Grundrezept: Pudding kochen ohne Ei

Was haben unsere Großmütter gemacht, als es noch kein fertiges Puddingpulver aus dem Supermarkt gab? Tatsächlich finden sich in alten Kochbüchern jede Menge Rezepte für Pudding, die aber meistens – nach meinem Geschmack – zu aufwendig und zu üppig sind. Ohne Eigelb und Eischnee geht da nichts. Wirklich nicht?

Hier ein ganz einfaches Grundrezept, das ohne Ei auskommt. Mit ihm ist Pudding selber zu kochen kaum aufwendiger als mit Fertigpulver. Geschätzte Zubereitungszeit (ohne Schnickschnack): 10 bis 15 Minuten. 

 

Pudding-Grundrezept – Zutaten
für vier kleine Portionen

½ Liter Milch

2 gehäufte Esslöffel Speisestärke ("Mondamin", "Gustin")

50 Gramm Kuvertüre

etwa 2 Esslöffel Zucker – je nach Geschmack

Statt Kuvertüre kann man fürs Puddingkochen natürlich normale Schokolade verwenden. Doch Kuvertüre hat den Vorteil, dass sie schneller schmilzt. Und sie verleiht dem fertigen Pudding ein bisschen Glanz. Außerdem punktet sie in Sachen Vorratshaltung: Im Gegensatz zu richtiger Schokolade "verschwindet" sie nämlich nicht einfach so aus dem Schrank… Kuvertüren gibt es in drei Geschmacksrichtungen: weiße Kuvertüre, Vollmilch und Zartbitter.

Die Zuckerangaben sind im Rezept mit einem dicken "Zirka" zu verstehen. Das hat drei Gründe:

  1. Süße ist sowieso Geschmackssache.
  2. Es macht einen Riesenunterschied, ob der Pudding heiß oder kalt gegessen wird. Für warmen Pudding kann man mit dem Zucker sparsam umgehen. Soll der Pudding aber kalt serviert werden, empfiehlt es sich, Zucker großzügig zu verwenden. Der Grund: Kälte reduziert das Geschmacksempfinden. Kürzlich ist mir ein Kokospudding viel zu süß geraten und ich war beim Probieren direkt nach dem Kochen total enttäuscht. Doch gekühlt hat er dann richtig gut geschmeckt.
  3. Je nachdem, was zum Verfeinern verwendet wird, kann die Zuckermenge reduziert werden. Das gilt beispielsweise für Kakaopulver, das selbst gesüßt ist.

 

Und so geht's: Die Speisestärke in eine Tasse geben und mit etwas kaltem Wasser glattrühren. Die Kuvertüre mit dem Messer kleinmachen und sie samt Zucker in der Milch erhitzen. Umrühren ist dabei immer gut.

Wenn sich Kuvertüre und Zucker ganz aufgelöst haben (geht schnell!) und die Milch ganz heiß ist, dann die Speisestärke einrühren. Anschließend alles kurz aufkochen, denn die Stärke, meist ist das Maisstärke, bindet erst bei 90 Grad ab.

Sobald die Masse anfängt, sämig zu werden (immer noch rühren!), den Topf vom Herd nehmen. Noch ein bisschen weiterrühren und dann den Pudding in kleine Schüsseln füllen.

Echt simpel, oder?

Für Auge und Gaumen: Obststückchen als frische Grundlage

Total lecker ist es, eine Schicht frisches Obst in die Schälchen zu füllen, bevor der Pudding dazukommt. Denn viele Obstsorten harmonieren wunderbar mit Schokolade. Kinder wissen schon, warum sie Schokoladen-Fondue so gerne mögen.

Zu dunkler Schokolade passen Birnen oder Bananen perfekt. Mit Kokos harmonieren Mango und Heidelbeeren gut, mit Vanille Himbeeren und Erdbeeren. Solche Obstvariationen punkten nicht nur geschmacklich, sondern machen in durchsichtigen Schälchen auch optisch viel her. Oder man verwendet einfach ganz normale Trinkgläser zum Abfüllen.

i-Tüpfelchen: Mandelplättchen, Schokosauce, Baileys und Co.

Das Tüpfelchen auf dem "i" ist bei Pudding alles, was darübergestreut oder -gegossen werden kann. Das können Mandelplättchen sein, die vom Backen übrig sind und die am besten kurz in einer heißen Pfanne geröstet werden. Oder gehackte Haselnüsse. Oder ein Klecks Sahne. Neben Schoko-, Himbeer- oder Karamellsauce (die man erst mal haben muss), eignen sich Eierlikör oder Baileys prima, die Komposition abzurunden. Auch ein paar Blättchen Minze machen sich gut. 

 

Probe aufs Exempel: Das Grundrezept in drei Variationen

Schokopudding: dunkle Kuvertüre – Kakaopulver

Dunkle Kuvertüre verwenden und zusätzlich ein bis zwei Esslöffel Kakaopulver untermischen. Dann wird der Geschmack richtig schön schokoladig. Ein Esslöffel Zucker dürfte dann genügen.

Obstgrundlage: Bananen, Birnen

i-Tüpfelchen: geröstete Mandelplättchen, gehackte Haselnüsse, Eierlikör, Sahne

Vanillepudding: weiße Kuvertüre – Bourbon-Vanille

Für diese Variante natürlich weiße Kuvertüre verwenden. Die spannende Frage ist, wie man wirklich Vanillegeschmack in den Pudding bekommt. Ich verwende am liebsten Vanilleschoten, die ich in der Mühle frisch mahle. Vanillearoma oder Vanillezucker tun's aber auch.

