen will.

Niemand sagt etwas - ...dafür wird’s brutal

Im Supermarkt stehen wir stundenlang an der Kasse und warten brav, während nebenan drei oder vier Kassen gar nicht erst besetzt sind. Zum Schluss lassen wir uns von der Kassiererin noch in einem unfreundlichen Ton um Kleingeld bitten, bedanken uns für diesen Service und gehen brav nach Hause.

 

Busse fahren einfach an uns vorbei, und wir warten wieder brav auf den nächsten Bus, und kommen gar nicht erst auf die Idee, uns bei dem Busunternehmen zu beschweren. Ich kann mir selber nicht erklären, warum das so ist, und wäre froh, wenn mir jemand seine Sicht der Dinge nennen könnte.

 

Warum werden so viele Probleme mit Gewalt geregelt? Wenn ein Vater ein kleines Kind mitten auf der Straße schlägt, dann kann mir jetzt vielleicht jemand die Antwort geben, warum keiner der anderen erwachsenen Passanten einschreitet und dem Kind hilft? Alle schütteln zwar den Kopf, doch dann gehen Sie weiter, als wäre nichts passiert. In dem Moment frage ich mich, was ist schlimmer für das Kind: Der Vater, der schlägt, oder die vielen Leute, die nicht helfen...

 

 

Autor seit 5 Jahren
85 Seiten
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