Die Vorteile des Trampen

Trampen ist kostenlos. Trampen ist das Transportmittel der Wahl, wenn du mit wenig Geld reisen möchtest. Planst du eine längere Rundreise, verschlingen die Transportkosten oft schon einen Großteil deines Budgets. Wenn du stattdessen per Anhalter fährst, sparst du jede Menge Geld ein und kannst so die Reise vielleicht sogar etwas verlängern, da dein übriges Geld für bessere Dinge reicht.

Trampen ist schnell. Nicht nur auf Urlaubsreisen ist Autostopp als Transportalternative interessant. Auf deutschen Autobahnen kannst du dich wunderbar fortbewegen indem du von Rasthof zu Rasthof trampst. Das ist eigentlich wie U-Bahn fahren. Auf den großen Transitstrecken in Deutschland, wie zum Beispiel auf der A2 oder auf der A7 bist du dabei oft sehr schnell unterwegs. Die durchschnittlichen Wartezeiten auf deutschen Autobahnraststätten liegen bei etwa 15 Minuten. Im Gesamtdurchschnitt habe ich eine Wartezeit von 23 Minuten inklusive Landstraßen erreicht - und das bei über 35.000 getrampten Kilometern. Insgesamt bewege ich mich in Deutschland, Wartezeiten mit eingerechnet, mit etwa 70 km/h fort. Für 700 Kilometer plane ich also eine Fahrtzeit von zehn Stunden ein. Erfahrungsgemäß kommt man damit gut hin. Schneller als du dachtest, oder?

Trampen ist interessant. Neben der Kostenersparnis und der Schnelligkeit gibt es einen anderen Faktor, der das Reisen per Anhalter interessant macht: Die Abwechslung und die Unterhaltung. Die Leute, die dich mitnehmen sind so vielfältig wie das Leben sein kann. Vom Vorstandschef der Commerzbank bis hin zu einem ehemaligen Obdachlosen, vom afrikanischen Bootsflüchtling bis hin zum trendigen Modedesigner, alle haben mich schon mitgenommen - egal ob jung oder alt. Das sich dabei interessante Gespräche ergeben ist klar. Außerdem bekommt man oft die Gastfreundschaft der Fahrer zu spüren, wird zum Essen eingeladen, hört spannende Geschichten oder führt Unterhaltungen, an die man sich noch lange erinnern kann. Im Gegensatz zur stumpfsinnigen Bahnfahrt wird es niemals langweilig.

Trampen ist Umweltschutz pur. Wer Wert auf Umweltschutz legt, der hat mit trampen ein Transportmittel gefunden, dass er immer wieder ohne schlechtes Gewissen benutzen kann. Die Autos fahren sowieso, ob du nun mitfährst oder nicht. Der Kraftstoffverbrauch erhöht sich pro weiteren Mitfahrer um gerade einmal 2%. Damit fährst du fast CO2 neutral und umweltfreundlicher als mit Bus oder Bahn. Wer trampt hat also im wahrsten Sinne des Wortes einen grünen Daumen.

Mikael bei der deutschen Trampmeisterschaft

Mikael bei der deutschen Trampmeisterschaft (Bild: Simona Sadzevičiūtė @ hitchwiki.org)

Wie trampen funktioniert

Das schwierigste am Trampen ist eine geeignete Trampstelle zu finden. Gerade wenn du aus einer Stadt raustrampst, solltest du an einer Straße stehen, die in Richtung Autobahn führt oder überregionalen Verkehr hat. Dort suchst du dir eine Stelle aus an denen Autos möglichst gut anhalten können und von der du schon von Weitem gesehen werden kannst, zum Beispiel eine Bushaltestelle mit Ausbuchtung.

Helle oder farbige Kleidung ist von Vorteil. Ziehe auch keine Sonnenbrille und auch keine Mütze an.

Nähert sich ein Auto, versuchst du mit dem Fahrer Sichtkontakt herzustellen, lächelst freundlich in die Richtung des Autos und hälst deinen Arm mit gestrecktem Daumen nach oben zur Fahrtrichtung raus. Zur Unterstützung kannst du ein Schild, welches gut lesbar mit deinem Ziel oder einer Richtung versehen ist, mit der anderen Hand festhalten. Ein griffbereiter, handlicher Rucksack macht dich schon von weitem als Tramper erkennbar.

Es ist normal, dass es beim ersten Mal ein etwas komisches Gefühl ist mit ausgestrecktem Daumen an der Straße zu stehen. Das Gefühl legt sich sehr schnell.

Versuche einen Lift (so wird im Tramperjargon deine Mitfahrgelegenheit bezeichnet) zu finden, der dich bis zum nächsten Autobahnrasthof mitnimmt. Von dort aus kannst du bequem und schneller weitertrampen als von einer Ausfahrt oder von einem Autohof. Du kannst auch an einer Tankstelle versuchen die Leute direkt beim Tanken anzusprechen und fragen ob sie bereit sind dich ein Stückchen mitzunehmen.

