Mindmaps als Hilfe - Mindmapping - oft beschrieben, aber selten angewendet

Sicher habt ihr schon von der Methode des Mindmapping gehört. Dabei schreibt man in die Mitte eines Zettels den zentralen Begriff, die Frage, oder das Thema, zu dem man Ideen sammeln will. Alsdann

Gruppiert ihr Begriffe, die mit diesem zentralen Stichwort zu tun haben um diesen herum, Jedes dieser Stichworte wird eingekreist und mit einem Strich mit dem zentralen Thema verbunden. Von nun an  kann auch jedes neue Stichwort als Ausgangspunkt betrachtet werden. Verfahrt mit den neuen Stichworten einfach genauso, wie mit dem ersten, also findet wiederum Unterpunkte, Assoziationen und Stichworte zu diesen neuen Begriffen.

Dies könnt ihr fortsetzen, bis ihr das Blatt voll ist. Ihr habt nun symmetrische Assoziationsketten vor euch. Symmetrisch heißt in diesem Zusammenhang, dass diese Ketten vorwärts wie rückwärts gelesen werden können. Das anfängliche Stichwort führt euch genauso zum letzten Unterpunkt, wie ihr auch von diesem auf direktem Wege bis zum Anfangsbegriff gelangt. Alle Begriffe auf dem Blatt stehen nun also in einer Beziehung zueinander. Dabei werdet ihr feststellen, dass dieses Verfahren dazu führt, Zusammenhänge und Beziehungen zwischen Ideen und Begriffen zu sehen, die ihr vorher nie vermutet hättet.

 

Beispiel für ein Mindmap gefällig?

Stellt euch vor, ihr sollt ein Referat über Das Thema Farbe halten (um es mal auf einen einzigen Begriff zu beschränken). Ihr kreist das Wort Farbe also ein und schreibt eure erste Assoziation dazu.

Nehmen wir an, diese Assoziation heißt Picasso.

Von dort ausgehend fällt mir folgende Kette ein: Maler, Gemälde, Bilder, Leinwand, Staffelei. Das soll reichen. Ausgehend vom Stichwort Bilder wiederum fällt mir ein: Fotos, Kamera, Film, Technik, Forschung, Forscher, Einstein, Relativitätstheorie, Relativität.

Nun wieder zurück zum Begriff Farbe, in der Mitte des Blattes. Eine zweite direkte Assoziation zu Farbe ist für mich das Wort Öl. Von dort aus könnte es so weitergehen: Raffinerie, Industrie, Industrialisierung, Gewerkschaften, Gesellschaft.

Das Prinzip dürfte nun klar sein. Von jeder direkten Assoziation zum Wort Farbe gehen weiterführende Gedankenkette aus, in denen sich jedes weitere Stichwort aus dem vorhergehenden ableitet.  Jeder Begriff kann wiederum Ausgangspunkt für eine neue Kette sein. Die graphische Darstellung auf dem Blatt Papier gewährleistet, dass ihr immer das Gesamtbild im Auge habt. Beim bloßen Aufschreiben geht eher die Übersichtlichkeit verloren. Hier habe ich nur nicht die Möglichkeit, einer graphischen Darstellung.

Mindmapping? Was nützt mir das?

Ihr habt also euer Thema (Farbe) und sucht einen Zugang dazu. Jetzt habt ihr eure Mindmap erstellt und befragt sie genau danach, nämlich, wie ihr an dieses Thema herangehen könnt und was alles damit zu tun hat. Jede Erstassoziation zum Wort Farbe stellt einen potenziellen Zugang zum Thema dar. Da hätten wir ersten Picasso und zweitens Öl. Schon die beiden Hauptideen haben miteinander zu tun, denn Picasso malte in Öl. Der Zugang zum Thema, der beide Zugänge vereint, könnte also lauten: Die Farbe in der bildenden Kunst. Andererseits gibt die Mindmap auch andere Themenkomplexe her. Zum Beispiel: Die Farbe in der Industrie (oder industrielle Verarbeitung von Farbe). Oder auch: Farbe und Gesellschaft. Dieses Thema wiederum bietet viele mögliche Komponenten, denn Gesellschaft an sich ist j schon ein weites Feld.

Man könnte sich über gesellschaftliche Farbcodes Gedanken machen, die überall vorkommen. Mir fällt dazu das weiße Hochzeitskleid ein, die schwarze Trauerkleidung, der Blaumann bei Handwerkern und vieles mehr.

Farbe als Thema ist nun sicher sehr offen. Meist muss man sich im Studium ja mit wesentlich stärker eingegrenzten Themen befassen. Allerdings werdet ihr feststellen, dass gerade in solchen engen Feldern die Stärken der Mindmaps liegen, da sie euch helfen, ganz neue und originelle Blickwinkel zu finden, unter denen diese Spezialfragen betrachtet werden können. Versucht es mal.

 

Wie setze ich das um?

Jetzt kommen wir zur eingangs erwähnten Informationsauswahl, oder zu der Frage, was denn für euch nun wissenswert ist. Angenommen ihr studiert Geschichte und euer Referatsthema heißt: Die Farbe in der Geschichte. Ihr habt nun euer Mindmap zu Thema Farbe gemacht und euch die verschiedenen Zugangsmöglichkeiten vergegenwärtigt. Nehmen wir mal die Farbcodes in der Gesellschaft. Auf den ersten Blick ist das ein Thema der Psychologen oder Soziologen. Historiker scheinen hier nichts verloren zu haben. Aber ein Historiker wird sich sagen: Gut, dann frage ich doch mal der Geschichtlichen Entwicklung solcher Farbcodes. Zu ungenau? Gut, dann weiter spezifiziert: Der geschichtliche Ursprung der Leitfarben der politischen Parteien in Deutschland. Das ist doch mal ein Thema, oder? (ja, ich weiß: Ist Geschmackssache).

Spätestens jetzt kennen wir unser Rechercheziel: Wir müssen und über die Geschichte der politischen Parteien informieren, über Farbwahrnehmung und psychologische Wirkung von Farben, wahrscheinlich über die Weimarer Republik und wir müssen der Frage nachgehen, wo zum Beispiel die SPD in den Medien erstmals als rot bezeichnet wurde, oder wer auf die Idee kam, der FDP die Farbe Gelb zuzuordnen. Alles klar?

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Rene_Junge, am 03.09.2012
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Bildquelle:
Reisefieber (Wo kann man Tourismus studieren?)

Autor seit 4 Jahren
31 Seiten
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