Aufstieg und Fall des IT-Unternehmens

1997 - Gründung des Unternehmens

 

Oft ist Innovation zunächst dort zu finden, wo sich enorme Summen bewegen. So auch im Bereich des Online-Glückspiels und der Porno-Industrie. Diese Unternehmen sind längst aus dem Tabu und den geheimen Nebenzimmern der Lokale in die strahlende und vermeintlich saubere Welt des Online-Biz transferiert worden. Wirecard – 1997 gegründet – wird als Vermittler zwischen Händler und Käufer im Internet konzpiert und soll den raschen Produkttransfer ermöglichen. Je einfacher der Zahlungsvorgang, desto eher sind steigende Geschäftszahlen zu erwarten und damit wird eine Investition interessant. Und so ist Wirecard ein Unternehmen, das praktisch zwischen den Banken vermittelt: Der Kunde bezahlt und die Verkäuferbank ihr Geld erhält.

 

2008 – erste Vorwürfe der Bilanzfälschung

 

Das Unternehmen expandiert und man stellt neben dem Manager Markus Braun, auch einen jungen Wiener ein, Jan Marsalek. Der Mann gilt als "Runaway-Boy" und ist erst 19 Jahre alt, als er sich bei Wirecard vorstellt. Er scheint mit einem eigenen Unternehmen Pech gehabt zu haben und erhält von Wirecard eine Chance, sein Können zu beweisen. Jahre später wird man ihm "große kriminelle Energie" vorwerfen und ihn für das Verschwinden von 1,9 Mrd. Dollar mitverantwortlich machen.

 

2015 - der Artikel erscheint in der FT

 

Zunächst tauchen Zweifel an den enormen Zugewinnen auf. Doch Wirecard, das den Sprung an die Börse schaffte, werden von verschiedenen Wirtschaftsprüfunternehmen - KMPG, EY - gute Kritiken beschieden. Doch mit dem Ruhm kamen auch die Anleger und die Medien: Wettbewerber hatten bei weitem nicht eine solche Performance. Einerseits werden dann Short-Händler, die mit fallenden Kursen arbeiten, aufmerksam. Andererseits wird dann auch die BAFIN und die Staatsanwaltschaft hellhörig, doch zunächst werden dem IT-Startup Rosen gestreut und diese Zweifel als Versuch von Manipulation abgetan. Selbst die Kanzlerin reiste einst mit der Kauf-Empfehlung für das Unternehmens nach China, doch da zeichnete sich bereits der Crash ab. Inzwischen aber weiß man, dass das Finanzwesen in Deutschland neu aufgestellt werden sollte.

 

2020 - der Einbruch nach langem Spiel

 

Geldwäsche, Bilanzmanipulation, (gewerbsmäßiger Banden)Betrug, Marktmanipulation führten zu einer Diskrepanz, die ein Leak von 1,9 Milliarden Dollar offenbarte. Experten meinen, die fehlende Summe war so groß, dass man sie "nicht sah", weil es nicht vorstellbar war. Und, dass, wenn man näher nachforscht, in einen politischen Sumpf gelangen könnte, den man lieber nicht aufwühlen wollte. Nun steht man vor einem Fehler im System, der eigentlich von vielen Personen nicht wirklich korrigiert werden will. Teil des Spiels war auch Vertuschung, Einschüchterung und Beschattung von Kritikern, der mit Hilfe von staatlichen Exekutivorganen ausgeführt wurde.

Jan Marsalek am Deutschen ...

Jan Marsalek am Deutschen Fahndungsposter (Bild: https://www.foxbusiness.com...)

Jan Marsalek - der COO (Chief Operations Officer)

Der Head der Wirecard, der dafür verantwortlich gemacht wurde, dass die Milliarden fehlen, Jan Marsalek, geflohen: Als Auswirkungen dieses Falls, der zum Verfall der Aktien und zu Opfern unter den Anlegern führte, führen nach Wien, aber auch in die Geheimdienste des Ostens (GRU). Ziemlich kurzfristig nach dem Auffliegen des Skandals um die 1,9 Mrd. Dollar setzte sich Marsalek nach Tallin und später nach Minsk (Wirklich?) ab. Gerüchten zufolge ist das Geld, das auf philippinischen Konten gehortet wurde, allerdings verschwunden. (Es wird wohl nicht ein "Bank Heist" gewesen sein?)

 

Das letzte Wort ist in diesem Krimi aber sicher noch nicht gesprochen, denn die Verstrickungen Marsaleks reichen nicht nur in die deutsche, sondern auch in die österreichische Politik. So wurde einerseits die Flucht mit Hilfe von österreichischen Beamten und Anwälten mitermöglicht. In wie weit die Fäden der Wirecard in Österreich und andernorts bis zu regierenden Politikern reicht, bleibt im Bereich der Spekulation und werden Ermittlungen ergeben. Es gibt aber ein weitverzweigtes Netz an Business-Investitionen, so dass davon ausgegangen werden kann, dass Marsalek sich gut abgesichert in weiten Teilen der Welt bewegen kann. 

 

Weiterführende Information

 

Wirecard - Von Sehern ...

https://www.youtube.com/watch?v=JoFFBQdAtds

 

Wirecard Skandal erklärt: Die Rolle von Geheimdiensten, BaFin & EY - Dr. Marc Liebscher im Interview

https://youtu.be/wEwIiz5mKsc

 

The Wirecard Fraud

https://www.youtube.com/watch?v=ivACzzW5wyA

 

deepsee, am 28.01.2021
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Bildquelle:
Dynamia Verlag, 2020 (Cybercrime four)
Dyn. 2021 (Cybercrime three)
Dyn. 2021 (Cybercrime two)

Autor seit 1 Jahr
65 Seiten
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