Fahre nicht zu weit mit und auch nicht zu kurz. Oft ist es besser an einer guten Trampstelle wie einem Autobahnrasthof auszusteigen, statt zwar ein paar Kilometer weiter gekommen zu sein und dafür festzustecken. Mache deshalb schon beim Einsteigen klar, wo du aussteigen möchtest.

Denke daran, dass du deinen Trip möglichst so planst, dass du auf jeden Fall im Hellen ankommst. Fahre also möglichst früh los. Im Dunkeln sind deine Chancen mitgenommen zu werden deutlich geringer.

Kombiniere Trampen mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Oft macht es Sinn große Strecken schnell und kostengünstig per Anhalter zu fahren und dann pünktlich mit dem Regionalverkehr bis zu deiner Haustür zu fahren. Ich trampe zum Beispiel sehr oft von Berlin nach Köln und fahre dann mit dem Regionalexpress nach Neuwied, wo ich hin möchte.

Sicherheitstipps

Trampen ist nicht gefährlicher als Fahren mit Bus oder Bahn. Die größte Gefahr beim Trampen ist in einen Verkehrsunfall verwickelt zu werden. Deshalb.

  • Fahre nicht bei Leuten mit, die betrunken sind oder unter Drogeneinfluß stehen.
  • Vermeide mit übermüdeten Leuten zu fahren. Im Zweifel kannst du auch anbieten selbst zu fahren, damit sich dein Fahrer ausruhen kann.
  • Bitte Raser dich möglichst am nächsten Rasthof wieder abzusetzen. Der nächste Lift kommt bestimmt.

Niemand hat Interesse daran dich auszurauben und umzubringen, dies sind leider immer wieder Szenen aus Krimis und Filmen. Wenn du trotzdem ein ungutes Gefühl hast, kannst du folgende Tipps berücksichtigen:

  • Schicke mit deinem Handy eine Textnachricht mit dem Nummernschild deines Fahrers an einen Freund oder Verwandten und weise deinen Fahrer auf diese Sicherheitsvorkehrung hin.
  • Vermeide Gespräche über kontroverse Themen wie Politik, Sex oder Religion.
  • Sprich die Leute beim Tanken am Rasthof an und frage ob sie dich mitnehmen, so suchst du die Leute aus bei denen du mitfährst und wirst nicht selbst ausgesucht.
  • Als Frau fahre nur bei Frauen oder Pärchen mit.
  • Trage keine sexuell aufreizende Kleidung.
  • Steige nicht ein, wenn du ein ungutes Gefühl hast.
  • Trage dein Gepäck möglichst griffbereit bei dir.
  • Sollte der Fahrer versuchen dich anzubaggern, sage ihm konsequent, dass du kein Interesse hast und dein Freund schon auf dich wartet.
  • Sage konsequent und deutlich, dass du aussteigen möchtest.
  • Behalte die Kontrolle über das Gespräch.
  • Falls es wirklich zu dem unwahrscheinlichen Fall kommen sollte, dass dich jemand nicht rauslassen will: Halte ein "Hilfe"-Schild ans Fenster, ziehe die Handbremse oder wirf ein brenndes Stück Papier auf den Rücksitz.

Ausrüstung

Du brauchst nicht viel zum Trampen. Eine Flasche Wasser und eine gute Karte mit eingezeichneten Rasthöfen an den Autobahnen sind jedoch Pflicht. Außerdem empfiehlt sich ein handlicher Rucksack in dem du dein komplettes Gepäck unterbringen kannst. Weitere Ausrüstungsgegenstände wären beispielsweise

  • Einen dicken Filzstift. Ich empfehle den extra dicken Edding 850
  • Als Straßenkarte ist für Deutschland, Österreich, Schweiz der Falk Straßenatlas zu empfehlen
  • Für einen großen Rucksack würde ich den Tatonka Yukon wählen, der ein super Preis-Leistungs Verhältnis besitzt
  • Für kleinere Touren und super handlich ist auch der Tatonka Cima di Basso
  • Eine kleine, schnell einziehende Sonnencreme für das Gesicht
  • Je nach Bedarf, Regenjacke, Zelt, Hängematte und persönliche Gegenstände
  • In fremden Ländern unbedingt eine Reiseapotheke und ein handliches erste Hilfe Set

 

Weiterführende Links

  • Hitchwiki - Alle Informationen rund ums Trampen und tolle Ortsdatenbank
  • Abgefahren - Die deutsche Autostopp-Gesellschaft und Veranstalter der deutschen Trampmeisterschaft
  • Hitchwiki Maps - Eine hilfreiche Übersichtskarte mit Trampstellen
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