Obstgrundlage: Himbeeren, Erdbeeren, Brombeeren (vorher kurz gedünstet)

i-Tüpfelchen: gehackte Pistazien, Schokostreusel

Kokospudding: weiße oder Vollmilch-Kuvertüre – Kokosraspel

Einfach zwei Esslöffel Kokosraspel gleich beim Erhitzen mit Zucker und Kuvertüre in die Milch einrühren, damit sie noch ein bisschen quellen. Die Kokosraspel machen sich mit weißer Kuvertüre genauso gut wie mit Vollmilch-Kuvertüre. Sie sorgen für eine angenehme sämige Pudding-Konsistenz. Man kommt durch sie auch mit etwas weniger Stärke aus.

Und noch ein Tipp: Bei der Kombi Kokos & Weiße Schokolade machen sich zwei Spritzer Zitronensaft gut. Das gibt dem Ganzen eine frische Note.

Obstgrundlage: Mangostückchen, Himbeeren, Heidelbeeren

i-Tüpfelchen: Schokosoße, geröstete Mandel-Plättchen, frische Minze

Die Variante für Veganer: Pudding ohne Milch und ohne Ei

Schokopudding mit Sauerkirschsaft

Das Grundrezept eignet sich auch für Puddings, die ganz ohne Milch auskommen, also so Au ch für Veganer geeignet sind. Dazu einfach die Milch durch Obstsaft ersetzen: Besonders eignen sich Sauerkirschen aus dem Glas, weil die Säure der Früchte wunderbar mit der Schokolade harmoniert. Grundsätzlich wären natürlich auch andere Obstsäfte denkbar. Der Vorteil von Säften: Sie können kaum anbrennen. Das heißt, es bleibt genügend Zeit, um auch richtige Schokolade schmelzen zu lassen.

Also: Aus 400 ccm Sauerkirsch-Saft mit dem Zucker, gehackter Zartbitter-Schokolade und Mondamin einen Pudding kochen.

Obstgrundlage: Sauerkirschen (die hat man ja quasi übrig…)

i-Tüpfelchen: Schlagsahne, geröstete Mandeln 

Ideal als Kombi: Fruchtsaft-Wackelpudding

Mangosaft-Pudding mit Quark oder Milchreis

Fruchtsaft einfach mit Stärke anzudicken, das ergibt eine lecker duftende Masse. Dieser leuchtende Wackelpudding eignet sich hervorragend, um ihn mit Quark zu verrühren. Oder als Dreingabe zu Milchreis und Grießpudding. Ich habe es kürzlich mit Mangosaft aus dem Tetrapack versucht, für den ich sonst keine Verwendung hatte. Sehr lecker. Schokolade oder Zucker kann man sich dabei getrost sparen. Solche Fertigsäfte sind süß genug.

Plädoyer für Selbstgerührtes: Den eigenen Lieblingspudding kreieren

Wenn ich heute beim Einkaufen an den Regalen mit Puddingpulver vorbeigehe, freue ich mich, dass ich darauf jetzt verzichten kann. Dabei habe ich grundsätzlich nichts gegen ausgeklügelte Fertigpuddings. Aber der Clou beim Selbermachen ist doch, sich genau den Pudding kochen zu können, auf den man gerade Appetit hat. Mehr oder weniger schokoladig. Mit mehr oder weniger Frucht. Mit oder ohne Eierlikör. Eines kann ich jetzt schon versprechen: Kein selbstgemachter Pudding schmeckt wie der andere! Viel Spaß beim Ausprobieren!

Das Sahnehäubchen: Pudding ist nicht gleich "pudding"

Wer in England "pudding" als Nachtisch bestellt, wird sich unter Umständen wundern. Denn das meint auf der britischen Insel keine cremige Masse auf der Grundlage von Stärke, sondern bezeichnet eher eine Art Puddingkuchen, der übrigens durchaus auch herzhaft ausfallen kann. Die Zutaten sind gehaltvoll: Kalbsnierenfett, eingeweichtes Brot oder Brötchen, Trockenfrüchte, Eier, Mandeln. Das liest sich jedenfalls nicht wie eine Anleitung zur Genügsamkeit. Diese Teigmasse wird traditionell zum Kloß geformt, in einem Tuch oder einer Form in kochendem Wasser stundenlang gegart und später in Scheiben geschnitten. Das Prinzip bayerischer Serviettenknödel also.

Plumpudding ist ein Beispiel für so einen Puddingkuchen, den man schon allein wegen seines klangvollen Namens unbedingt ausprobieren müsste. Denn schon beim Aussprechen muss man den Mund richtig voll nehmen - wirklich sympathisch. Eine besondere Variante davon ist der Christmas Pudding, der mit dunkler Melasse (Sirup aus Zuckerrohr) gemacht wird und angeblich bis zu einem Jahr haltbar ist.

Black Pudding klingt zwar fast genauso schön wie Plumpudding, ist aber eine Art Blutwurst. Trotzdem meint die Frage "What's for pudding?" Aus den Munde eines Briten einfach nur: Was gibt's als Nachtisch?

Fotos: pixabay.com (Hans Braxmeier, Efraimstochter, ClkerFreeVectorImages, Bairli1); pixelio.de (Brit Berlin) 

Mondstein, am 29.01.2014
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